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Dienstältester Pfarrer darf in den Ruhestand

Wolfram Albert wollte schon vor einem Jahr mehr Zeit für Familie und Hobbys haben. Doch da kam etwas dazwischen. Jetzt verabschiedet er sich aber doch.

Von Anja Weber
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Pfarrer Wolfram Albert aus Lauterbach geht nach über 35 Jahren in den Ruhestand.
Pfarrer Wolfram Albert aus Lauterbach geht nach über 35 Jahren in den Ruhestand. © SZ/Archiv

Nach über 35 Jahren Pfarrdienst in Lauterbach, Bühlau und Oberottendorf geht Pfarrer Wolfram Albert jetzt in den Ruhestand. Die Tür in seiner Kirche hatte er schon letztes Jahr zugeschlossen, wollte bis zum Ruhestand in die Arbeitslosigkeit gehen. Doch als Pfarrer wird man nicht so einfach arbeitslos. Und Wolfram Albert musste noch ein Jahr als Seelsorger in Wünschendorf/Eschdorf dranhängen. Jetzt darf er endlich in den Ruhestand.

Wenn sich Wolfram Albert jetzt mehr seiner Familie und seinen Hobbys widmen kann, so hinterlässt er doch viele Spuren. Als engagierter Bauherr hat er es geschafft, dass die Kirchen in Lauterbach, Oberottendorf und Rückersdorf saniert wurden sowie das Pfarrhaus in Oberottendorf, um nur einige seiner Baustellen zu nennen. Als Spendensammler war er für seine Projekte bekannt. Und er griff auch zu unkonventionellen Methoden. Um zum Beispiel die Kirche in Oberottendorf zu sanieren, verkaufte er für den Eigenanteil der Kirchgemeinde schon mal Biergläser und Windlichter mit Motiven der Kirche.

Ihm ist es gelungen, die Menschen zu begeistern und auch zum Spenden zu animieren. Unter seiner Leitung wurden auch die evangelischen Kindergärten in Bühlau und Lauterbach saniert. Immer wieder hat er neue Ideen und verlangt damit seiner Kirchgemeinde auch einiges ab, aber immer nur soviel, wie er selbst leisten kann.

Mit ihm geht also nicht nur ein Pfarrer in den Ruhestand, der Gottesdienste feiert. Mit ihm geht ein streitbarer, ehrlicher Mensch in den Ruhestand. So wie er etwas sagte, meinte er es. Und damit polarisierte er auch. Ausschlaggebend für seinen Rückzug im vergangenen Jahr war die Gründung des neuen Kirchgemeindebundes Nördliche Sächsische Schweiz mit den Kirchgemeinden Stolpen, Neustadt, Sebnitz, Hohnstein. Eine Pfarrstelle direkt in Lauterbach hatte darin keinen Platz mehr. Größere Verwaltungseinheiten entsprachen nicht seinem Verständnis von offener Gemeindearbeit. Nach 35 Jahren, in denen er in seiner Kirchgemeinde die Dinge selbst geregelt hat, wollte er sich keinen Chef vor die Nase setzen lassen. Deshalb hatte er sich auch entschieden, aufzuhören. Viele gute Erinnerungen bleiben aber. Er nannte vor einiger Zeit unter anderem die Treffen der Jungen Gemeinde, die Konfirmandenrüstzeiten weit weg von Sachsen aber auch die Ausflüge der Kirchgemeinde in ferne Länder, um andere Kulturen kennenzulernen oder eben auch in Deutschland und in seine Nachbarländer.

Wie viele Gottesdienste, Taufen und Trauungen er abgehalten hat, weiß er nicht genau. Eine Strichliste hat er nicht geführt. Dazu kommen die Trauerfeiern, die Konfirmandenstunden, die Rüstzeiten, Seelsorge und Krankenbesuche. Und dann hat er aber auch noch ganz bürokratische Aufgaben, die Unterhaltung des Stadtwaldes, der beiden Kindergärten oder auch die der Friedhöfe. Sein Arbeitspensum ist enorm gewesen. Das hat sich dann irgendwann gesundheitlich gerächt. Eigentlich wollte er kürzertreten. Als Pfarrer in einer Kirchgemeinde in der man mittendrin lebt, geht das aber nicht. Seine Leidenschaft für alte Autos oder auch seine ostfriesischen Blaukopfschafe waren da mitunter ein willkommener Ausgleich. Auch darum wird es sich jetzt wohl noch mehr kümmern können. Doch wer Pfarrer Albert, nunmehr i.R., kennt, der weiß, dass nun eher ein (Un)-Ruhestand folgen wird.

Ganz ohne persönliche Betreuung bleibt die Kirchgemeinde nicht. Die hat Pfarrer Friedrich Prüfer übernommen. Er hält immer donnerstags abwechselnd in Oberottendorf und Lauterbach zwischen 17 und 18 Uhr eine Sprechstunde ab.