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Streit um Sternwarten-Sponsor

Der Chef der Firma Hentschke Bau will die Einrichtung in Bautzen unterstützen. Das ruft Kritiker auf den Plan.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Eigentlich war es eine gute Nachricht, ein Hoffnungsschimmer nach Monaten der Ungewissheit. Jörg Drews, Geschäftsführer der Baufirma Hentschke Bau, bot sich jetzt als Sponsor für die Bautzener Schulsternwarte an. Er sicherte dem Förderverein zu, jährlich 25 000 Euro bereitzustellen. Das Angebot kommt genau zur rechten Zeit. Seit Langem wird über die Sternwarte diskutiert. Das Gebäude muss dringend modernisiert werden, die Zukunft der Einrichtung steht auf der Kippe.

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Doch nicht alle sind froh über den neuen Sponsor. Einige Stadträte haben Bedenken. Claus Gruhl (Grüne) ist einer von ihnen. Zwar kann er die Freude des Fördervereins verstehen, aber er stört sich daran, von wem das Geld kommt. „Ich beobachte zunehmend, dass sich Herr Drews mit Sponsoring und Wohltaten in der Stadt Sympathien erkauft“, sagt er und ergänzt: „Dahinter vermute ich ein gewisses Kalkül.“ Es sei nicht gut, wenn ein einzelner Unternehmer überall in Bautzen „mit drinstecke“. Als Beispiel nennt Gruhl das Sponsoring für die Fußballer von Budissa Bautzen sowie etliche Bauprojekte in der Stadt.

Kritik an politischer Einstellung

Und das ist nicht das einzige Problem, das Claus Gruhl mit dem Bauunternehmer hat. Auch seine politische Einstellung gefällt dem Stadtrat nicht. „Es ist ja bekannt, dass er den Verein ‚Wir sind Deutschland‘ unterstützt“, sagt er. Mehrfach im Jahr gibt der Verein die Zeitschrift „Denkste“ heraus, die neben kritischen Beiträgen zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik vor allem rechte Propaganda und Verschwörungstheorien verbreitet.

Hauptfeind aus Sicht der Autoren sind Gewerkschaften, Kirchgemeinden und demokratischen Parteien. Deren Politiker werden vorzugsweise als korrupt und Marionetten ausländischer Milliardäre dargestellt. Großen Raum nehmen Themen ein, die von „Systemmedien und Lügenpresse“ angeblich verschwiegen werden: So berichtet die aktuelle Ausgabe unter anderem über eine weltweite Verschwörung zur Manipulation des Wetters mithilfe von Chemtrails. Ziel sei es, ganze Länder und Regionen ins Chaos zu stürzen, indem künstlich Dürren, Sturzregen Hagel und Fluten erzeugt werden.

Ein anderer Beitrag unterstellt, die deutsche Bildungspolitik fördere über den Sexualkundeunterricht die Pädophile. Kritik an ihren Ansichten lassen die Autoren nicht gelten. Wer etwa Chemtrails als Verschwörungstheorie bezeichne, sei „ein Gegner demokratischer Werte“.

Für Claus Gruhl steht fest: Solches Gedankengut bewegt sich an der Grenze zur Verfassungswidrigkeit. „Auch wenn er es bestreitet, denke ich, dass Herr Drews der Gesinnung der Reichsbürger nahesteht“, erklärt er. Kritisch zum Sponsoring äußert sich auch Linken-Stadtrat Steffen Grundmann (Linke). So schreibt er zu diesem Thema bei Twitter: „Engagement für die Stadt darf kein Freibrief für populistisches Geschwurbel sein.“ Etwas entspannter sieht CDU-Stadträtin Elisabeth Hauswald die Situation. „Ich finde es gut, dass sich Herr Drews einbringt“, sagt sie, ergänzt aber auch: „Was er politisch treibt, müssen wir im Auge behalten.“

Förderverein verteidigt Sponsoring

Jörg Drews selbst wollte am Mittwoch nicht mit der SZ über die Diskussionen um sein Sponsoring sprechen. Seine Sekretärin richtet lediglich aus, dass es zur Sternwarte noch weitere Gespräche geben muss.

Reden wollen hingegen die Mitglieder des Fördervereins. Sie verteidigen das Sponsoring für die Sternwarte. „Schon immer haben Bürger und Firmen in Bautzen die Schulsternwarte unterstützt“, erklärt Georgia Brauer. Sie gehört zu jenen Ehrenamtlichen, die seit Jahren die Einrichtung am Laufen halten. Man dürfe bei der Diskussion nicht vergessen, dass es sich bei dem Gebäude um eines der ältesten Schulsternwarten Deutschlands handelt, erklärt sie. Vor 150 Jahren legte der Bautzener Bürger Dr. Friedrich Carl Stieber mit seinem Vermächtnis den Grundstein. Er überließ der Stadt die Sternwarte mit der Auflage, sie für die astronomische Bildung der Schuljugend einzusetzen. „Wenn es dem Stadtrat von Bautzen bei seiner Entscheidung zur Zukunft der Sternwarte hilft, dass ein neuer finanzieller und eventuell auch materieller Unterstützer dieses Vermächtnis von Stieber weiterführt, wäre ich froh darüber“, sagt Georgia Brauer.

Die Diskussion über den Sternwarten-Sponsor hatte Annalena Schmidt ins Rollen gebracht. Die Historikerin und Demokratiepreisträgerin merkte kritisch an, dass sich Herr Drews in Bautzen bald überall einkaufe. Eine Reaktion darauf erhielt sie prompt. Andreas Thronicker, bekannter Stadtführer in Bautzen, beleidigte sie am Dienstag auf seiner privaten Facebook-Seite. Er nannte sie dort „Afterlena Shit“. Die Historikerin überlegt jetzt, ob sie Anzeige erstatten will.