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Politik

Ströbele legt sich mit der Bahn an

Der 80-jährige Grünen-Politker wollte barrierefrei in einen Zug steigen, doch mit seinem Rollator durfte er nicht auf den Hublift. Dagegen will er jetzt vorgehen.

Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hat Ärger mit der Bahn.
Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hat Ärger mit der Bahn. © Britta Pedersen/ZB/dpa

Von Ragnar Vogt

Berlin. Der frühere Berliner Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hat wegen einer Zugfahrt mit Rollator die Deutsche Bahn kritisiert. Wiederholt habe Bahn-Personal sich geweigert, ihm mit dem Hublift in den Fernzug zu helfen, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ströbele berichtete den Zeitungen von einer Hin- und Rückfahrt zu seiner Schwester in Wetzlar, für die er bei jeder Strecke zweimal umsteigen musste. Er schaffe es wegen des Höhenunterschieds und seiner Gehbehinderung nicht mehr ohne Hilfe in die jeweiligen Züge. Seine Bitte, ihn samt Hublift in den Zug zu bringen, sei immer ausgeschlagen worden.

Stattdessen sei er „irgendwie“ vom Personal über die normale Treppe in den Zug bugsiert worden. Einmal habe ihn etwa ein Bahn-Mitarbeiter am Gürtel hochgezogen, sagte er dem RND.

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Der 80 Jahre alte Politiker im Ruhestand – der auch Rechtsanwalt ist – habe Beschwerde bei der Bahn eingereicht. Diese habe geantwortet, der Transport mit dem Rollator auf dem Hublift gehe „aus versicherungstechnischen Gründen“ nicht. Der Tipp der Bahn an Ströbele: „Leihen Sie sich doch für die Reise einen Rollstuhl aus.“

Ströbele aber gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Er verwies darauf, dass der Hublift sicherer sei und auch für alle Beteiligten bequemer. Deshalb wolle er für sich und seine Leidensgenossen mit Rollator kämpfen. Ströbele hatte 2002 als erster Grünen-Politiker einen Wahlkreis direkt bei einer Bundestagswahl gewonnen, er war eine der prägenden Figuren der Grünen. Bei der Wahl 2017 trat er nicht wieder an.

Nicht versichert bei der Hilfe

„Notfalls werde ich auch an Herrn Pofalla schreiben“, sagte Ströbele dem RND. Ronald Pofalla war über viele Jahre Bundestagskollege von Ströbele. Heute sitzt er im Vorstand der Bahn.

„Versicherungstechnische Gründe“ waren auch bei einem anderen Vorfall die Erklärung der Bahn: Mitarbeiter hatten einer schwangeren Reisenden mit Kleinkind im Kinderwagen nicht in den Zug helfen wollen. Die Bahn verwies zunächst darauf, dass ihre Mitarbeiter nicht versichert seien, wenn sie Reisenden mit Kinderwagen helfen würden.

Diese Antwort der Bahn auf die Beschwerde war durchaus kurios, schreibt die Bahn doch selbst auf ihrer Internetseite über das Reisen mit Kinderwagen: „Bitten Sie stets das Zugpersonal oder Ihre Mitreisenden um Hilfe – das erspart Ihnen und Ihrem Kind viel Stress.“ Doch später räumte das Unternehmen ein, dass die erste Auskunft nicht richtig war. Das Personal könne sehr wohl Kinderwägen in Züge tragen und sei dann auch versichert. „Unsere Antwort auf Ihren Tweet war bedauerlicherweise falsch“, schreibt die Bahn in einem weiteren Tweet, „dafür möchten wir uns schon einmal auf diesem Wege ausdrücklich bei Ihnen entschuldigen.“