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Strauss-Matinee mit dem Ur-Großneffen

© André Wirsig

Nachkommen des Walzerkönigs besuchten gestern die Operette und stießen auf den Neubau an. Ein Ex-OB war auch dabei.

Von Lars Kühl

Die letzten Töne der Radetzky-Marsch-Zugabe enden mit einem lauten Knall und Konfetti-Regen. Das Publikum in der ausverkauften Staatsoperette klatscht enthusiastisch Beifall. Die Begeisterung der Gäste bei der gestrigen Konzert-Matinee „Strauss, Sponsoren und Sekt“ zeigte, wie sehr die Dresdner an ihrer Staatsoperette hängen und deshalb den Umzug von der Pirnaer Landstraße in das ehemalige Heizkraftwerk Mitte am Wettiner Platz unterstützen. Gemeinsam mit dem Theater Junge Generation soll das Haus ab 2016 ins Kraftwerk Mitte einziehen.

Eine Idee, die auch Eduard Strauss gefällt. Der Ur-Großneffe vom Operetten-Komponisten und Walzerkönig Johann Strauss Sohn – der Zusatz ist nötig, weil auch sein ebenso berühmter Vater und Radetzky-Marsch-Komponist Johann hieß – war mit seinem Sohn Thomas gestern dabei. „Wir sind gerade auf Strauss-Mission“, sagt er. Am Sonnabend Krakow, gestern früh Dresden, am Nachmittag in Bayreuth und heute Coburg. Beide stammen natürlich aus Wien und sind bereits bei diversen Premieren in Dresden gewesen. Dieses Mal nahmen sie die Einladung von Ingolf Roßberg an. Dresdens ehemaliger Oberbürgermeister, der zurzeit als Vorsitzender der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft amtiert, zeigt sich gestern seit Langem wieder einmal in der Öffentlichkeit.

Dass die Zukunft der Staatsoperette mit dem Umzug gesichert ist, darüber sind die Strauss-Nachkommen glücklich. „Weil das Dresdner Haus das einzige im deutschsprachigen Raum ist, das so konsequent auf Operetten setzt“, sagt der 58-jährige Eduard Strauss. Selbst in Wien gebe es kein Haus, das auf dieses Genre spezialisiert ist.

Die Zukunft mit dem Theater Junge Generation unter einem Dach sei fantastisch. Besonders, weil es so viele Schnittstellen zwischen Jung und Alt gebe. Zur Eröffnung des Kraftwerks Mitte würden Eduard und Thomas Strauss jedenfalls gern wiederkommen, „wenn wir das erleben und eingeladen werden“, sagt der Vater.

Dass es zum Umzug kommt, dafür hat der Stadtrat im Juli vorigen Jahres mit einem Beschluss zur Bauvergabe gesorgt. Für die Finanzierung ist trotzdem weiter bürgerliches Engagement nötig. So verzichtet die Belegschaft der Staatsoperette bis 2021 auf acht Prozent ihres jährlichen Einkommens. 13,4 Millionen Euro sollen so zusammenkommen. Gestern stellten Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Politikprofessor Werner Patzelt als Vorsitzender des Förderforums der Staatsoperette noch einmal die Aktion „Ihr Name auf einem Stuhl“ vor. Dabei wird der Spender von 500 Euro auf der Sitzgelegenheit in der neuen Operette vermerkt. Bisher haben sich fast 120 Kulturunterstützer daran beteiligt.