merken

Stopp-Signal für die Abrissbagger?

Die Radebergerin Margitta Walter will die alte Verleger-Villa vorm Abriss retten. Zahlreiche SZ-Leser sehen das ähnlich.

© Willem gr. Darrelmann

Von Jens Fritzsche

Anzeige
Die DTM zu Gast auf dem Lausitzring

Neue Motoren, neue Fahrer, ein neues Team und ein neuer Hersteller – die DTM ist vom 23. bis 25. August zurück am Lausitzring und war noch nie besser. 

Offenbar hängen doch eine ganze Menge Radeberger an der morschen Verleger-Villa an der Hauptstraße. Denn als die SZ gestern darüber berichtete, dass sich die Radebergerin Margitta Walter dafür starkmachen will, den drohenden Abriss der historischen Villa doch noch verhindern zu können, hat das für eine rege Debatte auf unserer Facebook-Seite gesorgt.

Seit Jahren steht die Villa leer – in der vor über hundert Jahren die Radeberger Verlegerfamilie Hordler lebte. Die Stadt hatte die Villa samt der dahinter liegenden alten Druckerei vor einigen Jahren gekauft – allerdings hatten sich anschließend mehrere Gespräche mit möglichen Investoren zerschlagen, so Stadtsprecher Jürgen Wähnert. Als dann auch noch Brandstifter das Druckereigebäude abfackelten und Baugutachter der Villa eine nur mit Millionen mögliche Sanierung attestierten, „war klar, dass wir nur noch abreißen können“, unterstreicht Wähnert. Der Technische Ausschuss gab nun Anfang der Woche grünes Licht, das Förderprogramm „Brachflächen-Revitalisierung“ des Freistaats „anzuzapfen“ und somit einen Zuschuss von 90 Prozent der rund 350 000 Euro schweren Abrisskosten zu erhalten. Das Gelände wird anschließend begrünt – und darf zehn Jahre nicht bebaut werden, sonst müsste der Bauherr Teile der Förderung zurückzahlen.

Die Radebergerin Margitta Walter will sich mit dem Abriss aber nicht abfinden, sagt sie. „Wenn wir immer alle alten Häuser abreißen, verliert Radeberg Stück für Stück seine Geschichte!“ Nun hofft sie, „dass sich möglichst viele Radeberger ebenfalls dafür starkmachen und wir den Abriss vielleicht verhindern können“.

Auf unserer Facebook-Seite bekommt Margitta Walter jedenfalls reichlich Zuspruch. Silke Kühne findet zum Beispiel, man solle das Geld statt für den Abriss lieber zur Sanierung nutzen. Auch Uwe Hesse zeigt sich wenig begeistert von den Abriss-Plänen: „Es ist eine Schande für Radeberg, dass die alten Häuser alle dem Erdboden gleichgemacht werden sollen – auch die alten Häuser an der Oberstraße und Pulsnitzer Straße wurden durch einen Neubau (Edeka) ersetzt und das mitten in der Stadt“, schreibt er. Und fragt: „Warum werden die alten Häuser nicht saniert und Radeberg behält seinen historischen Charakter?“ René Borrmann wundert sich zudem, „dass der Denkmalschutz das mitmacht“?

Allerdings gibt es auch Leser, die durchaus Verständnis für einen Abriss zeigen. Jens Marschner beispielsweise bedauert zwar ebenfalls, dass die Villa aus dem Stadtbild verschwinden wird, „doch muss man auch bedenken, dass die abgebrannte Druckerei dahinter zum Areal gehört“. Zudem seien 90 Prozent Förderung für den Abriss 315 000 Euro – „soll man das Geld einfach so ablehnen?“ Mit diesen 315 000 Euro, ist Jens Marschner überzeugt, „hätte man niemals die alte Villa renovieren und die Brandruine dahinter abreißen können“.

Leserin Silke Kühne nimmt hingegen die Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) stärker in die Pflicht, alte Gebäude zu erhalten, schreibt sie: „Wie wäre es denn mal mit Sanierung, statt immer nur Geld in den Abriss zu stecken?“ Und Christiane Pötschke ärgert der Abriss auch deshalb, weil in der alten Villa viele große Wohnungen zu finden waren. Man müsse sich dann aber nicht wundern, wenn es Wegzug aus Radeberg gäbe, weil hier kaum Vierraumwohnungen zu finden seien. Wobei Leser Roberto Blum eher skeptisch ist, ob eine Sanierung der großen Wohnungen in der Villa tatsächlich den gewünschten Erfolg bringen würde: „Nach einer Sanierung könnten sich die wenigsten noch die mit Sicherheit überteuerte Miete leisten“, glaubt er.

Ein erstes Ziel hat Margitta Walter jedenfalls schon mal erreicht: Radeberg redet über die bisher ein wenig vergessene Villa. Zu spät? „Ich werde nächsten Mittwoch im Stadtrat noch einmal für mein Anliegen werben“, sagt sie kämpferisch.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.
Wahl-Special