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Streit um Horterweiterung

Weil mehr Platz gebraucht wird, wollte die Gemeinde Sohland Container aufstellen. Der Gemeinderat lehnt das ab. Wie geht’s nun weiter?

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

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Sohland. Aufregung herrscht derzeit in Sohland um die geplante Erweiterung des Hortes an der Frühlingsberg-Grundschule. Eigentlich wollte die Gemeinde jetzt Aufträge vergeben, um hinter der Schule ein Gebäude aus Raumcontainern errichten zu lassen. Doch ein dafür notwendiger Beschluss fand im Gemeinderat keine Mehrheit. Von 17 Anwesenden stimmten nur fünf dafür, aber zehn dagegen und zwei enthielten sich. Damit geht der straffe Zeitplan nicht mehr auf. Das ursprüngliche Ziel, schon mit Beginn des neuen Schuljahres Mitte August mehr Platz zur Verfügung zu haben, ist nicht mehr zu schaffen.

Schülerzahl steigt stark

Derzeit gibt es im Hort, der an die Sohlander Grundschule angegliedert ist, nach Aussagen von Bürgermeister Hagen Israel (parteilos) 130 Plätze. Und schon jetzt geht es eng zu. Mit dem kommenden Schuljahr verschärft sich das Problem. Denn ab diesem Zeitpunkt laufen alle Klassenstufen wieder zweizügig, was in den letzten Jahren nicht der Fall war. „Eine vierte Klasse geht und zwei erste Klassen werden eingeschult“, blickt Schulleiterin Carmen Bär voraus. 165 Schüler gibt es dann. Erfahrungsgemäß nutzen 85 bis 90 Prozent aller Grundschüler den Hort.

Es werden also etwa 150 Plätze benötigt; und zwar nach derzeitigen Erkenntnissen über etliche Jahre. Als die Planungen für die Horterweiterung vor längerer Zeit begannen, war Sohland von niedrigeren Zahlen ausgegangen. In Keller und Dachgeschoss des Schulgebäudes sollten zusätzliche Horträume und Sanitäranlagen geschaffen und die Kinder während der Bauarbeiten in einem Interimsgebäude hinter dem Haus betreut werden.

„Die Gemeinde wollte dafür Raumcontainer kaufen und sie dann, wenn sie an der Sohlander Schule nicht mehr benötigt werden, an der Grundschule in Wehrsdorf als Ausweichquartier aufstellen. Denn dort steht auch ein Umbau an“, erklärt Mathias Grunert. Der Unternehmer sitzt für die CDU im Gemeinderat und ist einer derjenigen, die sich intensiv mit den Erweiterungsplänen auseinandergesetzt haben und die bislang von der Verwaltung verfolgte Variante kritisch sehen.

Gemeinderäte wollen andere Lösung

Mit der zuerst vorgesehenen Interimslösung waren die Ratsmitglieder einverstanden. Doch im Laufe der Planungen zeigte sich, dass noch mehr Hortplätze benötigt werden; zumindest für ein paar Jahre. Deshalb wollte die Gemeinde das Containergebäude mit vier Gruppenräumen länger nutzen. Der Bürgermeister hatte in einem SZ-Gespräch Ende letzten Jahres davon gesprochen, dass das aus vorgefertigten Modulen bestehende Gebäude „dauerhaft stehen bleiben“ könne.

Doch dieser Variante verweigerte der Sohlander Gemeinderat jetzt die Zustimmung. Mathias Grunert begründet das so: „Die Container würden bei mehrjähriger Nutzung über 500 000 Euro kosten. Für den Umbau in der Schule sind 1,2 Millionen Euro veranschlagt und erfahrungsgemäß fallen in Altbauten immer zusätzliche Kosten an. Es kommen also mindestens 1,7 Millionen Euro zusammen. Für das gleiche Geld können wir auch was Solides schaffen.“

Gedacht ist daran, auf dem Schulgelände einen massiven Neubau zu errichten. Er soll möglichst so groß sein, dass darin der gesamte Hort Platz hat, damit die Kinder nicht an verschiedenen Stellen – im Keller- und Dachgeschoss der Schule sowie im Containerbau – betreut werden. Einen weiteren Vorteil sehen die Befürworter darin, dass ein Neubau energieeffizient und allen aktuellen Anforderungen entsprechend gestaltet werden kann.

Die Entscheidung, sich gegen die Pläne der Verwaltung zu stellen, wurde von Mathias Grunert und den anderen nicht spontan getroffen. Vier Ratsmitglieder haben zum Beispiel die Firma besucht, die die Raumcontainer liefern sollte. „Das hat uns in der Meinung bestärkt, dass wir so was nicht als längerfristige Lösung für unsere Kinder wollen“, berichtet Steffen Schirner, der für die CDU im Gemeinderat sitzt. „Wenn wir schon so viel Geld in die Hand nehmen, sollten wir damit was Werthaltiges schaffen“, fügt er an.

Zeitplan gerät ins Stocken

Wenige Tage, nachdem es in der Ratssitzung zum Eklat gekommen war, haben sich einige Gemeinderäte mit Vertretern der Verwaltung zusammengesetzt. „Wir sind jetzt auf einem guten Weg, arbeiten gemeinsam an einer Lösung“, sagt Steffen Schirner. Der Bürgermeister bestätigt das. Ein Ingenieurbüro soll einen Vorschlag für einen Massivbau erarbeiten. „Der Zeitplan gerät dadurch natürlich ins Stocken. Unser Ziel, schon ab Sommer mehr Platz zu haben, ist nicht mehr zu erreichen“, äußert Hagen Israel. Schulleiterin Carmen Bär weiß, dass Schule und Hort dadurch erstmal „noch beengtere Verhältnisse aushalten müssen“. Doch sie sagt: „Mit der Aussicht darauf, dass die bestmögliche Lösung gefunden wird, schaffen wir das.“

Im Schulgebäude finden demnächst aber auf jeden Fall Bauarbeiten statt. Unabhängig davon, wie es mit der Horterweiterung weitergeht, werden wie geplant die Heizung modernisiert, der Brandschutz verbessert und am Verbindungsgang zwischen Haupthaus und Sporthalle ein Anbau errichtet, in dem eine zentrale Garderobe und ein Sportgerätelager Platz finden.