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Stundenausfall bleibt Dauerproblem

Die Fehlstunden-Statistik im Südkreis zeigt viele Lücken. Bei der Schulwahl spielen die Zahlen aber eine Nebenrolle.

© dpa

Von Anja Beutler

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Landkreis. Wenn am 2. Februar Eltern mit ihren Viertklässlern die Oderwitzer Pestalozzi-Oberschule besuchen, kann Schulleiter Volker Rienäcker mit seinem frisch sanierten Haus punkten. Das sei für viele neben dem Unterrichtsangebot selbst und der Entfernung von Zu Hause ein wichtiges Kriterium, bestätigt er. Selten wird er hingegen nach den Ausfallstunden gefragt, die übers Jahr in seiner Schule auflaufen. Dabei ist das Thema generell ein heikles. Ein Überblick für den Süden des Kreises:

Grundschule: Fokus wird auf die wichtigsten Fächer gelegt

Die wenigsten Fehlstunden gibt es an Grundschulen – sowohl, was außerplanmäßige Ausfallstunden betrifft, als auch bei Vertretungsstunden in einem anderen Fach. Der Grund ist einfach: Grundschullehrer sind flexibler, können bei den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Sachunterricht rasch einspringen. „Das ist unser Hauptaugenmerk, hier versuchen wir immer, Ausfall zu vermeiden“, betont Katja Marquardt, Leiterin der Kittlitzer Grundschule. Dass bei ihrer Einrichtung im vergangenen Schuljahr mit 4,2 Prozent Ausfall ein recht hoher Wert zu Buche steht, liegt an einem Krankheitsfall. „Es betraf nur den Werkenunterricht, keines der Hauptfächer“, betont sie. Da habe es so schnell eben keinen Ersatz gegeben.

Oberschule: Hälfte der Schulen besser als Kreis- und Landesdurchschnitt

Wie die Oderwitzer Oberschule zählt auch die Großschönauer zu den vier im Südkreis, deren Quote mit 3,2 Prozent außerplanmäßigem Ausfall besser als Kreis- und Landesdurchschnitt ist. „Wir haben bei uns einen geringen Krankenstand“, freut sich der Großschönauer Schulleiter Silvio Lindecke. Dass dies eine Momentaufnahme ist und die Situation sich ändern kann, ist ihm genauso bewusst wie seinem Oderwitzer Kollegen. Außerdem sind die Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren: Der Ausfall eines Lehrers an einer kleinen Schule schlägt mitunter mehr ins Stundenkontor als an größeren Einrichtungen.

Gymnasien: Altersschnitt des Kollegiums spielt eine Rolle

Dr. Dietmar Stephan, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Löbau, macht keinen Hehl daraus, dass er mit Blick auf das steigende Durchschnittsalter seines Kollegiums mit Krankheitsfällen rechnen muss. „Aber dieses Problem ist ja an den Schulen allgegenwärtig“, sagt er. Die Ausfallquote am Scholl-Gymnasium ist seit Jahren etwa auf einem Niveau. Deshalb versuche das Gymnasium, sich langfristig sicher aufzustellen und junge Lehrer ins Haus zu holen. Bei der Wahl der Schule für die jetzigen Viertklässler spiele die Frage nach dem Ausfall schon eine Rolle, auch wenn es nicht der entscheidende Punkt ist, betont er. Reserven, kurzfristige Ausfälle auszugleichen, habe man nicht, sagt Stephan. Er ist gespannt, wie sich die neue Staatsregierung bildungspolitisch aufstellen wird und ob die verstärkte Lehrerwerbung hilft.

Freie Schulen: Keine vergleichbaren Daten und Unterrichtsmodelle

Ute Wunderlich, Geschäftsführerin der Schkola gGmbH, pflegt keine Ausfallstatistik: „Bei uns gibt es keinen Ausfall, durch die Studienzeiten lösen die Schüler selbstständig ihre Aufgaben oder wenden sich an die anderen Fachlehrer der Schule, wenn sie Unterstützung brauchen“, sagt sie. Die Lehrer planen ihren Unterricht generell zwei bis vier Wochen im Voraus und somit entstehe in der Regel keine Lücke. Generell werden die Daten freier Schulen nicht in der amtlichen Statistik erfasst. Zum Teil ließen sich aber wegen der anderen Unterrichtsgestaltung auch keine wirklichen Vergleiche anstellen.

Gewerkschaft: Gespannt auf die neuen Vorschläge des Freistaates

Entspannt hat sich die Lage bei den Ausfallstunden aus Sicht von Gewerkschafter Eckehard Koch bislang nicht. Der Kreisvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW sieht eher eine tendenzielle schlechtere Lage – erst recht durch die derzeitige Krankheitswelle. „Wir sind ein bisschen in Wartestellung – mit Blick auf das anstehende Regierungsprogramm des neuen Ministerpräsidenten“, sagt er.