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Dresden

Studentenprotest gegen Umgang mit AfD

Studierende haben die Bibliothek der Dresdner Kunsthochschule an der Güntzstraße besetzt. Sie haben Angst um die Zukunft der Kunst.

Einige Studenten haben die Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste besetzt.
Einige Studenten haben die Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste besetzt. © Christian Juppe

Die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) verbreitet. Anfang der Woche haben die rund 550 Studierenden erfahren, dass die Leiterin ihrer Bibliothek, Barbara Lenk, zwar parteilos, aber als Kandidatin der AfD bei den Kreistagswahlen in Meißen angetreten ist. Geschafft hat sie es nicht, 23 andere AfD-Bewerber ziehen in den Kreistag ein. Dennoch war diese Kandidatur die Inititalzündung für einen Protest.

„HfBK oder AfD. Beides geht nicht“, war auf jenen Plakaten zu lesen, die die Studenten am Mittwoch am Gebäude an der Güntzstraße befestigt haben, bevor sie ihre eigene Bibliothek besetzten. Die Vollversammlung der Studierenden mit immerhin 300 Anwesenden hat für diesen Schritt gestimmt. Auch wenn nur 25 Studenten bei der Besetzung mitgemacht haben, stünden alle anderen dahinter, sagt Lisa Baier.

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Karla, Lisa und Victoria (v.l.) gehören zu den HfBK-Studenten, die vor einem Erstarken der „Neuen Rechten“ warnen. 
Karla, Lisa und Victoria (v.l.) gehören zu den HfBK-Studenten, die vor einem Erstarken der „Neuen Rechten“ warnen.  © Christian Juppe

Sie würden keinesfalls die Mitarbeiterin mobben, wie ihnen die Hochschulleitung unterstellt hat. Sie wollen vielmehr Fragen aufwerfen: „Die AfD richtet sich gegen die Kunst, will Gelder dafür streichen und hat explizit gesagt, das Europäische Zentrum der Künste in Hellerau schließen zu wollen“, sagt Stura-Mitglied Victoria Gentsch. 

Wie ihre Mitstreiter befürchtet sie, dass spätestens nach der Stadtratswahl, bei der die AfD zwölf Sitze errungen hat, eine noch schwerere Zeit für die Kunst in Dresden anbricht. Explizit für ihre Bibliothek sehen sie die Gefahr, dass deren Chefin im Sinne der AfD agieren könnte. „Sie ist für die Auswahl der Literatur zuständig, hat Zugriff auf Studentendaten“, sagen die Protestler. 

Für die Hochschule allgemein befürchten sie ein weiteres Absinken der Bewerberzahlen, wie es seit Pegida zu spüren sei. „Studierende mit Migrationshintergrund überlegen sich, ob sie wirklich noch nach Dresden kommen“, sagt Lisa Baier. Die Studenten befürchten eine sich verschärfende „Kunstflucht“ nach Leipzig oder Berlin. „Das ist gruselig. Wovon will Dresden dann noch leben“, so Baier. Die Studenten hoffen, dass sich andere Kunst- und Kultureinrichtungen aus Dresden und Sachsen mit ihnen solidarisieren und einen breiten Diskurs beginnen – auch mit Blick auf die Landtagswahl im September, die weitere wichtige Weichen stellen wird.

Bisher sei das Aufkommen der „neuen Rechten“ an der HfBK nur vereinzelt diskutiert worden, nach der Initialzündung durch die Bibliothekarin nun aber bei allen sehr präsent. Die Besetzung der Bibliothek haben sie schon Mittwochnacht wieder aufgegeben, weil die Hochschulleitung ihnen ein Stück entgegengekommen ist und ihre Position auf der Hochschul-Internetseite veröffentlicht hat. 

Doch weitere Aktionen werden in den nächsten Wochen folgen. Die verschiedenen Arbeitsgruppen planen Flashmobs, Videoprojekte oder auch eine großangelegte Recherche zur NS-Vergangenheit der Hochschule, wie sie bei einer Pressekonferenz im Innenhof der HfBK am Donnerstag mitgeteilt haben. Dort haben sie auch ihr weiteres Vorgehen besprochen. Für Montag sind weitere Gespräche mit der Hochschulleitung geplant, sagt Studentin Karla.

© Christian Juppe
© Christian Juppe
© Christian Juppe

Die Leitung hat sich auch in einer Pressemitteilung geäußert. Die Rechtslage sei unstrittig und die Freiheit des parteipolitischen Engagements verfassungsrechtlich gewährleistet. „Die Hochschulleitung begrüßt das politische Engagement der Studentinnen und Studenten. Wir unterstützen offene Debatten und künstlerische Projekte, die sich im Sinne von Demokratie und Menschenwürde politisch artikulieren“, sagt Rektor Matthias Flügge. 

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Die Hochschule sei parteipolitisch neutral, so Flügge weiter. „Die Leiterin unserer Hochschulbibliothek ist beruflich eine hervorragende Mitarbeiterin. Auf dieser Ebene stehe ich hinter ihr und werde ein Mobbing nicht dulden.“ Politisch gehe er aber einen völlig anderen Weg, betonte der Rektor.

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