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Sturm beendet Pappel-Streit

Mit Unterschriften haben Anwohner einst vehement für den Erhalt der Bäume gekämpft. Jetzt hat Sturm Friederike die Bäume zu Fall gebracht.

© privat

Von Antje Steglich

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Zschaiten. Orkantief Friederike hat in Zschaiten eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Der Sturm hat am Sportplatz – ganz in der Nähe der S 40 – drei mächtige Pappeln zu Fall gebracht, und die haben nicht nur eine Straßenlaterne und Gartenzäune, sondern auch eine Garage unter sich begraben. Die Straße Am Sportplatz ist gesperrt, während mit Hochdruck an der Beseitigung des Holzes gearbeitet – und damit auch ein Schlussstrich unter einem jahrelangen Streit im Dorf gezogen wird.

Die Pappeln in Zschaiten sollen bereits weit über 70 Jahre auf dem Buckel haben. Und einige Anwohner hängen noch immer sehr an der Baumreihe – weil sie das Dorf vor dem Westwind und dem Industrie- beziehungsweise Verkehrslärm schützen. Und weil die riesigen Pappeln eben zum Dorf dazugehören. Mehr als 50 Personen haben sich deshalb im Jahr 2010 an einer Unterschriftenaktion beteiligt und damit die von der Gemeinde Nünchritz bereits beschlossene Fällaktion verhindert.

Damals sollten 18, aus Sicht der Gemeinde bereits geschädigte Pappeln gefällt werden, sagt Bürgermeister Gerd Barthold (CDU). Und schon damals sei klar gewesen, dass schnell Ersatz gepflanzt werden würde. Denn die Fläche des ehemaligen Sportplatzes war und ist als Ausgleichsfläche für Neuanpflanzungen aufgrund von Baumaßnahmen im Gemeindegebiet vorgesehen. Doch aufgrund der Bürgerinitiative und eines Schreibens der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises hinsichtlich der artenschutzrechtlichen Betroffenheiten wurde zum damaligen Zeitpunkt Abstand von der Fällung genommen, so Gerd Barthold.

Der Zustand der Bäume jedoch sei weiterhin kontrolliert worden. Weshalb die Gemeinde vier Jahre später bereits fünf Pappeln fällte, nachdem sie deutlich sichtbare Schäden festgestellt hatte und ein entsprechender Antrag von der Unteren Naturschutzbehörde bewilligt wurde. Zudem habe man in den zurückliegenden Jahren regelmäßig Totholz entfernt. Sachschäden bei den Anwohnern habe es bislang nicht gegeben, so der Bürgermeister. Bis zum 18. Januar.

„Unser Garten ist total verwüstet. Wir kommen nicht mehr in unsere Garage rein“, erzählt Anwohnerin Andrea Natusch. Sie sieht die Unterschriftenaktion von damals entsprechend kritisch. „Die Pappeln wurden immer größer, immer höher. Und jetzt sieht man mal, was aus dem Blödsinn geworden ist. So weit hätte es nicht kommen müssen.“ Nur mit viel Glück sei niemand verletzt wurden. Stück für Stück werde man jetzt den Garten beräumen und die Garage wieder instandsetzen – und hoffen, dass die Gemeinde nun auch die restlichen Pappeln fällt.

Das ist jedoch noch nicht endgültig entschieden, sagt der Bürgermeister. Zurzeit entferne ein von der Gemeinde beauftragtes Unternehmen die umgestürzten – aber laut Gerd Barthold gesunden – Bäume. Auch eine weitere Pappel, die den Boden infolge des Orkans bereits sichtbar angehoben hat, werde noch entfernt. Eine Entscheidung zur Fällung der noch verbliebenen Pappeln an der Straße Am Sportplatz und deren Verlängerung werde jedoch erst nach Untersuchung der Standsicherheit getroffen.