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Sport

Stotterstart bei Leichtathletik-WM 

Die deutschen Leichtathleten sind in Doha manchmal schneller draußen als erwartet. Carl Dohmann aber geht über 50 Kilometer voran.

Carl Dohmann aus Deutschland beim Zieleinlauf.
Carl Dohmann aus Deutschland beim Zieleinlauf. © Oliver Weiken/dpa

Von Ulrike John, Ralf Jarkowski und Andreas Schirmer

Doha. Die deutschen Leichtathleten sind bei der Hitze-WM längst noch nicht auf Betriebstemperatur. Diskus-Olympiasieger Christoph Harting und Langstrecken-Routinier Richard Ringer enttäuschten in Doha. Lauftalent Alina Reh wälzte sich nach waghalsigem Rennbeginn mit Magenkrämpfen auf der Bahn. Der Zeitplan und die vielen Ausfälle von Medaillenaspiranten im Vorfeld hatten schon nichts Gutes für das Auftakt-Wochenende versprochen.

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"Wir haben viele positive Leistungen erlebt, aber auch den einen oder anderen Rückschlag", sagte Idriss Gonschinska, Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), am Sonntag, wollte aber nicht weiter ausholen: "Wir haben jetzt eine Turniersituation, wo wir am Anfang sind. Insofern möchte ich da gar keine Prognosen abgeben."

Zu recht lobte der Spitzenfunktionär Carl Dohmanns siebten Platz beim quälenden 50-Kilometer-Gehen mitten in der Nacht als "fantastische Leistung". Außerdem hob Gonschinska die Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Lisa Ryzih hervor, die einen knallharten Ausscheidungswettkampf überstanden.

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"Beängstigend"

Es wurde die befürchtete Hitzeschlacht: Beim WM-Marathon der Frauen im Glutofen von Doha mussten die Läuferinnen reihenweise aufgeben.

Die erforderliche Robustheit ging so manchem anderen DLV-Athleten im temperierten Khalifa-Stadion ab. Ringer schied im 5000-Meter-Vorlauf in ganz schwachen 13:49,20 Minuten aus und war "total frustriert".

Werfer-Hüne Harting scheiterte mit 63,08 Metern in der Qualifikation. Seit seinem Gold-Coup von Rio de Janeiro 2016 brachte der Berliner international nichts mehr auf die Reihe. Gleichzeitig setzt er derart auf die Karte Tokio 2020, dass er sich bis dahin nicht mal durch Interviews ablenken lassen will und diese stur verweigert.

Der deutsche Diskus-Meister Martin Wierig aus Magdeburg steht im Gegensatz zu Harting im Finale an diesem Montag, wenn Europameisterin Gesa Krause über 3000 Meter Hindernis die erste Medaille für den DLV holen könnte. Dass persönliche oder zumindest Saisonbestleistungen - ansonsten ein wichtiger Maßstab - bisher ausblieben, wollte Gonschinska nicht überbewerten. Durch die spätere WM habe die Saison "eine andere Statik".

Wegen Verletzungen hatten Asse wie der zweifache Kugelstoß-Weltmeister David Storl sowie die Mehrkämpfer Arthur Abele und Carolin Schäfer ihre Teilnahme an der Wüsten-WM mit ihren schwierigen Bedingungen abgesagt. Aber auch bei Olympia in nur zehn Monaten in Tokio sind Hitze und noch höhere Luftfeuchtigkeit angesagt. "Da wird es noch viel schlimmer", sagte der Deutsch-Amerikaner Sam Parsons nach seinem 5000-Meter-Vorlauf-Aus.

Alina Reh wird mit einem Rollstuhl von der Laufbahn aus dem Stadion gefahren. Sie musste nach 13 von 25 Runden mit Bauchkrämpfen das Rennen aufgeben. 
Alina Reh wird mit einem Rollstuhl von der Laufbahn aus dem Stadion gefahren. Sie musste nach 13 von 25 Runden mit Bauchkrämpfen das Rennen aufgeben.  © Oliver Weiken/dpa

Eine andere Langstreckenläuferin erlebte den bittersten Abend ihrer Karriere: Die 22-jährige Reh aus Ulm musste nach 13 von 25 Runden über 10.000 Meter wegen Magenkrämpfen aufgeben und im Rollstuhl in die Katakomben gebracht werden. 3200 Meter lang war sie am Anfang zur Überraschung aller vornweg gelaufen. Zuvor hatte sich die deutsche 4 x 400-Meter-Mixed-Staffel bei der WM-Premiere im Vorlauf sang- und klanglos verabschiedet.

Zwei Jahre nach dem Karriereende von Superstar Usain Bolt krönte sich Christian Coleman erstmals zum 100-Meter-Weltmeister. Der 23-jährige Amerikaner rannte nach 9,76 Sekunden ins Ziel. Der Mann aus Atlanta hatte bereits bei der WM 2017 in London als Zweiter Bolt geschlagen. Jetzt gehörte die große Sport-Bühne ganz ihm. Coleman gewann sicher in Weltjahresbestzeit vor seinem Landsmann und Titelverteidiger Justin Gatlin. Mit 37 Jahren war der Altstar immer noch 9,89 Sekunden schnell. Bronze ging an den Kanadier André de Grasse in 9,90.

Dabei hatten drei verpasste Dopingkontrollen fast das WM- und sogar Olympia-Aus für Coleman bedeutet. Ein Formfehler der US-Anti-Doping-Agentur USADA führte jedoch zum Freispruch. Am Samstag glänzte auch Weitspringer Tajay Gayle aus Jamaika mit der Weltjahresbestleistung von 8,69 Metern. Zum Weltrekord von Mike Powell aus den USA fehlten nur 26 Zentimeter.