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Studenten und Kollegen kritisieren Politikprofessor Patzelt

© dpa

Seit Wochen wirbt der Dresdner Wissenschaftler öffentlich um Verständnis für die Pegida-Demonstranten. Nun muss er sich rechtfertigen.

Von Henry Berndt und Karin Schlottmann

Die Flugblätter flatterten durch das Hörsaalzentrum der TU in Dresden. „Herr Patzelt ist in der gesamten Pegida-Debatte mehr politischer Akteur denn Wissenschaftler“, war am Ende des doppelseitigen Pamphlets zu lesen. „Wir wollen eine Verharmlosung von Pegida im Namen der Politikwissenschaft nicht hinnehmen.“ Unterzeichnet wurde das Schreiben anonym von Studierenden an der TU Dresden.

Sie reagierten damit auf das wiederholte Werben ihres Politikprofessors Werner Patzelt um Verständnis für die Pegida-Demonstranten. In Dutzenden Medien, auch in der Sächsischen Zeitung, hatte Patzelt in den Wochen zuvor die grundsätzliche öffentliche Ablehnung von Pegida kritisiert und seinerseits die Gegenveranstaltungen infrage gestellt. Auch er selbst sei – aus Forscherinteresse – bei mehreren Pegida-Märschen anwesend gewesen. Im Vergleich zu den Gegendemos wertete er Pegida anschließend als den „moralischen Sieger“.

Nachdem zunächst die Studierenden „ein wenig Geschwister-Scholl-artig“ (Patzelt auf Facebook) per Flugblatt auf die Äußerungen Patzelts reagiert hatten, distanzierten sich am Donnerstag auch Kollegen seines Politikinstituts von dem 61-Jährigen. Professor Mark Arenhövel und elf wissenschaftliche Mitarbeiter veröffentlichten im Internet einen offenen Brief an Patzelt.

Darin heißt es, den Unterzeichnern liege „sehr daran, den von Prof. Werner Patzelt in den letzten Wochen gegen Pegida-kritische Demonstrationen in Dresden erhobenen Vorwürfen entgegenzutreten“.

Oliviero Angel, Dozent für politische Theorie in Dresden, sagte Spiegel Online: „Wer öffentlich fast ausschließlich über die Belange von Pegida-Anhängern redet, droht, zu deren Sprachrohr zu werden. Politikwissenschaftler sind keine hauptberuflichen Pegida-Versteher, sie müssen die Gesellschaft als Ganze in den Blick nehmen.“ Patzelt schenke der Situation von Flüchtlingen und Asylsuchenden öffentlich zu wenig Bedeutung.

Patzelt selbst wies am Freitag auf SZ-Anfrage den Vorwurf zurück, er habe als Wissenschaftler aus privaten Motiven Politik betrieben. In seinen Interviews und Stellungnahmen habe er sich stets auf wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt, Beobachtungen und Feldstudien. „Ich habe keine Politik betrieben, sondern nur für eine bessere Kommunikation geworben“, so Patzelt. „Und ich hatte Erfolg.“ Zuvor habe er den Eindruck gehabt, „dass hier etwas grundsätzlich falsch läuft“.

Die Direktorin des Instituts, Eugénia da Conceicao-Heldt, hat Patzelt zufolge nun vorgeschlagen, dass der Vorstand sich zeitnah in einer außerordentlichen Sitzung mit der Diskussion befassen soll.