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Streit um Straßenbau am Auer

Die neue Straße S80/81 geht durch ein altes Sägewerke. Der Besitzer streit sich um den Verkaufspreis und die Flächengröße.

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Von Sven Görner

Die zum Teil nur noch als Brandruinen vorhandenen Gebäude des ehemaligen Sägewerks am Auer sind abgerissen und die Reste entsorgt. Sie mussten dem geplanten Straßenneubau am Auer weichen. Am Ende des nächsten Jahres, so der ehrgeizige Zeitplan des Straßenbauamtes Meißen-Dresden, soll die knapp drei Kilometer lange Neubautrasse der S80/81 im Wesentlichen fertig sein.

Ein Grund für die Eile sind vor allem die EU-Mittel, mit denen das 6,8 Millionen Euro teure Projekt zu 75 Prozent finanziert wird. Diese Gelder müssen laut dem Amt zügig verbaut werden, um ihre Bereitstellung nicht zu gefährden.

Drei laufende Verfahren

Dass sei auch der Grund für das nicht alltägliche Vorgehen des Straßenbauamtes in der Auseinandersetzung um das alte Sägewerk am Auer. Robert Beck, der Besitzer der Flächen, streitet sich mit dem Amt über den Verkauf. „Deshalb ist der Planfeststellungsbeschluss für dieses Vorhaben mit einem Sofortvollzug ausgestattet“, sagt Martin Schorlemmer, Vizeamtsleiter.

Durch eine sogenannte vorzeitige Besitzeinweisung ist das Amt außerdem berechtigt, die Bauarbeiten planmäßig auf dem Sägewerksgelände durchzuführen, obwohl es die benötigten Flächen bisher noch nicht erworben hat.

Die neue Straße soll mitten durch das Gelände verlaufen. Beck hatte bereits beim Erörterungstermin des Planfeststellungsverfahrens vor drei Jahren massiven Widerstand gegen die Pläne des Straßenbauamtes angekündigt. Der Weinböhlaer verfolgte eigene Pläne mit dem Areal, wollte dort eine Gärtnerei einrichten.

Dafür hat der 31-Jährige inzwischen ein anderes Grundstück gefunden. Trotzdem streitet er sich weiter mit dem Straßenbauamt. Gleich vor drei Gerichten.

Generell, so Beck, sei er inzwischen zu einer Übereinkunft mit dem Straßenbauamt bereit. Strittig seien aber noch die Größe der Fläche und der Kaufpreis, den das Amt dafür zahlt.

„Das Straßenbauamt will rund zwei Drittel des knapp zwei Hektar großen Areals haben, obwohl es für den Straßenbau wesentlich weniger benötigt“, sagt Beck. Im Planfeststellungsbeschluss wird der hintere Teil des Geländes als Fläche für Ausgleichsmaßnahmen ausgewiesen.

„In diesem nicht für den Straßenbau benötigten Gelände stand auch das Ende der 1980er Jahre gebaute und vom Brand nicht beschädigte ehemalige Sozialgebäude“, sagt Beck. Ihn ärgert, dass sofort nach dem Scheitern seines Eilantrags gegen die vorzeitige Besitzeinweisung auch dieses Gebäude abgerissen wurde.

„Dabei ist doch noch gar nicht entschieden, ob das Gericht im Hauptsacheverfahren auch die Notwendigkeit sieht, die Ausgleichspflanzungen dort durchzuführen.“ Den vorderen, dem Ort zugewandten Teil seines Grundstücks will der Weinböhlaer nach eigenem Bekunden auf jeden Fall behalten.

Keine Einigung in Sicht

Völlig indiskutabel sei laut Beck der Preis, den das Straßenbauamt bisher bereit sei, zu bezahlen. Der basiere auf einem vom Amt in Auftrag gegebenen Gutachten. „Ich wäre bereit, die Summe zu akzeptieren, die das Ergebnis eines zweiten, ebenfalls vom Straßenbauamt veranlassten detaillierten Gutachtens ist“, ergänzt Beck. „Aber das will das Amt offenbar nicht wahrhaben. Stattdessen wurde mir wie auf dem Basar ein etwas höherer Betrag als im ersten Gutachten angeboten. Die Grundlage dafür ist nicht nachvollziehbar.“ Eine außergerichtliche Einigung scheint so nicht in Sicht zu sein.

Derzeit läuft ein deutschlandweites Vergabeverfahren für den Straßenneubau, sagt Stephan Berger, Sachgebietsleiter im Straßenbauamt. Mitte Oktober sollen die Baufahrzeuge anrücken. Zunächst werde eine Hauptwasserleitung verlegt, die zwischen Friedewald und Auer das Baufeld quert.