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Streit um NS-Ausstellung in Bautzen

Die Nazi-Zeit spielt in der Gedenkstätte Bautzen bisher keine Rolle – weil der Wille fehlt, sagen Kritiker.

© Uwe Soeder

Von Sebastian Kositz

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Bautzen. Willkür und Härte, zwei Säulen eines skrupellosen Machtapparats, für die der Bautzener Stasi-Knast greifbares Symbol geblieben ist. Die düstere Historie von Bautzen II beginnt aber nicht erst 1945. Bereits die Nazis hatten in Bautzen, in beiden Haftanstalten, ihre Gegner weggesperrt und misshandelt. Es ist ein Teil der Historie, die in der Ausstellung der Gedenkstätte an der Weigangstraße kaum Beachtung findet – und ein Politikum, bei dem es hinter den Kulissen unüberhörbar knirscht.

Trotz der großen Strahlkraft der in der DDR in Bautzen hundertfach praktizierten Willkür war die Geschichte beider Haftanstalten in der NS-Zeit nicht vergessen worden. Das Thema ist von Beginn an im Auftrag der Gedenkstättenarbeit verankert. Als vor zehn Jahren die damalige und heute wieder im Amt befindliche sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) die Gedenkstätte besuchte, hatte sie selbst noch einmal die ergänzende Ausstellung angeregt. Bis die Historiker in den Archiven recherchierten, dauerte es jedoch. Erst 2015 startete das Projekt, das bis heute nicht abgeschlossen ist. Die Eröffnung der Ausstellung wurde zweimal verschoben.

Schon vor einem Jahr sollte die Präsentation eingeweiht werden, am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Weil das nicht klappte, wurde der Termin verschoben – auf den Gedenktag an diesem Sonnabend. Doch auch daraus wird nichts. Das Ministerium benennt nun den Zeitraum Ende April, Anfang Mai.

Die verstrichene Zeit provoziert Fragen. Vor allem die, warum es so lange dauert. Das wollte die Landtagsabgeordnete Claudia Maicher (Grüne) vom Wissenschaftsministerium wissen. Dessen Chefin, Eva-Maria Stange, ist zugleich Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten, der auch Bautzen unterstellt ist. Das Ministerium antwortete sinngemäß: Dem mit der Gestaltung der Ausstellung beauftragten Büro seien die nötigen Inhalte erst Ende 2017 zugeleitet worden.

Für die Inhalte und Konzeption der Ausstellung verantwortlich sind nach Angaben der Stiftung die Mitarbeiter der Bautzener Gedenkstätte. Zu deren Verstärkung seien zeitweise noch zwei Mitarbeiter eingestellt worden, so Julia Spohr, die Sprecherin der Stiftung. Doch das ist nicht genug, meint Claudia Maicher. Es fehle Geld und Personal, so der Vorwurf der Grünen-Politikerin. Sie macht den Chef der Stiftung, Siegfried Reiprich, verantwortlich: „Statt die Vervollständigung der Gedenkstätte mit aller Kraft zu unterstützen, bremst er die Wirkungskraft des Erinnerungsortes durch halbgare Lösungen und unklare Planungen aus.“

Für mehr Personal in den Gedenkstätten

Tatsächlich sind Siegfried Reiprich und sein Vize Bert Pampel nicht unumstritten. Kritiker werfen ihnen vor, einseitig die Opfer der sowjetischen Besatzung und der DDR-Diktatur in den Fokus zu rücken und die Willkür der NS-Zeit stiefmütterlich zu behandeln. Landtagsabgeordnete Claudia Maicher hatte bereits 2016 „ein eklatantes Defizit der sächsischen Gedenkkultur hinsichtlich der Zeit des Nationalsozialismus“ beklagt und das anhand der Verwendung der Gelder festgemacht. Die Stiftung wies das als unbegründet zurück. Der erneuten Kritik der Politikerin entgegnet Sprecherin Julia Spohr, dass die Verstärkung des Personals der Gedenkstätte Bautzen grundsätzlich wünschenswert ist, die Einrichtung personell aber im Vergleich zu den weiteren vier Erinnerungsorten in Trägerschaft der Stiftung ohnehin schon am besten ausgestattet sei. Zudem setzte sich Siegfried Reiprich seit seinem Amtsantritt für mehr Personal in den Gedenkstätten ein.

Im Wissenschaftsministerium, wo die Vorsitzende des Stiftungsrats Chefin ist, erklären die Verantwortlichen, nichts von den Vorwürfen wegen des Personalmangels zu wissen. Stattdessen hält das Ministerium an einer Eröffnung im Frühjahr fest und beruft sich auf den von der Geschäftsstelle der Stiftung übermittelten Planungsstand. Claudia Maicher ist skeptisch: „Der Gedenkstätte fehlen die Ressourcen. Die Ausstellung wird weder fertig sein noch ist eine qualitative Begleitung gesichert.“