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Strengere Regeln für bissigen Hund

Ob der Labrador tatsächlich gefährlich ist, soll eine weitere Prüfung im März ergeben. Im Dorf aber haben einige schon ihr Urteil gefällt.

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Von Antje Steglich

Bobersen. Drei Monate sind vergangen, seit der kleine Yorkshireterrier Puccini nach einem wiederholten Angriff durch einen Labrador aus der Nachbarschaft starb. Doch ausgestanden ist die Tragödie für Familie Haase aus Bobersen noch nicht. Denn noch immer ist nicht klar, was mit dem bissigen Hund passiert. Vom Landratsamt gibt es aus Datenschutzgründen keine Antwort, kritisiert die junge Familie. Man weiß nur, dass die Begutachtung des Tieres durch die Behörde noch nicht abgeschlossen ist.

Für die Familie heißt das, sich aus Angst vor einem weiteren Zusammenstoß weiterhin zweimal umzuschauen, bevor sie das Grundstück verlässt und die Gegend, wo der Labrador wohnt, weiträumig zu meiden – zum Wohl der beiden kleinen Kinder und des Yorkshireterriers Savannah, der ebenfalls zur Familie gehört.

„Das ist ein schöner Weg mit dem Hund. Aber ich gehe dort grundsätzlich nicht mehr lang, bis die ganze Sache erledigt ist“, sagt auch eine weitere Anwohnerin gegenüber der SZ. Sie will namentlich nicht genannt werden, weil sie keinen „Knatsch“ mit den Nachbarn will. Das Dorf ist nicht sehr groß, zumindest vom Sehen her kennt sich hier jeder. Gerade die Hundehalter. Bisher sei man miteinander ausgekommen, nun aber hat sie ein komisches Gefühl, sagt die Frau. Sie würde sich deshalb wünschen, dass der Labrador grundsätzlich nur noch mit Maulkorb und Leine ausgeführt werden darf. Mit einer doppelten Leine, betont sie. Zurzeit gilt der von Gemeinde und Landratsamt angeordnete Leinen- und Maulkorbzwang nur bis zum Abschluss der Untersuchung.

Weitere Untersuchungen

„Die werden ihren Hund auch lieben, aber ich würde sagen, der reagiert ein bisschen komisch“, findet die Frau, die selbst seit Kindheitstagen mit großen Hunden zusammenlebt. „Lose dürfte der nicht mehr gehen“, sagt sie. Zumal der Labrador nicht nur den Yorkshire zweimal gebissen hat, sondern auch einen weiteren Hund im Sommer vergangenen Jahres. Dabei hat er nach SZ-Informationen auch die Halterin leicht verletzt. Die Frau glaubt jedoch nicht daran, dass der Labrador ganz aus Bobersen weggegeben werden muss, wie es die Familie Haase fordert.

Anfang März soll es nun zunächst eine weitere Untersuchung des Tieres geben, erklärt das Landratsamt dazu. „Es geht um eine neue Situation, das heißt, es soll nochmals geprüft werden, wie der Hund auf eine im Vergleich zum ersten Test andere Konstellation reagiert – aggressiv, gelassen, unruhig“, so Pressesprecherin Kerstin Thöns. Bei der ersten Begutachtung vor wenigen Tagen wurden nach SZ-Informationen zunächst die Reaktionen des Hundes auf bereits bekannte Tiere getestet. Die Prüfungen sollen letztlich ergeben, ob der Hund tatsächlich als gefährlich im Sinne des Gesetzes einzustufen ist. Dann müssten sich die Besitzer nicht nur permanent an Maulkorb- und Leinenzwang halten, sondern auch eine sichere Unterbringung nachweisen.

Parallel zu den Maßnahmen des Landkreises ermittelt die Polizei in zwei Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung im Zusammenhang mit den Hundebissen in Bobersen.