merken

Straßenpflege mit Rasenmäher

An Bundes- und Staatsstraßen gibt es immer mehr Wildwuchs. Die Ursache dafür ist bekannt, die Orte hoffen auf Hilfe.

© Gemeinde

Von Mario Sefrin

Was soll denn das? Das werden sich Autofahrer, die vor Kurzem auf der Staatsstraße 135 von Oderwitz nach Spitzkunnersdorf unterwegs waren, verwundert gefragt haben. Mit einem handelsüblichen benzinbetriebenen Gartenrasenmäher ist da ein Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung dem Wildwuchs am Straßenrand zu Leibe gerückt. Dass diese Arbeit mit einem Rasenmäher passierte, liegt daran, dass die Gemeinde Oderwitz für die Pflege dieser Straße gar nicht zuständig ist und die Arbeit eher ein symbolischer und somit eigentlich ein Akt der Hilflosigkeit ist. Denn das Gras wuchert nicht nur an dieser Straße wild und ungezähmt.

Anzeige
Sommerfreude im NeißePark
Sommerfreude im NeißePark

Endlich Sommer, endlich Zeit zum Shoppen und dabei tolle Preise gewinnen! Nutzen Sie Ihre Chance und machen Sie beim NeißePark-Gewinnspiel mit.

Wildwuchs am Straßenrand – ein Thema, das die Menschen immer wieder bewegt. Doch mittlerweile geht es nicht mehr nur um Sträucher oder Wiesen, die in den Straßenbereich hereinragen, sondern auch um die Schnittgerinne, welche die Straßen von Fußwegen abgrenzen. Und nicht nur kleine Nebenstraßen spielen bei diesem Thema eine Rolle, sondern auch Bundes- und Staatsstraßen. Hier sind nämlich manche Pflasterzeilen am Straßenrand zu Grünstreifen mutiert. Doch in diesen Fällen tut das Grün den Augen gar nicht gut. In der jüngsten Sitzung der Oderwitzer Gemeinderäte musste sich die Verwaltung jedenfalls die Kritik der Gemeinderäte anhören, die in den Pflasterreihen an der Bundesstraße 96 durch den Ort stellenweise Grasbewuchs in Höhe von bis zu einem halben Meter festgestellt hatten.

Bei der Gemeinde rannten die Räte mit ihrer Kritik offene Türen ein: „Wir haben bereits ans sächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr geschrieben“, sagte der Oderwitzer Bauamtsleiter Christian Wirrig in der Ratssitzung. Dieses Landesamt mit Sitz in Bautzen, kurz Lasuv, ist für Bundes- und Staatsstraßen in Ostsachsen zuständig. Im Oderwitzer Schreiben ans Lasuv heißt es, dass die Straßenrandbereiche an der Bundesstraße jedes Jahr mehr zuwachsen. „Die Gemeinde versucht dem entgegenzuwirken, indem jedes Jahr Steuergelder für Kehrmaschinen und Wildkrautbürsten ausgegeben werden“, heißt es. Auch würden die Straßeneinläufe durch Mitarbeiter des Bauhofes zweimal jährlich gereinigt. „Mit kommunalen Mitteln ist die Begrünung der Straßenränder aber nicht aufzuhalten.“ Im Mittelpunkt der Oderwitzer Kritik stehen vor allem die Pflasterzeilen. Deren Bewuchs sei ausschließlich dem schlechtem Zustand der Zeilen geschuldet, schreibt die Gemeinde. Zum Teil befinde sich in den Fugen nur noch Mutterboden und kein Beton mehr. „Inwieweit eine Reparatur der Pflasterzeilen sinnvoll ist oder besser eine Erneuerung durch Gussasphalt ausgeführt werden sollte, muss in Ihrem Hause entschieden werden“, endet der Oderwitzer Brief ans Lasuv. Auf eine Antwort wartet die Gemeinde noch.

Für Christian Wirrig ist die Ursache des Problems klar. „Pflasterzeilen bringen nichts“, sagt der Oderwitzer Bauamtsleiter. „Viele dieser Zeilen sind 20 Jahre alt, bei denen hat sich der Fugenbeton aufgelöst. Teilweise, weil es vor 20 Jahren noch nicht das heutige Know how gab, aber auch, weil der Beton im Winter vom Salz auf den Straßen angegriffen wurde.“ Das sieht auch sein Olbersdorfer Kollege Ralph Bürger so. „Pflasterzeilen an den Straßen waren in den 1990er Jahren das Nonplusultra. Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass sie nur Arbeit produzieren.“ Denn dem Gras, das nun in vielen dieser Pflasterzeilen wächst, ist nicht einfach beizukommen. Sei es, weil die Kommunen selbst keine entsprechende Technik haben, sei es, weil erfolgversprechende Technologien, wie die chemische Behandlung der Pflanzen, nicht erlaubt sind. Denn um dem Wildwuchs Herr zu werden, muss man an die Wurzeln der Pflanzen ran. Sonst hilft nur regelmäßige Pflege, um wenigstens die sichtbaren Pflanzenauswüchse zu minimieren.

Wer kümmert sich aber nun um diese Pflege? Auf Nachfrage verweist Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert ans Landratsamt Görlitz, das mit seinen Straßenmeistereien für die Unterhaltung der Bundes- und Staatsstraßen verantwortlich ist. Dort heißt es: Auch andere Gemeinden des Landkreises haben sich schon wegen dieses Problems ans Landratsamt gewandt. Doch das Amt ist nicht untätig: „Die Grünpflege an den Bundes-, Staats- und Kreisstraßen im Landkreis wird durch die zuständigen Straßenmeistereien in Eigenregie realisiert. Diese sind mit ihrer Technik von Mai bis Oktober im Einsatz“, sagt Julia Bjar von der Pressestelle des Landratsamtes. Entsprechend des Leistungsheftes für den Straßenbetriebsdienst werden dabei Rasen- beziehungsweise Randflächen von Straßengrundstücken je nach Lage zur Straße sowie spezieller Funktion in Intensiv- sowie Extensivbereiche unterteilt, so Julia Bjar. „Damit werden diese Flächen dann auch in unterschiedlicher Intensität gepflegt.“ Eine Unterscheidung in Ortslage oder Außerortsbereich erfolge hingegen nicht, so Julia Bjar. Straßenrandbereiche (Bankette) gehören laut Landratsamt aber zu den Intensivbereichen. „Diese werden je nach Bedeutung der Straße und den örtlichen Verhältnissen zwei bis dreimal jährlich gemäht beziehungsweise gemulcht“, sagt Julia Bjar.

Doch es geht auch anders. Die Stadt Ebersbach-Neugersdorf beispielsweise hat im Rahmen der abschnittsweisen Sanierung der Bundesstraße 96 in Ebersbach mit dem Lasuv Verträge über die Anlage und Pflege von „straßenbegleitendem Grün“ abgeschlossen, teilt der Ebersbacher Beigeordnete Bernd Noack mit. Das gelte vor allem für Schwerpunkte entlang der Bundesstraße, wie die Kreuzung „Goldener Löwe“. In der Ortslage selbst liegen der Stadt keine Beschwerden zum Thema Straßenrandpflege vor, erklärt Bernd Noack. Das sei auch in Olbersdorf so, sagt Bauamtsleiter Ralph Bürger. „Eigentlich können wir nicht meckern. Bei uns hat sich noch niemand beschwert.“ Gleichwohl weiß auch Bürger, dass es den Wildwuchs an den Straßenrändern gibt. Die Gemeinde versuche darum, die Pflastersteine wo es geht wegzubekommen. Auch in Oderwitz will man bei künftigen Bauvorhaben darauf achten, dass Beton statt Pflaster zum Einsatz kommt. Und darauf hoffen, dass das Grün am Straßenrand öfter gestutzt wird.