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Eine Lebensgeschichte: Abgestürzt und wieder aufgestanden

Torsten Fuchs aus Stolpen, Jahrgang 1967, hat die Hölle durchlebt. Er ist einen langen Weg gegangen, hat gekämpft für sich und seine Familie. Jetzt hilft er anderen.

Torsten Fuchs aus Rennersdorf-Neudörfel mit seinem Buch: "Mein Ego ich und die Schule des Lebens".
Torsten Fuchs aus Rennersdorf-Neudörfel mit seinem Buch: "Mein Ego ich und die Schule des Lebens". © Anja Weber

In Stolpen und inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus ist Torsten Fuchs alias Twister Fuchs'i, kein Unbekannter. Er hat sich gesellschaftlich engagiert, saß für die Partei Die Linke im Stolpener Stadtrat, war aktiv, arbeitete im Gartenbau, bei der Post. Dann machte er sich sogar selbstständig. Wie es bei ihm innen aussah, das hat wohl niemand geahnt. Torsten Fuchs begann zu trinken. Es folgten Depressionen. Und es sollte noch schlimmer kommen. Er hat die Hölle durchlebt. Seit einiger Zeit hilft er anderen Betroffenen. Jetzt hat er ein Buch geschrieben, um Mut zu machen.

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Torsten Fuchs sitzt entspannt auf der Terrasse seines Hauses im Stolpener Ortsteil Rennersdorf-Neudörfel. Er genießt eine Tasse Kaffee mit Blick auf seinen Garten, den Fuchsbau wie er sein Zuhause liebevoll nennt. Er ist ein ehrlicher Mensch, der sagt, was er denkt. Doch irgendetwas muss es schon gewesen sein, was ihn zum Alkohol verführte, "Er stand einfach rum, schon immer. Und da habe ich eben zur Flasche gegriffen, mal mehr, mal weniger", erzählt er. Und es wurde immer mehr.

Er erlernte den Beruf als Gärtner und wechselte dann kurz vor der Wende 1988 zur Post, wo er 23 Jahre blieb, in verschiedenen Tätigkeiten unter anderem als Betriebsrat. 2010 ging er in die Selbstständigkeit. Durch eine alkoholisierte Autofahrt 2012 verursachte er einen Verkehrsunfall. In dessen Folge gab er die Selbstständigkeit wieder auf. Es folgten Gerichtsverhandlung, Entgiftung, Langzeittherapie. Er schaffte es tatsächlich vom Alkohol wegzukommen. Gesundheitlich geht es wieder aufwärts. In Moritzburg absolvierte er eine Ausbildung zum Suchthelfer, arbeitet bei der Diakonie in Neustadt als Gruppenleiter. "Ich konnte sicherlich mit meinen Erfahrungen einigen ebenfalls Betroffenen helfen", ist er sich sicher.

Erst der Alkohol, dann die Depressionen

Im Jahr 2014 schien er aber trotzdem mit allem überfordert zu sein. "Ich habe drei Wochen lang im Bett gelegen oder einfach vor der Arbeit gestanden. Aber es ging nicht", erinnert er sich. Dass er da bereits schwer depressiv war, hat er nicht gewusst. Erst ein Besuch bei der Hausärztin brachte ihn wohl dazu, einen Psychiater zurate zu ziehen. Der Gang dahin war nicht einfach. Schon die Vorstellung dort auf einer Couch zu liegen, ausgefragt zu werden, fiel ihm unsagbar schwer. "Ich bin doch nicht blöd, was soll ich beim Psychiater", habe er sich immer wieder gefragt.

Dann ein mutiger Schritt. Eine erste Terminvereinbarung. Schnell stellte sich heraus, ohne einen längeren Aufenthalt in einem Fachkrankenhaus wird das nichts. Dass er an Depressionen leide, habe er bis dahin gar nicht bemerkt.

Innerlich habe er sich dagegen gesträubt, ein stationärer Aufenthalt? Doch nicht für ihn. Er hatte dann mit der Tagesklinik angefangen. Früh hin und nachmittags wieder zurück. Er hatte da zwar seine Familie um sich. Doch in dieser Zeit war das für seine Frau und seine Kinder wohl eher schwierig und auch für ihn. "Für manche ist eine Tagesklinik vielleicht gut. Aber ich würde einen stationären Aufenthalt empfehlen, weil man sich da besser nur auf sich konzentrieren kann", sagt er. Und er wollte wieder ein normales Leben führen können, für seine Familie da sein. Es folgten jedoch weitere ambulante Aufenthalte.

Torsten Fuchs hat das Modellieren von Luftballons erlernt und reist jetzt als Twister Fuchs'i durch die Lande.
Torsten Fuchs hat das Modellieren von Luftballons erlernt und reist jetzt als Twister Fuchs'i durch die Lande. © privat

Start in ein neues Leben

2017 sei er dann, vielleicht auch inspiriert durch seine künstlerischen Therapien in der Fachklinik, zum Modellieren von Ballons gekommen. Autodidaktisch lernte er immer mehr dazu. Seit 2019 ist er dafür freiberuflich angemeldet und reist unter dem Künstlernamen Twister Fuchs'i durch die Lande, bringt Kindern und Erwachsenen Freude. Ballons kann er zu jedem Anlass modellieren. Die Anfänge seien zwar etwas sperrig gewesen. Doch inzwischen tritt er bei Geburtstagen aller Generationen, Volksfesten, Hochzeiten sogar bei Trauerfeiern auf. Es macht Spaß. Er kommt herum.

Doch im März dieses Jahres war es wieder da, dieses beklemmende Gefühl. Die Depressionen hatten ihn wieder eingeholt. Am 25. März 2021 ließ er sich dieses Mal stationär für zehn Wochen einweisen. Es sei einfach nicht mehr gegangen. Er habe nur noch im Bett gelegen, nichts gegessen und dann sei da immer wieder der Druck auf der Brust gewesen, die Angst und die Panikattacken. Doch inzwischen weiß er, so etwas kann man nicht zu Hause auskurieren. Er weiß aber auch, um den noch viel verbreiteten Ruf einer psychiatrischen Klinik. Um die Eindrücke einzufangen, hat er ein Tagebuch geschrieben. "Und während des Aufenthaltes habe ich mich dann entschlossen, das Werk zu veröffentlichen, mit mir in der Hauptrolle", sagt er. Zum einen will er damit Betroffenen Mut machen und die Entscheidung erleichtern, sich stationär behandeln zu lassen. Und zum anderen, um Angehörigen oder auch nicht Betroffenen ein modernes Klinikbild der heutigen Psychiatrie zu zeigen.

Bei vielen Menschen sei das immer noch negativ behaftet, manche hätten Vorurteile. Er ist der Meinung, es könne jeden treffen. Und bei seinen Klinikaufenthalten hat er vor allem auch viele junge Menschen getroffen, die an Depressionen gelitten haben.

All das führte nun dazu, dass er sich auch entschieden habe, seine Geschichte öffentlich zu machen. Nur so, da ist er sich sicher, könne man anderen helfen. Dem Buch hat er den Titel gegeben: "Mein Ego ich und die Schule des Lebens". Das Buch kann unter anderem über Amazon oder bei ihm direkt bestellt werden. In der Neustädter Bücherinsel ist es sofort erhältlich.

Die Resonanz auf das Buch sei bislang überwältigend. Über Facebook oder WhatsApp oder auch am Telefon gebe es Nachfragen und durchweg positive Kommentare. "Es gab und gibt viele Menschen, die an mich glaubten und glauben. Das hat mir innerlich wohl auch viel Selbstbewusstsein und Vertrauen gegeben", sagt Torsten Fuchs. Und er hat noch einen Hinweis. Wer es schaffen will, muss selbst mitarbeiten, sonst wird es nicht.

  • Buchtitel: "Mein Ego ich und die Schule des Lebens" von Twister Fuchs'i
  • ISBN-13: 979-8540190886
  • zum Beispiel bei Amazon für 12,78 Euro
  • Herausgeber: ‎ Independently published (19. Juli 2021)
  • erhältlich auch in der Neustädter Bücherinsel, Böhmische Str. 6 für 7.99 Euro
  • Als E-Book ist das Buch überall im Handel erhältlich.
  • Torsten Fuchs steht auch für Lesungen und einen offenen Gedankenaustausch zur Verfügung.

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