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Deshalb hat Stolpener Ärztin ein Gotteshaus gekauft

Erst Schützenhaus, dann Gaststätte, später katholisches Kirchgemeindezentrum. Jetzt gibt es für den Gebäudekomplex einen speziellen Plan.

Berit Rasche steht im Hinterhof des ehemaligen Schützenhauses. Eine Ansicht, die so nur wenige kennen.
Berit Rasche steht im Hinterhof des ehemaligen Schützenhauses. Eine Ansicht, die so nur wenige kennen. © Weber

Die hölzernen Treppen im Aufgang zur Kapelle der katholischen Kirchgemeinde knarren bei jeder Bewegung. Berit Rasche nimmt sie schnellen Schrittes. "Irgendwie riecht es komisch, einige sagen, es wären die Kerzen. Vielleicht ist es auch, weil das Gebäude sehr feucht ist", sagt sie fast entschuldigend und schließt die Tür zur Kapelle auf.

Wo ganz früher getanzt wurde, stehen Kirchenbänke, ein kleiner Altar, Reliquien. Eben alles wie in einer Kapelle.

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Stolpens Katholiken treffen sich tatsächlich - zurzeit noch - an einem besonderen, eher ausgefallenen Ort. Der nicht zu übersehende riesige Gebäudekomplex wurde 1882 als Schützenhaus gebaut. Später wurde daraus die Gaststätte "Zur Eiche". 1951 hatte die Katholische Gemeinde das Haus gekauft und als Gotteshaus umbauen lassen. Doch mit dieser Nutzung ist in wenigen Tagen vorbei. Mit der Stolpener Allgemeinmedizinerin Berit Rasche hat die Immobilie eine neue Besitzerin. Sie hat große Pläne.

Erbaut wurde das Gebäude 1882 als Schützenhaus. Später wurde es Gaststätte und Kapelle.
Erbaut wurde das Gebäude 1882 als Schützenhaus. Später wurde es Gaststätte und Kapelle. © Anja Weber

Schon vor einiger Zeit suchte die Katholische Kirche einen Käufer für das Gebäude. Angesichts der Größe des Objekts habe sich die Suche anfangs etwas gezögert. Außerdem scheint der Zustand nur auf den ersten Blick noch ganz in Ordnung. Aber Berit Rasche ließ sich davon nicht abschrecken. Letztlich hatte sie sich zum Kauf entschieden, vielleicht auch, um als selbst aktives Kirchenmitglied der immer kleiner werdenden katholischen Gemeinde weiter einen Raum zu geben. Ob dieser wieder geweiht werde, das kann sie nicht sagen. Die Gemeinde hat ansonsten noch kein neues Domizil.

Was Rasche aber mit Sicherheit weiß, ist das, was sie mit dem Haus vorhat. Und das ist ziemlich viel. Auch die Lage direkt an der Bushaltestelle bringt einige Vorteile, vor allem für diejenigen, die nicht oder nicht mehr motorisiert sind.

Pflegedienst kommt ins Erdgeschoss

Das Erdgeschoss wird so umgebaut, dass hier ein ambulanter Pflegedienst einziehen kann. Geplant sind unter anderem auch ein Pflegebad. Sollten noch Räume frei sein, ist Berit Rasche offen für weitere Mieter. Die zweite Etage unter anderem mit der Kapelle wird entkernt. Die gesamte Fläche benötigt sie für ihre Arztpraxis. Das war überhaupt der Grund, weshalb sie sich nach anderen Möglichkeiten umgeschaut hat. "Meine Praxis ist personell gewachsen. Außerdem haben wir einen ziemlich großen Patientenkreis. Also ich brauchte einfach mehr Platz. Dass es jetzt nicht nur eine neue Praxis, sondern ein etwas größeres Projekt ist, hat sich so ergeben", sagt sie.

Der jetzige Dachboden wird ebenfalls ausgebaut und durch Dachgauben auch etwas luftiger gestaltet. Die dort entstehenden Wohnungen werden alle behindertengerecht ausgestattet. "Neben der Treppe wird ein Aufzug installiert, sodass Wohnungen wie auch Arztpraxis bequem zu erreichen sind", sagt Berit Rasche.

Ein Bistro für die Mittagszeit

Zum Gebäudekomplex gehört noch ein großes Außengelände. Auf dem steht auch noch ein kleineres Haus, welches zu Schützenhauszeiten als Ladestation für die Gewehre genutzt wurde. Dort soll dann die gesamte Heiztechnik untergebracht werden. Eine große Wiese schließt sich an. Hier wäre Platz für ein weiteres Gebäude. Doch damit will sich Berit Rasche Zeit lassen.

Zuerst ist das Haupthaus dran. Und dazu gehört noch ein Anbau. Dafür gibt es bereits einen Plan. Die Investorin will hier einen multikulturellen Begegnungsraum entstehen lassen, der dann auch von der katholischen Kirchgemeinde mit genutzt werden kann. Außerdem denkt sie an ein kleines Bistro mit wenigen Gerichten. "Bei mir in der Praxis ist ein Iraner beschäftigt. Dessen Mutter kocht ganz lecker und da könnte ich mir auch ein paar Gerichte für das Bistro vorstellen", sagt sie. Nichts Großes, sondern eine kleinere Mittagsversorgung. Außerdem plant sie ein Foyer aus Glas. Hier könnten dann unter anderem Vorträge oder Lesungen oder Konzerte stattfinden. Alles nicht zu groß gehalten, aber eben eine Bereicherung und ein Ort der Begegnung.

Sorgen bereitet derzeit vor allem ein großer Keller. Dort sind die Wände feucht, was auch über das gesamte Haus ausstrahlt. Deshalb muss das Gebäude zunächst einmal trockengelegt werden. Der Keller soll eventuell zugeschüttet werden, da sie dafür keine Verwendung habe.

Auf jeden Fall gehört ziemlich viel Mut dazu, in einen solch großen Komplex zu investieren. Das weiß auch Berit Rasche. "Aber durch den Umbau wird das Gebäude generell aufgewertet und weil es dann behindertengerecht ist, kann es vielseitig genutzt werden", sagt sie. Der Bauantrag laufe, mit dem Denkmalschutz sei auch schon einiges abgestimmt. Wenn alles klappt, könnte im Sommer 2023 Eröffnung sein.

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