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Streit um längeres gemeinsames Lernen

Am Schulsystem scheiden sich in Sachsen die Geister. Wer für ein gemeinsames Lernen bis Klasse 8 plädiert, fängt sich in manchen Kreisen den Vorwurf ein, die DDR-Schule reanimieren zu wollen.

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© Symbolfoto: dpa

Dresden. Das längere gemeinsame Lernen in der Schule bleibt in Sachsen ein Streitpunkt. Vertreter von Koalition und Opposition bewerteten am Freitag nach einer Anhörung im Landtag die Argumente der Gutachter unterschiedlich. Linke und Grüne sahen eine Mehrheit für ihr Anliegen, die CDU warnte vor „kostspieligen Experimenten“. In der Anhörung ging es darum, ob man im neuen Schulgesetz eine längere Zeit gemeinsamen Lernens verankern soll. In Sachsen teilen sich die Wege der Schüler schon nach der vierjährigen Grundschule. Dann geht es aufs Gymnasium oder auf die Oberschule, die frühere Mittelschule. Kritiker wünschen sich bis zu acht gemeinsame Schuljahre - so wie es in der DDR üblich war.

„Die Experten waren sich nicht einig. Es gibt keine einheitliche wissenschaftliche Position. Es ist also fraglich, ob ein längeres gemeinsames Lernen sich positiv auf die Leistungen und die soziale Entwicklung der Schüler auswirkt“, argumentierte der CDU-Politiker Lothar Bienst. Bis jetzt sei Sachsens gegliedertes Schulsystem im Bundesvergleich erfolgreich. Eine Änderung aus ideologischen Gründen hin zur Gesamtschule sei falsch: „Wir sollten lieber bewährte Systeme wie unsere sächsischen Schulen weiter entwickeln und hier in Ausstattung und Inhalte investieren.“

Grünen-Politikerin Petra Zais hielt der Gegenseite vor, „ideologisch“ zu argumentieren. „Die Mehrheit der Sachverständigen unterstützte die Forderung, im Schulgesetz die Option auf längeres gemeinsames Lernen zu verankern“, betonte die Abgeordnete. Insbesondere das auch von den Grünen bevorzugte „optionale Modell“ habe viel Zuspruch gefunden. Dabei sollen Gemeinschaftsschulen unterschiedlicher Ausgestaltung dort ermöglicht sein, wo sie vor Ort gewollt sind und Konsens zwischen Schulträger, Schulleitung und Schulkonferenz besteht.

Die Linken führten den Landeselternrat als Kronzeugen für ein längere gemeinsame Schulzeit an. „Hinzu kommt, dass auch in der Wirtschaft der Ruf lauter wird, das Gymnasium erst ab Klasse 8 einzuführen. Deren Vertreter in der Anhörung machen sich Sorgen um die Gewinnung von qualifizierten Fachkräften“, sagte die Linke-Abgeordnete Cornelia Falken. Beides - den Willen der Eltern und den der Wirtschaft - sollte das Kultusministerium nicht ignorieren.

Die AfD wollte sich nicht festlegen. Fakt sei aber, dass es ein „Weiter so“ nicht geben dürfe, erklärte der Abgeordnete Uwe Wurlitzer. Der wachsenden Unzufriedenheit der Bürger könne nur begegnet werden, wenn man über grundsätzliche Fragen ideologiefrei und ergebnisoffen debattierte. (dpa)