Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Stolpes ziehen in eine Potsdamer Seniorenresidenz

Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe und Gattin Ingrid verlassen in Januar nach über 40 Jahren ihr Haus in Potsdam-West.

Teilen
Folgen
NEU!

Von Peter Heimann, Berlin

Schon vor Monaten zeigte Ingrid Stolpe Gästen freudestrahlend die Broschüre für die neue Senioren-Residenz an der Potsdamer Kastanienallee – nur etwas mehr als zwei Kilometer von ihrem Wohnhaus entfernt. „In die Ecke im dritten Stock“, wies sie dann auf ein Foto, „da will ich hin“ – in eine schöne neue altersgerechte Wohnung ohne lästige Treppen mit Havelblick bis hinüber zur Halbinsel Hermannswerder.

Im Januar ist es nun so weit. Der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident und Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (75) und seine Gattin, die Ärztin Ingrid Stolpe (73) ziehen nach mehr als vier Jahrzehnten im eigenen Haus ins etwas andere Altersheim.

Vorige Woche erst wurde die 15- Millionen-Euro teure Anlage der Johanniter-Unfallhilfe offiziell eröffnet. Der Komplex orientiert sich an einem Hotel der Kategorie „Drei Sterne aufwärts“. Zur Ausstattung gehört ein Schwimmbad, ein Therapiezentrum, ein Wellnessbereich mit Sauna und eine Bibliothek. Dazu kommen ein Restaurant und ein Klubraum mit Kamin.

Die 62 Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern sind zwischen 38 und 131 Quadratmeter groß und kosten monatlich zwischen 818 und 3.500 Euro Miete. Die neuen Bewohner sind in der Regel „normale“ Mieter. Damit kein Heimcharakter entsteht, wurde auf Griffleisten in den Fluren verzichtet. Nur in die Küchen wurden – altersgerecht – Herde eingebaut, die sich nach gewisser Zeit automatisch selbst abschalten.

Erst im November hatte Manfred Stolpe eine erneute Krebserkrankung öffentlich gemacht, die dritte seit 2004. Nachdem es sich anfangs um Darmkrebs handelte, später die Leber betroffen war, musste dieses Mal ein Stück Lunge operativ entfernt werden. Derzeit unterzieht sich Stolpe wieder einer Chemotherapie, die ihm, wie Freunde sagen, ziemlich zusetzt. Bei seiner Frau Ingrid war 2008 ebenfalls Krebs festgestellt worden. Ihre Prognose, sagte sie vor Wochen selbst, sei gut. Auch ihrem Mann ging es im Sommer nach eigener Darstellung „ganz gut“. Beide feierten vorigen Juli goldene Hochzeit. Die Stolpes hatten vor fünf Jahrzehnten in der Dresdner Kreuzkirche geheiratet und später im Luisenhof auf dem Weißen Hirsch gefeiert. Das für damalige Verhältnisse fantastische Trinkgeld hat er sich bis heute gemerkt: Zehn Mark Ost.

Zum Umzug selbst wollten sich weder der SPD-Politiker noch seine Frau äußern. „Sie wollen jetzt Ruhe“, hieß es in Potsdam nur. Stolpe regierte Brandenburg nach dessen Wiedergründung zwölf Jahre, von 1990 bis 2002. Der gebürtige Stettiner und in der DDR langjährige Kirchenjurist war danach bis 2005 Bundesverkehrsminister im rot-grünen Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

Um Stolpes Villa samt Grundstück gab es in den 1990er–Jahren heftigen Streit mit einer Erbengemeinschaft, die die Rechtmäßigkeit des Immobilienerwerbs bestritt. In das Haus zieht nun Stolpes einzige Tochter Katrin mit ihrer Familie.