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Streifige Zeiten

Er sieht aus wie ein Zebra und kann allen helfen. Dresden steht vor einer Revolution, die alles verändern könnte.

© André Wirsig

Von Andreas Weller

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Haben wir es doch gewusst, dass uns irgendwas im Leben fehlt. Nur lange war nicht klar, was. Dank Rot-Grün-Rot wissen wir jetzt: Es sind Zebrastreifen. Logisch! Dresden ist eine wunderschöne Stadt, aber eben unvollendet. Das soll sich mit mehr dieser gestreifen Fußgängerüberwege ändern. Zeit wird es.

Wobei das Wort „mehr“ eigentlich beinahe übertrieben wirkt. Wenn nicht mal die Verwaltung weiß, wie viele und wo es diese Zebrastreifen gibt. Da war doch mal einer – ach nein, der wurde durch eine Ampel ersetzt. Einige sind aus Einsamkeit wahrscheinlich mittlerweile geflüchtet. Aber wir können festhalten: Es sind wenige.

Gerade in dieser unruhigen Zeit werden aber dringend diese Überwege benötigt. Sie geben Sicherheit, sind verbindend und wo, wenn nicht bei einem Zebrastreifen, kann jeder die friedliche Koexistenz von schwarz und weiß erleben? Gut, es kann sein, dass einige Dresdner zunächst fremdeln. Denn was man nicht kennt, wird hier besonders kritisch beäugt. Jeder muss den politisch korrekten Umgang mit dem Überweg lernen. Darf jeder auf jeden Streifen treten? Oder gibt es eine Etikette, wer mit seinem Schuh auf Schwarz und wer auf Weiß steigen darf? Die Geschichte der Zebrastreifen ist schließlich eine voller Missverständnisse – oder sie könnten zumindest entstehen. Wie verhalte ich mich als Autofahrer richtig? Dürfen die Reifen nur eine Farbe berühren? Muss ich deswegen im Zweifel den Gegenverkehr rammen?

Bevor die Streifen kommen, gibt es noch viel Aufklärungsarbeit. Aber wir können es schaffen, wenn wir nur wollen. Ja, Zebrastreifen könnten sogar die gespaltene Bürgerschaft einen. Sie können Raubüberfällen vorbeugen und Polizisten die Arbeit erleichtern. Schließlich muss niemand mehr an einer roten Fußgängerampel stehen. Ist ja auch total blöd, wenn ein Räuber abhaut, weil hinter ihm die Ampel umschaltet. Die Streifen haben viele Vorteile, die bisher hier nur noch nicht erkannt wurden. Wir stehen vor streifigen Zeiten.