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Straße nach Geising soll sicherer werden

Die Pläne der Stadt Altenberg wurden zwar abgeschmettert. Dafür gibt es neue Ideen des Landratsamtes.

© Marko Förster

Von Maik Brückner

Altenberg. Es sollte eine gemütliche Motorradausfahrt werden. Doch sie endete im Straßengraben zwischen Geising und Altenberg. Der 31-jährige Motorradfahrer kam in einer steilen Rechtskurve von der Fahrbahn ab, fuhr hinter die Leitplanke und stürzte mehrere Meter nach unten. Dort krachte er gegen einen Stein und wurde dabei schwer verletzt. Der Unfall, der sich bereits Anfang Juli ereignete, hat im Osterzgebirge eine Debatte ausgelöst. Wie sicher ist die Straße? Und was muss getan werden, damit sich dieser Unfall nicht wiederholt? Diese und andere Fragen stellten sich Kommunalpolitiker und die Verwaltung im Altenberger Rathaus. Denn der besagte Unfall war kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren krachte es immer wieder auf der kurvenreichen und steilen Straße.

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Altenberg wollte die Fahrer auf die Gefahren mit Schildern hinweisen. Das scheiterte.
Altenberg wollte die Fahrer auf die Gefahren mit Schildern hinweisen. Das scheiterte. © Stadt Altenberg

Dem Landratsamt in Pirna sind 14 Verkehrsunfälle bekannt, die sich in den letzten drei Jahren hier ereignet haben. An sieben waren Motorräder beteiligt, sagt die Leiterin des Amtes für Straßenbau und Verkehr Martina Aurisch unter Berufung aufeine Statistik der Landespolizei.

Um die Zahl zu senken, schlug Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) vor Wochen vor, Motorradfahrer vor der Strecke zu warnen. Denn nach seinen Erkenntnissen seien es vor allem ortsunkundige Biker gewesen, die hier verunglückten. Mit speziellen Hinweisschildern sollten sie sowohl in Geising als auch in Altenberg gemahnt werden, auf dem 2,5 Kilometer langen Straßenabschnitt nicht zu rasen. Darauf zu sehen sein sollte ein stilisierter Motorradfahrer, der sich in eine Kurve legt. Darunter sollte der Zusatz „Sturzgefahr“ stehen. Über dem Motorradfahrer sollten die Verkehrszeichen „Vorsicht“ und „Gefährliche Kurve“ abgebildet sein.

Eine Unfallchronik

4. Juli 2017

Ein 31-jähriger Motorradfahrer kommt gegen 18 Uhr in einer steilen Rechtskurve von der Fahrbahn ab, stürzt einige Meter nach unten und wird schwer verletzt.

25. Juni 2017

In einer steilen Linkskurve verliert ein 30-Jähriger die Kontrolle über sein Motorrad. Er prallt gegen die Leitplanke und ein Schild und wird so schwer verletzt, dass er an der Unfallstelle stirbt.

26. Mai 2017

In der sogenannten Geisingbergkurve kommt ein 71-jähriger Biker beim Überholen von der Fahrbahn ab, quert die Gegenfahrbahn und stürzt die Böschung hinab. Er wird schwer verletzt.

17. März 2016

Ein 71-Jähriger fährt mit seinem Skoda in der Geisingbergkurve geradeaus und stürzt die Böschung hinab. (SZ/mb)

Quelle: SZ-Archiv

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Doch das Aufstellen solcher Warnschilder ist nicht so einfach, wie Jan Püschel vom Altenberger Ordnungsamt erfahren musste. Nach der aktuellen Rechtslage ist es praktisch unmöglich, dass die Stadt außerhalb von Ortschaften derartige Warnschilder aufstellt. Leichter wäre es innerorts, denn hier gelten die von der Stadt vorgeschlagenen Warnschilder als Werbeschilder. Doch auch dafür erhielt Püschel eine Absage. Die Vorschläge der Stadt seien Verkehrsschildern zu ähnlich, zitiert Püschel aus einem Schreiben des Landratsamtes. Damit ist der Plan der Stadt gescheitert. „Unser Bürgermeister wollte mit einfachsten Mitteln auf die Gefahren hinweisen“, sagt Püschel. In anderen Bundesländern sei das offenbar einfacher. Dort werden Sondergenehmigungen schneller erteilt, erklärt er und verweist auf die Schilder, die er auch in einer der letzten Stadtratssitzungen den Räten und Bürgern gezeigt hat.

Gutachten soll Klarheit bringen

Ganz ohne Konsequenzen bleibt der Vorstoß des Altenberger Bürgermeisters nicht. Immerhin hat sich die Verkehrsunfallkommission des Kreises mit dem Streckenabschnitt befasst. Diese war sich nach der Auswertung der Unfälle einig, dass bei den meisten Fällen „nicht angepasste Geschwindigkeit“ die Hauptursache für die Unfälle war. Die Kommission kam aber auch zum Schluss, „dass es auf der gesamten Strecke keinen Bereich gibt, der den Kriterien einer Unfallhäufungsstelle bzw. Unfallhäufungslinie zugeordnet werden kann“, erklärt Amtsleiterin Aurisch. Dennoch sieht die Kommission, der auch die Polizei und das Landesamt für Straßenbau und Verkehr angehören, offenbar Handlungsbedarf. Deren Mitglieder verständigten sich darauf, zu prüfen, ob es Sinn macht, die Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren und deren Einhaltung zu überwachen. Zudem soll Streckengutachten erarbeitet werden, in dem vor allem die Motorradsicherheit im Abschnitt zwischen Altenberg und Geising näher betrachtet werden soll. „Die Ergebnisse dieses Gutachtens sollen bis zum Beginn der nächsten Motorradsaison vorliegen“, sagt Frau Aurisch. Danach werde entschieden, ob weitere Maßnahmen vorzunehmen sind.

Bisher wurden oberhalb des Geisinger Ortsausgangs Veränderungen vorgenommen. So wurde 2014 die Leitplanke mit einem sogenannten Unterfahrschutz ausgestattet. Diese Bleche sollen die Unfallfolgen für verunglückte Motorradfahrer abmildern, indem sie verhindern, dass diese nach dem Sturz gegen die Stahlpfähle der Leitplanken geschleudert werden. 2015 wurde dann für 27 000 Euro eine neue Asphaltschicht aufgetragen, um die Griffigkeit der Fahrbahnoberfläche zu verbessern. Ähnliche Maßnahmen sind an anderen Abschnitten der Strecke aus Sicht des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr „aus heutiger Sicht“ nicht geplant, sagt der Sprecherin Isabel Siebert.