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Studie: Zähneputzen in sächsischen Kitas nicht selbstverständlich

Zahnärzte wünschen sich, dass in Grundschulen Zähne geputzt werden. Doch dieses wichtige Ritual scheitert inzwischen sogar in so mancher Kita - an Zeit und Personal.

Dresden. In sächsischen Kindertagesstätten wird häufig und vor allem aus Personal- und Zeitmangel auf das gemeinsame Zähneputzen verzichtet. Laut Statistik sind zudem fast ein Viertel der bis Zwölfjährigen zahngesundheitlich nicht vorbeugend betreut. Ihre Zahl stieg seit dem Schuljahr 2010/2011 von 80.227 auf fast 84.000 in 2012/2013 an. Die Gruppe der Verweigerer unter den Einrichtungen sei aber relativ gering, wie das Sozialministerium auf eine Anfrage aus dem Landtag feststellte. Allerdings lehnten zunehmend freie Einrichtungen die Angebote der Gesundheitsämter zur Vorbeugung von Karies und Co. in vielen Fällen ab.

Die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (LAGZ) sieht diese Entwicklung mit Sorge. „Seit einigen Jahren beobachten wird, dass auch in Kitas zunehmend mit dem Zähneputzen aufgehört wird“, sagte Vorsitzende Iris Langhans. Als Gründe würden Personal- und Zeitmangel angegeben. Auch beim sogenannten offenen Konzept, bei dem die Kinder selbst entscheiden, wo sie gerade spielten, bleibe das Zähneputzen immer häufiger auf der Strecke. „Aber das ist eine Kulturleistung“, sagte die Zahnärztin. Da es nicht in allen Elternhäusern auch geübt werde, biete die Gemeinschaft von Kita und Schule eine Möglichkeit, alle zu erreichen.

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Das Erlernen der richtigen Zahnhygiene zählt im Freistaat zu den Bildungsaufgaben. Schon Kleinkinder sollen in der Gruppe regelmäßig nach dem Essen Zähne putzen. Dem stehen aber auch hygienische Bedingungen entgegen - es fehle das Geld für Zahnbürsten oder es gebe nicht ausreichend Waschbecken, wie das Ministerium unter Berufung auf eine Umfrage der LAGZ von 2013 angab. Danach wird die Zahngesundheit auch zuweilen als Sache der Eltern angesehen oder es gibt Bedenken wegen der Keimübertragung durch vertauschte Zahnbürsten.

In einigen Regionen finden sich keine Zahnärzte, die Einrichtungen betreuen - wegen zu niedriger Aufwandsentschädigung oder fehlender Kooperation. Derzeit arbeiten rund 670 „Partnerschaftszahnärzte“, die in den vergangenen Jahren 85 Prozent aller Kinder bis zum 7. Schuljahr betreuten. 2012/2013 erfassten die jugendzahnärztlichen Reihenuntersuchungen gut zwei Dritteln der Kita-Kinder, zuvor waren es mehr als 70 Prozent.

Ungeachtet der Probleme steht Sachsen laut LGAZ in Sachen Zahngesundheit aber gut da. Hatten 1999 noch knapp ein Viertel der Kleinkinder Karies, waren es 2013 nur noch 13 Prozent. Der Anteil der kariesfreien Gebisse unter den Schulanfängern hat sich in der Zeit von 21 auf 58 Prozent erhöht und damit fast verdreifacht. (dpa)