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Kohleausstieg bis 2038?

© dpa/Christophe Gateau

Braunkohlegegner im Hambacher Forst halten die Polizei auf Trab. Nun gibt es Streit um den Zeitplan für den Kohleausstieg. Wird der Wald von Hambach am Ende gar nicht mehr gebraucht?

Berlin. Demonstrationen von mehreren tausend Braunkohlegegnern haben die weitere Räumung des Hambacher Forstes am Wochenende nicht stoppen können. Umweltschützer protestierten gegen die geplante Rodung des uralten Waldes westlich von Köln und forderten einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Die Polizei sprach von mehr als 4000 Demonstranten. Die verschiedenen Aktivistengruppen zählten 5000 bis zu 9000 Teilnehmer.

Einige der Demonstranten trugen junge Bäume mit sich, die sie in bereits gerodetem Gebiet anpflanzen wollten. © dpa/Henning Kaiser
Dem „Spiegel“ zufolge legte Ronald Pofalla ein Konzept vor, wonach zwischen 2035 und 2038 die letzten Kohlekraftwerke geschlossen werden sollen. © dpa

Unterdessen hat ein Bericht über einen Zeitplan für den Kohleausstieg heftigen Streit ausgelöst. Dem „Spiegel“ zufolge legte der Co-Vorsitzende der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission, Ronald Pofalla, ein Konzept vor, wonach zwischen 2035 und 2038 die letzten Kohlekraftwerke geschlossen werden sollen.

Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ soll bis Jahresende eine Strategie zum Ausstieg aus der Kohleverstromung ausarbeiten. Derzeit belastet vor allem der Streit um die Räumung des Hambacher Forstes die Arbeit der Kommission, auf die sich nun auch die Hoffnungen der Hambach-Aktivisten richten.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte den sofortigen Stopp der Räumungsaktion. Die Landesregierung solle zunächst die Ergebnisse der Kohlekommission abwarten. „Vielleicht muss der Hambacher Forst dann gar nicht mehr gerodet werden“, sagte Martin Kaiser, Greenpeace-Geschäftsführer und Mitglied der Kohlekommission, in Kerpen der Deutschen Presse-Agentur. Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Hambacher Forstes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können.

Breite Kritik an Pofallas Zeitplan zum Kohleausstieg kommt aus der Kommission selbst, aber auch aus den betroffenen Ländern. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagte am Sonntag der dpa, das Gremium habe noch viel Arbeit vor sich; wichtige Grundlagen seien ungeklärt. „Umso unverständlicher ist es, dass zu so einem frühen Zeitpunkt Ausstiegsdaten genannt werden.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte der dpa, die Kohlekommission sei obsolet, wenn es solche Vorfestlegungen gebe.

Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und Mitglied der Kohlekommission, mahnte: Wenn Pofalla mit irgendwelchen Ausstiegsdaten jongliere, „dann kappt er fahrlässig das zarte Pflänzchen des Vertrauens, das sich in dem Gremium gerade erst gebildet hatte“.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte: „Vorfestlegungen und Geheimabsprachen erschweren die Arbeit der Kohlekommission unnötig.“ Zudem sei der Vorschlag viel zu ambitionslos, die Pariser Klimaziele würden damit verfehlt.

RWE bezeichnete einen Ausstieg bis 2038 als „nicht akzeptabel“. Das Ende der Kohleverstromung hänge auch vom schnellen und konsequenten Ausbau der Netze und der erneuerbaren Energien ab. Die Kohlekommission müsse dafür ein schlüssiges Gesamtkonzept vorlegen. (dpa)