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Striezelmarkt-Baum steht

Ein Schwerlastkran hievte die Fichte am Sonnabend auf den Altmarkt. Nun beginnt der Buden-Aufbau.

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© Sven Ellger

Von Sarah Herrmann

Rund eine Stunde und drei Versuche, dann steht die Fichte. Unter den Augen von mehr als 100 Schaulustigen wird der Striezelmarkt-Baum am Sonnabend an seinen Platz auf dem Altmarkt manövriert. Es ist der Auftakt für den Aufbau des 583. Striezelmarkts. Birgit Lehmann und ihr Mann Rainer wohnten dem Spektakel eher durch Zufall bei.

Um 12.40 Uhr steht der Baum schließlich. Er bildet den Mittelpunkt des Striezelmarkts, der Ende November startet.
Um 12.40 Uhr steht der Baum schließlich. Er bildet den Mittelpunkt des Striezelmarkts, der Ende November startet. © Sven Ellger
Die Fichte wurde in Hartha im Tharandter Wald auf 20 Meter abgeschnitten – das Standardmaß des Striezelbaums.
Die Fichte wurde in Hartha im Tharandter Wald auf 20 Meter abgeschnitten – das Standardmaß des Striezelbaums. © Andreas Weihs
Fast eine halbe Stunde früher als geplant kommt der Tieflader auf dem Altmarkt an.
Fast eine halbe Stunde früher als geplant kommt der Tieflader auf dem Altmarkt an. © Sven Ellger
Mehr als 100 Schaulustige haben sich versammelt, um das Aufstellen des Baums zu beobachten und festzuhalten.
Mehr als 100 Schaulustige haben sich versammelt, um das Aufstellen des Baums zu beobachten und festzuhalten. © Sven Ellger

„Wir haben am Wochenende Bekannte besucht“, erzählt Birgit Lehmann. „Bei einem Innenstadt-Bummel haben wir den Aufbau dann gesehen.“ Für das Paar aus dem Vogtland war es das erste Mal, dass sie den Striezelmarkt-Baum bei der Ankunft sahen. Den Weihnachtsmarkt besuchen die beiden aber öfter. „Die Fichte ist in diesem Jahr sehr schön“, sagt Birgit Lehmann.

Ein besonderes Andenken nimmt indes ein Freitaler Ehepaar seit sechs Jahren vom Fichten-Aufbau mit – ein Stück Rinde. „Die sammeln wir auf unserem Balkon“, sagt die Frau. Ihr Mann beschriftet die Holzstückchen fein säuberlich mit der Jahreszahl, bevor sie ihren Platz in der Reihe finden. In diesem Jahr hätten sie den Aufbau fast verpasst. Beim Bummeln in der Altmarkt-Galerie lässt sich das Ehepaar Zeit. Als die beiden um kurz vor 12 Uhr, als die Ankunft geplant war, auf den Altmarkt schauen, ist sie bereits da.

20 Minuten eher kommt der Tieflader von der Budapester Straße auf den zentralen Platz. „Der Transport lief super“, zeigt sich Stadtsprecherin Barbara Knifka zufrieden. Und auch das Fällen ging dieses Mal schnell. Um 7 Uhr rückten Revierförster und Mitarbeiter des Baumpflegebetriebs Andreas Deppner, der sich seit 19 Jahren um das Absägen der Striezelmarkt-Fichte kümmert, im Kurort Hartha im Tharandter Wald an. Schon eine Stunde später war der 30-Meter-Riese gefällt, um 10 Uhr setzte sich der Tieflader mit dem 2,5-Tonnen-Koloss in Bewegung. Zuvor wurden in Hartha noch schnell die Baumringe gezählt: 100 Jahre alt, lautete das Urteil.

Um 12.40 Uhr steht sie schließlich. An diesem Montag sollen die Lichter angebracht werden. Eine rund 2 900 Meter lange Kette mit 16 200 LEDs sorgt dann für stimmungsvolle Illumination. Auf die Spitze wird ein Stern gesetzt. Auch das Wichtelkino, das Etagenkarussell, die Pyramide und die Bühne werden in dieser Woche aufgebaut. Bis zum 29. November muss alles stehen. Dann wird der 583. Striezelmarkt mit dem traditionellen ökumenischen Gottesdienst in der Kreuzkirche und anschließendem Bühnenprogramm eröffnet. Dann bummeln wieder Millionen Menschen aus Dresden, Deutschland und der Welt durch Dresdens Innenstadt. Etwa 2,5 Millionen Besucher kamen 2016. Der Markt ist eine der Touristenattraktionen der Landeshauptstadt.

Auch deshalb sind die Dresdner durchaus kritisch, wenn es um den Markt-Mittelpunkt – den Baum – geht. Auch in diesem Jahr gehen die Meinungen auseinander. Als Trauerweide wird die Fichte in den sozialen Netzwerken bezeichnet. Und das Freitaler Ehepaar? „Wunderschön“ findet die Freitaler Seniorin die Fichte aus dem Tharandter Wald. Dabei sollte in diesem Jahr eigentlich ein anderer Baum auf dem Altmarkt aufgestellt werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung auf das traditionelle Onlinevoting verzichtet. Seit einigen Jahren wählen die Dresdner den Striezelmarkt-Baum. Stattdessen wurde 2016 der Zweitplatzierte aus dem Vorjahr aufgestellt, eine Rotfichte aus Pulsnitz. Diesmal sollte der dritte Platz aus dem Jahr 2015 den Mittelpunkt des 583. Striezelmarkts bilden. Doch der Wuchs passte nicht mehr, wie Stadtsprecher Karl Schuricht am Donnerstag auf SZ-Anfrage mitteilte. Also bot Sachsenforst kurzerhand die Gemeine Fichte aus dem Tharandter Wald an. Im kommenden Jahr können die Freitaler dann aber wieder ein Stück Rinde von einem Baum mitnehmen, den die Dresdner selber gewählt haben. Dann soll es das traditionelle Onlinevoting wieder geben, sichert Schuricht zu.