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Brücke einfach vergessen?

Die Deutsche Bahn tut sich schwer mit einer Aussage zum Zabeltitzer Bahnübergang – im November soll sie den Bürgern Rede und Antwort stehen.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Manfred Müller

Zabeltitz. Im Zuge der Bahn-Streckenarbeiten auf dem Territorium der Stadt Großenhain soll die Treugeböhlaer Straßenunterführung auf mindestens 4,50 Durchfahrtshöhe gebracht werden. Das sieht ein Beschlussvorschlag vor, der am 21. September den Stadtrat passieren soll. Damit entspricht die Stadt den Forderungen von Landwirten aus dem Raum Zabeltitz, die mit ihren Landmaschinen den Tunnel passieren müssen. Die Bauern hatten angemahnt, dass die derzeitige lichte Höhe von 3,93 Meter für die recht sperrige moderne Erntetechnik nicht mehr ausreicht.

Die Eisenbahnbrücke stammt aus dem Jahr 1952, und da die Bahn bei einem Brückenneubau das Gleisbett nicht einfach anheben kann, soll die Straße entsprechend tiefer gelegt werden. Das erfordert allerdings die Errichtung einer Grundwasserwanne und eines kleinen Pumpwerkes, um das Wasser bei Starkregen abführen zu können. Da es sich hierbei um ein Änderungsverlangen der Kommune handelt, muss sich Großenhain auch an den Kosten beteiligen, und das wird nicht billig. Bei geschätzten Gesamtkosten von knapp drei Millionen Euro blieben 1,8 Millionen bei der Stadt hängen. Die kann allerdings zur Finanzierung ihres Anteils auf Fördermittel hoffen. Die Details für die geplanten Umbauten werden in einer Kreuzungsvereinbarung zwischen der Deutschen Bahn und der Kommune geregelt.

Neben der Eisenbahnüberführung auf der Verbindungsstraße Treugeböhla-B 101 soll etwas weiter nördlich noch eine weitere Brücke erneuert werden – am Weg bei Raden. Und zwischen Kleinthiemig und Großenhain sind ebenfalls Feldweg-Überführungen für Hochgeschwindigkeitszüge fit zu machen. Für die Erneuerung dieser vier Brücken will die Stadt nächste Woche per Baubeschluss grünes Licht geben. Zuvor waren die Entwürfe von den betroffenen Ortschaftsräten in Zabeltitz und Walda diskutiert worden.

In Zabeltitz gab es gegen das eigentliche Projekt keine Einwände, allerdings kochten hier die Sorgen über den Bahnübergang an der Kreisstraße wieder hoch. Warum fasst die Stadt einen Beschluss für ein paar untergeordnete Eisenbahnüberführungen, während die Haupt-Einflugschneise in den Ort überhaupt keine Rolle spielt. Dass der Bahnübergang bis zur Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsstrecke verschwinden muss, ist gar keine Frage.

Bisher keine eindeutige Antwort

Nur was kommt danach? Darauf haben bisher weder die Bahn noch die Stadt eine eindeutige Antwort gegeben. Es gab Andeutungen von einer Straßenbrücke, die die Gleise überspannen soll, aber keine konkrete Zusage. Deshalb brodelt in Zabeltitz die Gerüchteküche. Hat der Landkreis den Bau der Ortsdurchfahrt bis zum Bahnhof vielleicht deshalb so lange hinausgezögert, weil der Bahnübergang dichtgemacht werden soll? Warum wird derzeit der Bau der Kreisstraße in Richtung Walda in den Fokus gerückt? Nimmt man alles zusammen, kommt eine regelrechte Verschwörungstheorie zustande – mit der Stadt Großenhain als Mitglied eines Schweigekartells. Bei der Ortschaftsratssitzung in Zabeltitz schienen etliche der teilnehmenden Bürger überzeugt, dass die Bahn Zabeltitz von der Bundesstraße abhängen will.

„Das ist Unsinn“, versichert Baubürgermeister Tilo Hönicke. „Ich habe den Eindruck, der Bahnübergang ist bei den Planungen schlichtweg vergessen worden.“ Bei einem Treffen mit Bahn-Managern in Dresden hätten sich die Herren auf eine entsprechende Großenhainer Anfrage zumindest etwas erstaunt gezeigt. Dennoch ist Hönicke überzeugt, dass an einer Straßenüberführung kein Weg vorbeiführt. Ähnlich äußerte sich Bahn-Sprecher Michael Baufeld auf eine Anfrage der SZ. Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke werde voraussichtlich mit einer Straßenbrücke überbrückt. Wie ernst es der Deutschen Bahn mit diesem „voraussichtlich“ ist, soll spätestens in zwei Monaten klar sein. Am Freitag, dem 11. November, hat die Stadt Großenhain zu einer Einwohnerversammlung in den Alberttreff eingeladen. Ab 16 Uhr können die Bürger Fragen zum Großbauprojekt „Bahnstrecke Dresden-Berlin“ stellen. Eine verbindliche Teilnahme-Zusage des Bahn-Managements liegt allerdings bisher noch nicht vor.