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Streit um den Wasserturm

© Sebastian Schultz

Die Bahn will das Denkmal aus Sicherheitsgründen abreißen. Und zwar möglichst schnell. Doch es gibt Widerstand.

Von Antje Steglich

Röderau. Der Wasserturm am Röderauer Bahnhof ist bald Geschichte. Zumindest, wenn es nach der Deutschen Bahn AG geht. Das Unternehmen will das Denkmal sowie diverse Nebengebäude nach eigenen Angaben ab Juli abreißen. Das Eisenbahn-Bundesamt hat das Vorhaben bereits genehmigt. Allerdings gibt es Widerstand.

„Ich wehre mich mit Händen und Füßen dagegen“, sagt Eisenbahnfan Pierre Weidner, der direkt neben dem Wasserturm wohnt. Für ihn hat der Turm nicht nur eine große historische Bedeutung, sondern ist auch Heimstätte von Mauerseglern, Turmfalken, Eulen und Fledermäusen. Und die geschützten Arten dürfen während ihrer Brutzeit – die laut Naturschutzbund Nabu in der Regel bis Ende Juli reicht – nicht gestört werden. Entsprechend gibt es auch eine Auflage durch das Eisenbahn-Bundesamt, „die Abbruchmaßnahmen außerhalb der Brutzeit einheimischer Vogelarten durchzuführen“.

Für die Bahn allerdings drängt die Zeit. Denn schon am 5. August soll die nächste Etappe im Ausbau der Strecke Berlin-Dresden beginnen. Weil dafür ein Streckenabschnitt im Brandenburgischen bis Ende 2017 voll gesperrt werden muss, wird das Röderauer Eisenbahndreieck zum wichtigen Teil der Umleitungsstrecke. Den Bahnhof für den Abbruch des Wasserturms in dieser Zeit zu sperren, scheint kaum möglich. Die Bahn will deshalb möglichst schnell Nägel mit Köpfen machen – ungeachtet des Naturschutzes, wirft Pierre Weidner dem Unternehmen vor und spricht gar von Betrug. Beim Umweltamt des Landkreises hat er nun um Hilfe gebeten. „Es gibt einen Antrag, der gegenwärtig geprüft wird. Das Ergebnis ist noch offen. Hier muss es eine rechtliche Abwägung geben“, sagt Kreissprecherin Kerstin Thöns auf Nachfrage der SZ. „Den Abriss generell verhindern wird dieser Antrag nicht“, betont sie jedoch. Denn grundsätzlich sei die Genehmigung bereits erteilt – trotz zahlreicher Bedenken.

Denn schon die Denkmalbehörde des Kreises hat ihr Einvernehmen bezüglich des Abrisses versagt, ebenso das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Denn der Wasserturm stellt ein bedeutendes Dokument der Technikgeschichte im Allgemeinen und der Eisenbahngeschichte im Besonderen dar, heißt es aus dem Amt. Zudem besitze die spezielle Konstruktion des Wasserreservoirs – der sogenannte Barkhausen-Behälter – einen hohen Seltenheitswert und gelte auch als weithin sichtbare Landmarke. Sein Erhalt ist wirtschaftlich zumutbar, sagen die Denkmalschützer aus Dresden. Zumal man die DB Netz AG als öffentlichen Eigentümer ansehe und dem Unternehmen außerdem vorwirft, den Bauzustand des Turmes im Planungsverfahren viel schlechter dargestellt zu haben, als er eigentlich ist.

Das Eisenbahn-Bundesamt folgte dieser Argumentation jedoch nicht und genehmigte den Abriss trotzdem. Eine Umnutzung ist nicht möglich, weil es an der Zuwegung fehlt und an Fläche, um einen schützenden Zaun Richtung Gleise aufzustellen. Zudem stelle der aktuelle Bauzustand eine akute Gefährdung der Betriebs- und Verkehrssicherheit dar. „Eine weitere Verzögerung ist nicht zu verantworten“, urteilt das Bundesamt. Einzige Auflage für die Deutsche Bahn ist demnach, eventuelle Bodenfunde zu melden und vor dem Abriss eine umfangreiche Dokumentation – vom Turm, dem ehemaligen Lokschuppen inklusive Tiefkeller, von Leitungs- und Pumpensystem, von Steuerung und zwei Brunnen auf dem Gelände – durchzuführen.