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Streit ums liebe Bier

Jahre gab es Zoff mit Freiberg, wer das Getränk brauen durfte. Das ist lange her, aber nicht vergessen – dank eines Vereins.

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© dpa

Von Mandy Schaks

Dippoldiswalde. Wie ein kühles Bier schmeckt, erst recht an heißen Sommertagen, wissen ganz bestimmt nicht nur die Dippser. Was aber vielleicht nicht mehr so präsent ist: Die Dippser können Bier selber herstellen und beherrschen dieses Handwerk so gut, dass sie sogar Brauer ausbilden und zwar an traditionsreicher Stätte, dem Beruflichen Schulzentrum „Otto Lilienthal“, der früheren Müllerschule. Dabei hatte den Dippsern über viele, viele Jahre Markgraf Heinrich III., auch bekannt als der Erlauchte, dieses Recht abgesprochen. 750 Jahre ist das her und in die Geschichte als Bierstreit zwischen Dippoldiswalde und Freiberg eingegangen.

Das alles hat der Förderverein mittelalterlicher Bergbau Dippoldiswalde e. V. herausgefunden und wollte es nicht dabei belassen. Schließlich geht es um ein Jubiläum und um eine große Tradition der Dippser – gleich im doppelten Sinne. Denn das Bier hat auch mit dem Bergbau zu tun. Der Verein weiß zu berichten, dass im Mittelalter das Getränk schon fast so etwas wie ein Grundnahrungsmittel war. Die Gründe dafür hören sich heute überraschend an: „Zu dieser Zeit war das Bier für die Menschen zumeist hygienisch sauberer als das Wasser, das zur Verfügung stand. Und es enthielt auch weniger Alkohol als heute.“

Deshalb wundert es nicht, dass jeder gern Berg- und andere Leute mit Bier beliefern und Geld verdienen wollte. Fehden blieben dabei nicht aus. Wie der Förderverein berichtet, kam es so auch zwischen den beiden Städten Dippoldiswalde und Freiberg über Jahre zu einem Rechtsstreit, wer das Bier brauen durfte. „Alle Möglichkeiten zur Beilegung des Streites – Nachforschung, Klage, Rechtsstreit – wurden genutzt, waren aber erfolglos“, so der Förderverein. „Der Markgraf Heinrich und sechs Persönlichkeiten unter anderem der Stadt Freiberg führten am Ende eine folgenschwere Entscheidung für Dippoldiswalde herbei.“ Sie legten fest, dass auf allen gewinnbringenden Zechen nur noch Freiberger Bier verkauft werden durfte und begründeten damit die mittlerweile 750-jährige Freiberger Biertradition. „Ausschlaggebend für die Herren war, dass der Bergbau sich unter der Aufsicht des Freiberger Bergmeisters bis in das Gebirge ausgebreitet hatte“, erläutert der Förderverein.

Auf dieses historische Ereignis und die hervorragenden Ausbildungsbedingungen an traditionsreicher Stätte will der Förderverein aufmerksam machen und lässt den Bierstreit an diesem Sonnabend noch einmal aufleben. Ab 10 Uhr können Interessierte im Beruflichen Schulzentrum in Dippoldiswalde mehr erfahren über den Bierstreit und vor allem über die Ausbildung zum Brauer. Es gibt ein Schaubrauen. Und Besucher dürfen auch kosten. „Natürlich wird zum Vergleich ein echtes Freiberger Bier gereicht!“