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Stolpens Theatermacher wollen mehr

Das Laienschauspiel „Sühne“ war einer der Höhepunkte bei Stolpens 800-Jahr-Feier. Jetzt soll es weitergehen.

© Klaus Schieckel

Von Dirk Schulze

Stolpen. Johannes Venus ist die Euphorie auch mehr als einem Monat nach dem großen Auftritt noch deutlich anzumerken. Mit 37 Darstellern, allesamt Laien, hat der Stolpener das Schauspiel „Sühne“ auf die Bühne gebracht und damit für einen ganz speziellen Höhepunkt während der Feierlichkeiten zum 800. Geburtstag der Burgstadt gesorgt. Die Begeisterung gilt vor allem seiner Truppe. Zweieinhalb Jahre lang haben sie im Vorfeld geprobt. „Am Ende konnte ich feststellen, dass richtige Schauspieler aus ihnen geworden sind“, sagt Johannes Venus. Das gehe nur mit der nötigen Disziplin und Zuverlässigkeit. Alle seien mit Herzblut dabei gewesen. Der Lohn war ein zweimal voll besetzter Marktplatz. Jeweils gut 1 000 Zuschauer haben die beiden Aufführungen gesehen, schätzt er.

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Magd Anna, gespielt von Fanny Major, wird dem Gericht vorgeführt. Die dramatische Geschichte fußt auf einer wahren Begebenheit, die sich laut Chronik um 1500 in Stolpen ereignete.
Magd Anna, gespielt von Fanny Major, wird dem Gericht vorgeführt. Die dramatische Geschichte fußt auf einer wahren Begebenheit, die sich laut Chronik um 1500 in Stolpen ereignete. © Klaus Schieckel

Angefangen hatte alles mehr oder weniger zufällig. Nachdem vor einigen Jahren sein Vater gestorben war, entdeckte Johannes Venus in dessen Nachlass das Manuskript zu dem Theaterstück. Vater Helmut Venus war anlässlich der 750-Jahr-Feier gefragt worden, ob er nicht eine Begebenheit aus der Stadtchronik zu einem Theaterstück formen könnte. Der Lehrer setzte sich dran und entdeckte die dramatische Geschichte der Magd Anna, die um 1500 bei dem Gutsherrn Miltitz Fronarbeit leisten muss, von ihm vergewaltigt und geschwängert wird und schließlich in einem Hexenprozess ein grausames Urteil erhält. Helmut Venus entwickelte daraus das Schauspiel „Sühne“, das 1968 uraufgeführt wurde. Sein Sohn Johannes stand als damals 19-Jähriger mit auf der Bühne.

Ein halbes Jahrhundert später wird Stolpen 800, und in Johannes Venus keimt die Idee, das Werk seines Vaters noch einmal auf die Bühne zu bringen. Er geht von Tür zu Tür und schart Mitstreiter um sich. Fünf Stolpener, die schon vor 50 Jahren dabei waren, sagen sofort zu. Nach und nach wächst die Truppe. Von der 16-jährigen Schülerin bis zum Rentner sind alle dabei. Es werden Szenen einstudiert, Bühnenbilder gezimmert und funkensprühende Spezialeffekte gebastelt. Die Gruppe wächst fast zu einer Familie zusammen.

Nach den geglückten Auftritten zur 800-Jahr-Feier hatten einige Darsteller sogar Tränen in den Augen, erzählt Johannes Venus. Soll es das jetzt gewesen sein? Nein, soll es nicht. „Wir wollen eine dauerhafte Theatergruppe aufbauen“, sagt der Stolpener. In kleinerem Rahmen zwar, mit vielleicht zwei Handvoll Leuten, aber es geht weiter. Nach dem dramatischen Stoff um Magd Anna wollen sich die Schauspieler als Nächstes aber etwas leichteres vornehmen. Am besten eine Komödie, bei der das Publikum auch was zu lachen hat, erklärt Johannes Venus. Der Regisseur und Hauptorganisator verdient sein Geld übrigens als Ofenbaumeister. Das Künstlerische liegt ihm aber ebenso im Blut. Schon in seiner Armeezeit hat er eine Theatergruppe geleitet, auch bei Familienfeiern führt er kleine Sketche auf.

Für das Schauspiel „Sühne“ hat Johannes Venus ebenfalls eine Vision. Er hofft, dass es nach der Uraufführung zur 750-Jahr-Feier und der Wiederentdeckung anlässlich Stolpen 800 künftig bei jedem runden Stadtgeburtstag aufgeführt wird, im Idealfall alle 25 Jahre. Vielleicht übernehmen seine Kinder und Enkel dann den Job.