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Stolpens Geheimnissen auf der Spur

Wer noch mehr aus Stolpens Unterwelt erfahren will, muss zunächst einmal bohren. Das Ergebnis könnte überraschen.

Von Anja Weber

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Stolpen. Wer glaubt, dass unter Stolpens Oberfläche schon alles erforscht ist, der irrt offensichtlich. Den Beweis dafür tritt der Geologe und Einwohner Thomas Scholle an. Er setzt darauf, dass Stolpen künftig auch für den Geotourismus noch mehr erschlossen werden könnte. Deshalb leistet er mit verschiedenen Aktionen Vorarbeiten. Dazu gehören auch Bohrungen, um den Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Ihm geht es derzeit vor allem darum, noch mehr Schlacke-Tuff-Aufschlüsse zu finden. Als Tuff bezeichnet man ein Gestein aus mehr oder weniger verfestigter Vulkanasche, also aus dem körnigen Auswurfmaterial des Vulkans. Schlacken sind flüssig ausgeschleuderte Lavafetzen, die in der Luft oder am Boden erstarren.

Fachleute am Werk

Um solche Aufschlüsse an noch weiteren Stellen nachzuweisen, war der Geologe unlängst mit einer Fachfirma und entsprechenden Werkzeugen in zwei Kellern unterwegs. Die waren ihm bislang verborgen. Durch den Verkauf von zwei Häusern in der Innenstadt hatten sich in den letzten Monaten neue Möglichkeiten ergeben, in den Kellern zu forschen. Das Interesse war geweckt. Denn bislang gelang der Nachweis eines Schlacke-Tuff-Aufschlusses nur unter dem alten Rathaus. Dieser Keller konnte übrigens zum Tag des offenen Denkmals in Form einer Exkursion besucht werden. Nun hofft der Geologe auf weitere Nachweise. Und diese konnte er offenbar auch erbringen. Denn nach den Bohrungen liegen jetzt die Ergebnisse vor. Insgesamt vier Probebohrungen wurden durchgeführt. In drei Bohrungen habe man den Aufschluss eindeutig nachweisen können. „Damit wurden unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Die Bohrungsergebnisse haben die Theorie eindrucksvoll bestätigt“, sagt Thomas Scholle. Denn man habe die weiteren Puzzlestücke genau dort gefunden, wo man diese auch vermutet hatte. Seit 1546 gibt es immer wieder Untersuchungen. Doch bislang konnten eben je drei fehlende Puzzlestücke nicht gefunden werden. Der Geologe hat auch eine Erklärung dafür. „Im Gegensatz zu den Kartierungen in den letzten Jahrhunderten gehen wir heute natürlich neue Wege und haben nicht nur aus der Fachliteratur abgeschrieben“, sagt er. Er verweist auf die Forschungen und Kartierungen im Brunnen, in den Basaltgewölbekellern und zahlreichen Baugruben. Durch diesen größeren Datenbestand habe man nun auch zielgerichtet Bohrungen ansetzen können.

Geotourismus im Kommen

Mit den Bohrungen ist das ganze nicht abgeschlossen. In den nächsten Monaten sollen die Erkenntnisse in weiteren Publikationen beziehungsweise Fachzeitschriften veröffentlicht werden. „Damit werden Geowissenschaftler aber auch interessierte Laien angesprochen. Geotourismus ist heute ein wichtiges Argument“, sagt er. Und wenn diese Forschungsergebnisse gut aufgearbeitet würden, werde auch Stolpen davon profitieren, sagt er. Daran würde man bereits arbeiten. Nicht zuletzt hat Thomas Scholle schon mehrere Male Geowissenschaftler zu Exkursionen oder Seminaren eingeladen. Laien bringt er in seinen Führungen zum Tag des Geotops Stolpens Unterweltgeschichte näher. Und nicht zuletzt können zum Tag des offenen Denkmals viele alte Basaltgewölbekeller ihre Geheimnisse der Öffentlichkeit preisgeben.

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