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Streit um Finanzspritze für Budissa

Die Stadt Bautzen gibt in diesem Jahr 130 000 Euro für die Sportvereine aus. Mehr als die Hälfte davon bekommen die Fußballer. Viele Stadträte finden das ungerecht.

© Torsten Zettl

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Sie sind der bekannteste Sportverein der Stadt – und wohl auch der erfolgreichste. Die Fußballer von Budissa Bautzen spielen in der Oberlausitz ganz vorn mit. Mit ihrer ersten Mannschaft sind die Bautzener sogar in der Regionalliga vertreten. Der Verein tut auch einiges für die Jugend. Im Nachwuchszentrum Humboldthain trainieren 16 Teams. Bei vielen Bautzenern hat Budissa deshalb einen hohen Stellenwert. Und trotzdem war der Verein jetzt Auslöser einer langen Debatte im Stadtrat.

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Dabei geht es nicht um sportliche Erfolge, sondern ums Geld. Die Vereins-Chefs hatten sich an die Stadt gewandt – mit der Bitte um 70 000 Euro. Mit dem Geld will Budissa Bautzen Betriebskosten am Humboldthain decken. Rund 130 000 Euro fallen dort jährlich an. Eine Summe, die der Verein inzwischen nicht mehr allein aufbringen kann. Denn dass die Bautzener Fußballer in der Regionalliga mitkicken, ist zwar ein sportlicher Erfolg, es kostet den Verein aber auch deutlich mehr Geld.

Ein Fass ohne Boden?

Die Vereinsspitze beziffert die Mehrbelastung durch den Aufstieg auf 250 000 Euro pro Jahr. Sie bemüht sich deshalb um Sponsoren, um zum Beispiel gestiegene Reisekosten abzudecken. „Doch ohne eine Unterstützung von der Stadt droht dem Verein der Rückzug aus der Regionalliga“, erklärt Robert Böhmer. Bautzens Finanzbürgermeister musste die Stadträte in der Sitzung am Mittwoch von der Förderung überzeugen. Und er hatte viele Argumente: Wichtig sei, dass das Stadion Müllerwiese weiterhin gut ausgelastet ist. Immerhin flossen mehr als 700 000 Euro in den Umbau des Stadions. Zudem sei die Nachwuchsarbeit gefährdet, wenn die Mannschaft aus der Regionalliga ausscheidet. „Außerdem sorgen die Spiele von Budissa Bautzen dafür, dass die Stadt überregional wahrgenommen wird.“

Und der Finanzbürgermeister hatte Erfolg. Die Mehrzeit sprach sich für den Zuschuss aus. Allerdings gab es auch vier Gegenstimmen. Einer der Kritiker ist Grünen-Stadtrat Claus Gruhl. „Ich habe das Gefühl, dass der Verein immer mit dem Rückzug aus der Regionalliga droht. Das ist doch Erpressung“, sagt er. Ähnlich sieht es CDU-Stadträtin Susanne Hose. „Wir sprechen von einem einmaligen Zuschuss, dabei ist das ein Fass ohne Boden“, sagt sie.

Tatsächlich hatte Budissa Bautzen vor zwei Jahren bereits um Geld gebeten. Auch da wurde im Stadtrat kontrovers diskutiert. Damals gab es einen Deal mit den Stadtwerken. Die Energie- und Wasserwerke (EWB), mehrheitlich im Besitz der kommunalen Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen, gaben Budissa 100 000 Euro.

2014 lehnte es die Stadt noch ab, für den Verein Geld aus dem Haushalt zu verwenden. Genau das passiert jetzt. Der Zuschuss setzt sich zusammen aus 50 000 Euro, die für die Gemeindestraßen vorgesehen waren und 20 000 Euro, die der Unterhaltung der Sportstätten dienen sollten. „Es werden aber keine Straßen gestrichen. Wir können das sicherlich mit Mehreinnahmen ausgleichen“, betonte Böhmer.

Vereine müssen Förderung beantragen

Und eine Sache heizt den Streit zusätzlich an: Die Stadträte mussten am Mittwoch auch über die Sportförderung abstimmen. In diesem Jahr bekommen die Bautzener Sportvereine insgesamt 60 000 Euro. Damit soll vor allem die Teilnahme der Sportler an überregionalen Wettkämpfen unterstützt werden. Zudem will die Stadt jenen Vereinen helfen, die neue Sportgeräte anschaffen wollen.

Das Geld wird den Vereinen nicht einfach so überwiesen. Sie müssen Anträge stellen, mehrere Seiten ausfüllen und ihr Vorhaben begründen. „Vergleicht man das mit dem Zuschuss für Budissa, steht das doch in keinem Verhältnis. Andere Sportvereine müssen sehen, wo sie bleiben“, erklärt Grünen-Stadtrat Claus Gruhl. Besonders pikant: Es ist noch nicht lange her, da hat die Stadt das Budget für die Sportförderung gekürzt – von 90 000 Euro auf 60 000 Euro.

Die Fußballer können sich jetzt freuen. Allerdings muss Budissa Bautzen nun an sich arbeiten. So forderte CDU-Stadträtin Elisabeth Hauswald: „Wir dürfen uns nicht auf Spielchen einlassen, sondern müssen jetzt Bedingungen stellen.“

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Das sieht auch Oberbürgermeister Alexander Ahrens so. Er betonte, dass der Verein strukturelle Änderungen vornehmen will. „Der Zuschuss ist eine einmalige Geschichte. Wir erwarten vom Verein, dass so etwas nicht gleich wieder passiert“, erklärt er.