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Streit übern Gartenzaun

Zwei junge Kleingärtner haben die Kündigung für ihre Parzellen bekommen. Der Verband sagt, es liege am Zustand der Gärten. Die Pächter vermuten andere Hintergründe.

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Von Peggy Zill

Es ist kein typischer Kleingarten mit kurz geschorenem Rasen, Blumenbeeten und Jägerzaun, den Florian Tobias Thiele bewirtschaftet. Als naturnahes Gärtnern bezeichnet er das, was er in zwei Parzellen in der Anlage „Am Freudenberg“ in Großweitzschen betreibt. Beide soll er bis zum 30. November verlassen – sonst wird er verklagt.

Seit Monaten zieht sich der Streit zwischen ihm, dem Vorstand der Gartenanlage und dem Kreisverband der Kleingärtner nun schon. Letzterer hat unterdessen einen Anwalt mit der Sache beauftragt. Dabei müsste man denken, dass die Kleingärtner sich über Nachwuchs in den Sparten freuen. Florian Tobias Thiele hatte sich sogar im Vorstand als Schriftführer engagiert. Er und seine Freundin Cindy Berger vermuten, dass Bienen der Auslöser des Streits sind. Denn die beiden Neuimker wollten gern in der Gartenanlage ein Bienenvolk halten. Der Vorstandsvorsitzende soll auf die Frage, ob das möglich wäre, mit den Worten reagiert haben: „Wenn Du mit den Bienen anfängst, hetz’ ich Dir alle dort unten auf den Hals, bis du von alleine aufgibst!“ Bei den Nachbarn soll der Vorstand dann sogar Unterschriften gegen die Bienen gesammelt haben, noch bevor die Neuimker selbst darüber aufklären konnten.

Zaun soll gefährlich sein

Dabei war das Verhältnis anfangs wohl noch ganz gut. 2008 übernahmen Florian Tobias Thiele und Cindy Berger den ersten Garten. „Fünf Jahre war der nicht bewirtschaftet worden“, erzählt Thiele. Mehr als 1.000 Arbeitsstunden habe er seitdem investiert. Später übernahmen die beiden noch die Nachbarparzelle, die ebenfalls frei war, um dort ein Hochbeet anzulegen, Obstbäume zu pflanzen und Heu für die Meerschweinchen zu machen. Nach einer Gartenbegehung im Frühjahr dieses Jahres flatterte Thiele plötzlich eine Abmahnung wegen Bewirtschaftungsmängeln ins Haus.

Erste Beanstandung: der Teich. Zu groß, zu tief und zu gefährlich soll er sein. Doch der Teich war schon vorher da. „Vor zwei Jahren wurde der Teich angeschaut und da war er noch in Ordnung“, sagt Thiele. Außerdem hätten sie den Teich sogar verkleinert. Zweite Beanstandung: Im gesamten Garten wurde der Rasen entfernt, aufs Dach der Laube gelegt und durch Kunstrasen ersetzt. Tatsächlich hat das Paar ein grünes, blühendes Dach. Aber den Rasen hätten sie aus der Nachbarparzelle genommen. Und die Filzwegematten sollen schon vorher im Garten gelegen haben. „Und wir machen das auch nicht aus Dummdideldei, sondern können es begründen“, sagt Cindy Berger. Schließlich klimatisiere so ein grünes Dach die Laube.

Gründe für weitere Beanstandungen fanden der Kreisverband und der Vorstand der Gartenanlage in den anderen Parzelle, die total verwildert sein soll. Hier hat Thiele einen Zaun gebaut, der zwar „keine schlechte Idee ist“, wie es in der Abmahnung heißt, aber zur Gefahr für die Gartenfreunde wird, weil er nur lose verankert sei und spitze Äste hervorragen würden.

Für Cindy Berger und Florian Tobias Thiele sind die Kündigungsgründe an den Haaren herbeigezogen. Man wolle sie damit nur zum Aufgeben der Gärten zwingen. Sie verstehen nicht, warum es keine Schlichtung gab, sondern gleich ein Anwalt eingeschaltet wurde.

Schlichtung gescheitert

Laut Christian Werner, Geschäftsführer des Kreisverbandes, waren Schlichtungstermine anberaumt. Die hätte Thiele aber platzen lassen. Der wiederum sagt, dass er die Gespräche auf neutralem Boden und nicht wie vorgeschlagen im Garten führen wollte. Und mit den Bienen hätte die Abmahnung überhaupt nichts zu tun, so Werner. „Es kommt immer darauf an, wie man die Sache an die Leute heranträgt“, so Werner. Im übrigen sei nach der Begehung nicht nur Thiele abgemahnt worden. „Es gibt nun mal Regularien und die sind auch nötig. Wenn jemand das nicht will, dann soll er sich ein anderes Stück Land suchen“, so Werner. Aber so eine Gemeinschaft in einem Gartenverein habe auch ihre Vorteile. Und da gebe es wie in jeder Wohngemeinschaft eben auch Regeln, denen man sich unterordnen müsse. Und weil der Kreisverband den Pachtvertrag für die Anlage übernommen habe, könne er auch die Kündigung aussprechen. Doch Aufgeben kommt für die jungen Kleingärtner nicht in Frage. Schließlich hätten sie viel Arbeit in ihre Gärten gesteckt. „Kaum probiert man mal etwas Neues, wird man gleich rausgeekelt“, sagt Cindy Berger. Dabei müssten Gärtner doch wissen, wie wichtig die Bienen sind.