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Streit ums Geld

Das neue Kinderzentrum im Stadtteil Süd in Bischofswerda kostet schon jetzt mehr als geplant. Dabei hat der Bau noch gar nicht begonnen.

© Visualisierung: Bauplanung Bautzen

Von Nicole Preuß

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Bischofswerda. Die Sache ist eigentlich klar. Die Stadt Bischofswerda soll ein neues Kinderzentrum in Bischofswerda-Süd bekommen. Der Stadtrat hat den Bau beschlossen, sich auf eine Form geeinigt und einen genauen Kostenrahmen festgelegt. Das Haus in der ungewöhnlichen Form einer Schnecke darf höchstens 4,6 Millionen Euro kosten. Es steht noch kein Stein des neuen Gebäudes, doch schon jetzt ist klar: Diese Summe wird nicht zu halten sein.

Die Bauhauptleistungen, die jetzt ausgeschrieben wurden, werden allein schon 150 000 Euro mehr kosten als eigentlich geplant. Das ist eine Preissteigerung innerhalb eines Planungsjahres von deutlichen 17 Prozent. Die Fachleute der Bauplanung Bautzen hatten vor einem Jahr noch mit 820 000 Euro für dieses Vergabelos gerechnet. Jetzt verlangt der günstigste Bieter, das Nieskyer Unternehmen Neu & Reko Bau Glotz, 970 000 Euro. Das sorgt für „erhebliche Bauchschmerzen“ im Rathaus. Schließlich ist das Los, das im Wesentlichen den Rohbau umfasst, das wichtigste überhaupt. Ein Viertel der Bauleistungen macht es aus und viele im Rat befürchten, dass es bei dieser Preissteigerung nicht bleiben wird.

Luxusbau Kita?
Der Stadtrat entschied nun über die Vergabe der wichtigen Leistung. Vertreter der Fraktion Die Linke sehen ein Teil des Problems in der Wahl der Form. „Es ist doch so, es ist ein Luxusbau, den wir uns jetzt leisten. Ein normaler rechteckiger Bau hätte doch auch genügt“, sagt Simone Keimel und prophezeit. „Wir werden bei diesem Bau noch mehrmals aufwachen.“ Das zumindest sehen auch Vertreter der Bürger für Bischofswerda so. „Wir werden hier am Ende des Jahres wieder sitzen und über die Kosten sprechen. Wir haben doch noch nicht einmal was für das Innenleben zurückgelegt“, sagt Robert Geburek. Die Verwaltung sieht das ähnlich. „Wir sehen das Ganze mit sehr großen Bauchschmerzen“, sagt OB Holm Große. Der Rathauschef sieht vor allem die Planer in der Pflicht zu einer fortdauernden Kostenkontrolle.

Die Gründe für die deutliche Erhöhung sind vielschichtig, denn die 17 Prozent toppen noch die allgemeine Steigerung im Baugewerbe. Drei Prozent sind alle Leistungen in allen Gewerken in Sachsen im vergangenen Jahr teurer geworden. „Das ist aber nur ein Mittelwert“, sagt der Geschäftsführer der Bauplanung Bautzen GmbH, Falko Hinz, der mit dem Bauvorhaben betraut ist. „Wir haben gerade in dem Bereich, der in den Bauhauptleistungen zusammengefasst wurde, erheblich mehr Baupreissteigerungen.“ Die Planer hätten alles getan, damit die Kosten im Rahmen bleiben. Dazu gehöre zum Beispiel, dass relativ zeitig ausgeschrieben wurde. Ein Puffer hätte nicht eingebaut werden können, weil die Fördermodalitäten das verbieten.

Hoffen auf Fördermittel

Die Bauplaner empfehlen den Stadträten, das günstigste Angebot trotz der Mehrkosten anzunehmen. Sie glauben, dass es kein Besseres geben wird. Das zeige schon, dass die ersten Bieter mit ihren Angeboten relativ nah beieinander liegen. Die 150 000 Euro muss die Stadt Bischofswerda wahrscheinlich nicht allein tragen. Zwei Drittel der Summe könnten gefördert werden. Und die Stadt hat von dem Abriss der Schule noch 165 000 Euro aus der eigenen Stadtkasse in Reserve. In den Rückbau flossen noch mehr Fördermittel als ursprünglich geplant. Die Stadt müsste damit 50 000 Euro von diesem Betrag nehmen und hätte trotzdem noch einen kleinen Puffer für weitere Kostensteigerungen. Die Stadträte sind trotzdem nicht begeistert. Sie stimmten trotz allem mit sechs Gegenstimmen aus den Reihen der Linken und der Bürger für Bischofswerda für das Angebot.

Die Planer sollen die nächsten Leistungen bündeln und so schnell wie möglich ausschreiben. Damit könnten bessere Preise erzielt werden, so der Plan. Einige Stadträte zweifeln aber, dass das wirklich zu dem gewünschten Ergebnis führt. Ein generelles Öffnen des Projekts lehnt eine Mehrheit und die Verwaltung ab. Stadtrat Hartmut Horn (CDU/FDP): „Wenn man es jetzt stoppt, läuft es komplett aus dem Ruder. Die Kita ist in der Form ausgeschrieben. Wir müssen jetzt mit den Folgen leben, sonst ist es komplett vorbei.“