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Streit ums Trinkwasser geht weiter

Behalten die Lampertswalder ihr kommunales Wasserwerk oder nicht? Bürgerbefragung steht noch aus.

© Anne Hübschmann

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia und Jörg Richter

Lampertswalde. Gemeinderat Dierk Bade aus Lampertswalde ließ in der Ratssitzung am Dienstag eine Bombe platzen: Bürgermeister Wolfgang Hoffmann (CDU) hatte gegenüber der SZ behauptet, die Abstimmung zur Lampertswalder Trinkwasseranlage sei vom Tisch. Dessen Fürsprecher Dierk Bade hätte von sich aus einen entsprechenden Antrag zurückgezogen. „Das ist eine glatte Lüge. Dazu werde ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde stellen“, ist der Lampertswalder Gemeinderat entrüstet. Das ließ er alle Zuhörer bei der Ratssitzung spüren. Nur weil nicht genug Zeit war, eine Bürgerumfrage für den Bundestagswahl-Sonntag vorzubereiten, stehe sein Antrag dazu nach wie vor, unterstreicht Bade. In der Gemeinde sei er durch die Veröffentlichung vom 13. September aber blamiert. Die SZ hatte ihn zuvor nicht erreicht, weil der Arzt im Urlaub war. Er selbst schätzt, dass dennoch etwa die Hälfte der Lampertswalder genauso denken wie er.

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Dierk Bade kritisiert das verkalkte Wasser in Lampertswalde, Mühlbach und Schönborn. Die Einwohner dieser Ortsteile erhalten ihr Trinkwasser aus dem Lampertswalder Wasserwerk. Das ist das letzte noch verbliebene gemeindeeigene Werk im Verbreitungsgebiet der Wasserversorgung Riesa-Großenhain (WRG). Bürgermeister Wolfgang Hoffmann ist darauf stolz und hat einen passenden Vergleich parat. „Wir sind die widerspenstige Schweiz, die von der EU umzingelt ist“, sagte er mal lachend, auch weil das Trinkwasser viel preiswerter ist als bei der WRG.

Nutzer des Wasserwerks Lampertswalde bezahlen für jeden verbrauchten Kubikmeter 1,47 Euro. Bei der WRG kostet das Trinkwasser 1,75 Euro. Auch die Grundgebühr ist in Lampertswalde, Schönborn und Mühlbach mit 4,50 Euro pro Monat (normaler Haushalt) um einiges preiswerter. Kunden der WRG bezahlen im günstigsten Fall (bei einem Jahresverbrauch bis 200 Kubikmeter Trinkwasser) 10,50 Euro/Monat.

Doch offenbar verteidigt der Bürgermeister seine kommunale Versorgung mit allen Mitteln. Nicht nur gegenüber Bade. Im Gemeinderat kam ein Beschwerdeschreiben der WRG zur Sprache, in dem Hoffmann gerügt wird, der etwas hemdsärmlig behauptet, dass das Elbfiltrat der WRG auch Rückstände von Fäkalien beinhalte. Die wolle er auf gar keinen Fall in seinem Kaffee haben, argumentiert Wolfgang Hoffmann im Gespräch mit Bürgern. „Das ist haltlos“, argumentiert dagegen die Wasserversorgung.

Was ist aber mit dem hohen Kalkanteil, den Gemeinderat Bade beanstandet? Bürgermeister Hoffmann äußerte im Gemeinderat, der Kalk sei „nicht weiter schlimm“ und könne „bekämpft werden“. Das sei aber eine Frage der Kosten. Dierk Bade hatte einen Fragenkatalog dazu an die Gemeinde geschickt. „Wir haben eine Dresdner Firma beauftragt, unsere beiden Brunnen mal getrennt zu analysieren, denn das ist bisher noch nicht so passiert“, sagt Wolfgang Hoffmann dazu. Eine technische Lösung müsse her. Ausfälle hätte es in letzter Zeit aber nur zwei Mal gegeben: am 22. Juni, als der Sturm über die Gegend brauste, und am 31. Oktober des Vorjahres. Kommenden Donnerstag wird ein Fachmann zudem mit den Räten über die künftige Gebührenkalkulation reden. Für Bade sind die Anfragen nicht 100-prozentig beantwortet.

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So ist also noch offen, ob es eine Bürgerbefragung geben wird und wie der Gemeinderat dazu steht. Öffentlich ist die Sache in jedem Fall, weswegen sich Dierk Bade strikt dagegen wendet, dass das Anliegen im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung diskutiert wird. Bürgermeister Hoffmann hatte das so entschieden. Doch dabei muss es ja nicht bleiben.