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Stolpen: Aufschub für die Ferkelmast

Der Stadtrat hatte dem Anlagenbetreiber Forderungen gestellt und ein Ultimatum gesetzt. Der bittet aber um Zeit.

Optisch ist ein Großteil der Ställe schon neu. Zum Ärger der Anwohner stinkt es aber mitunter gewaltig.
Optisch ist ein Großteil der Ställe schon neu. Zum Ärger der Anwohner stinkt es aber mitunter gewaltig. © Marko Förster

Bereits seit 2017 wird nun um die Ferkelmastanlage im Stolpener Ortsteil Langenwolmsdorf gestritten. Zum einen geht es um den Gestank der jetzigen kleinen Anlage. Zum anderen geht es um deren geplante massive Vergrößerung. Derzeit stehen 4.488 Ferkel in den Ställen.

Werden diese saniert, hätten darin insgesamt 9.272 Ferkel Platz. Darüber hinaus plant der Eigentümer Marten Tigchelar noch einen neuen großen Stall mit 5.000 Aufzuchtplätzen. Damit wären es dann 14.272 Plätze. Zulässig wären gar 14.480 Ferkel. Da die Ferkel drei Monate im Stall stehen und dann weitertransportiert werden, würden so pro Jahr an die 57.088 Ferkel in der Anlage der Stolpen Agro GmbH in Langenwolmsdorf gemästet. Um das zu erreichen, muss ein Bebauungsplan vorliegen und verschiedene Gutachten etwa zu Lärm und Gestank.

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Stolpens Stadtrat hatte dafür unlängst fraktionsübergreifend Knallhart-Forderungen aufgestellt. Mit dem inzwischen zigsten vorgelegten Entwurf des Investors war man nicht einverstanden. Für den neuen Entwurf wurde diesem eine Frist gesetzt. Die ist ihm jedoch zu kurz. Und er bat um Verlängerung. Die wurde ihm durch den Stadtrat nun auch gewährt. Das allerdings stößt bei vielen direkt Betroffenen auf Ärger.

Deshalb hat der Stadtrat die Frist verlängert

Es stinkt weiter, weil der Investor für den jetzigen Betrieb der Anlage keine Genehmigung braucht, sondern nun im Falle einer Erweiterung. Liegt der vor, können die Anwohner mitreden und ihrerseits die Bedenken anbringen. Diese sind zum Teil auch schon bei den Forderungen der Stadträte mit angeklungen. Darin ging es zum Beispiel darum, dass der Flächennutzungsplan nicht verändert wird. Es sollten nur maximal 10.000 Ferkel in den Ställen stehen. Umfangreich auch die Forderungen zur Geruchsminimierung.

Für den Investor bedeutet das, dass er fast den kompletten Bebauungsplan ändern muss. Und das dauert. So kurzfristig könne er das nicht realisieren, so sein Kommentar. Offen ist, ob er die Forderungen oder Wünsche überhaupt so umsetzen kann oder will. Im Stadtrat wie auch im Ortschaftsrat von Stolpen ist man sicher, so den richtigen Weg gewählt zu haben.

Als Verhinderungsplanung könne man das schwerlich auslegen, denn man habe trotz Ablehnung des B-Plan-Entwurfs dem Investor ein Stück weit eine Brücke gebaut und erkennen lassen, unter welchen Maßgaben man eine Umsetzung für prinzipiell möglich ansehe, sagt FDP-Fraktionschef Hans-Jürgen Friedrich, zugleich Ortsvorsteher von Stolpen. "Aufgrund fortbestehender Beschwerden bezüglich Geruch wäre mir eine Bearbeitungszeit von acht Wochen lieber gewesen, um schneller voranzukommen. Aber an den vier Wochen mehr soll es nicht scheitern", sagt er. Hans-Jürgen Friedrich ist nach wie vor davon überzeugt, dass das B-Plan-Verfahren der einzig zielführende Weg sei, um die kommunalen Interessen zu wahren.

Ähnlich sieht man das offenbar auch in den Reihen der CDU. Auch dort stimmte man einer Fristverlängerung zu. "Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Es gibt auch Zeichen vom Unternehmen auf ein Entgegenkommen und dass man gewillt ist, doch noch einiges zu ändern", sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Roman Lesch.

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