merken

Jecken feiern bei Rosenmontagszügen

Zieht er oder zieht er nicht? Bis kurz vor dem Start müssen die Jecken in den rheinischen Karnevalshochburgen um ihre Rosenmontagszüge bangen.

Ein politischer Mottowagen mit der Figur des amerikanischen Präsidenten Donald Trump als Schmutzengel und Prinz Salman von Saudi Arabien rollt vor dem Rosenmontagszug aus einer Halle. © Marcel Kusch / dpa

Von Petra Albers

"AKK" wackelt zwar ein bisschen im Wind, aber sie darf als Pappfigur mitfahren - genau wie Trump, Merkel und Nahles: Erst kurz vor Beginn des Kölner Rosenmontagszugs gibt das Festkomitee auch grünes Licht für den Start der Motivwagen. Wegen des stürmischen Wetters hat zuvor ein Krisenstab getagt. "Ich bin jetzt froh und erleichtert", sagt Zugleiter Alexander Dieper. Und wie zur Bestätigung reißen plötzlich die Wolken auf - wenn auch nur für wenige Minuten. Ähnlich in Düsseldorf: Beim verspäteten Start am frühen Nachmittag strahlt kurzzeitig die Sonne.

Allerdings sind für die Züge in Köln und Mainz Einschränkungen beschlossen worden. So dürfen Pferde und große Fahnen nicht dabei sein. "Das ist schon ärgerlich, wir hatten uns ja lange auf den Rosenmontagszug vorbereitet", sagt Jörg Herrmann vom Reitercorps der Karnevalsgesellschaft Große Greesberger in Köln. Nun sitzt der 79-Jährige auf einem Karussellpferdchen mit Rollen. "Ich erlebe es jetzt zum dritten Mal in 35 Jahren, dass die Pferde nicht mitdürfen. Aber die Sicherheit geht eben vor."

Bei den Mottowagen hat Düsseldorf in Sachen Bissigkeit wie gewohnt die Nase vorn. So hält NS-Propagandaminister Joseph Goebbels den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke als Baby an einer Windel in die Höhe. Böse grinsend zerren Autoindustrie und Bundesregierung einen Autofahrer mit einem Galgen aus seinem Diesel-Auto. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zieht der "Eltern-Generation" die Ohren lang. Auch US-Präsident Donald Trump kriegt von Wagenbauer Jacques Tilly gehörig sein Fett weg.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Kramp-Karrenbauer, Karneval und Grenzen guten Geschmacks

Hat Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrem Fastnachtauftritt Grenzen überschritten, weil sie ein konservatives Klientel bedienen wollte?

Der Düsseldorfer Wagen von Jacques Tilly.  © dpa

Trump ist natürlich auch in den anderen rheinischen Karnevalshochburgen ein beliebte Zielscheibe des Spotts. Die Mainzer zeigen ihn als Rindvieh, der das Weltklima belastet. In Köln spielt er Golf - und schlägt das Pariser Klimaabkommen und den Iran-Deal als Bälle durch die Luft.

Auf dem sinkenden Schiff der SPD stehen in Köln Fraktionschefin Andrea Nahles und Finanzminister Olaf Scholz in "Titanic"-Manier. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schreddert sich unterdessen wie ein Bild des Künstlers Banksy. Ein Clownfisch japst mit heraushängender Zunge und verdrehten Augen in einem Meer aus Plastikmüll.

In Mainz ging es um den Brexit. © dpa

Zwischenzeitlich müssen die Jecken teils heftige Regenschauer über sich ergehen lassen. Doch das ungemütliche Wetter hält Zehntausende Zuschauer entlang des Zugwegs nicht vom Feiern ab. Ausgerüstet mit Regenponchos schunkeln sie unverdrossen - und gehen auf "Kamelle"-Jagd. Immerhin wollten allein die Kölner Karnevalisten nach Angaben des Festkomitees rund 300 Tonnen Süßigkeiten schmeißen, darunter 700.000 Tafeln Schokolade und 220.000 Pralinenschachteln.

Journalistin Anne Will ist im Werfen geübt, fährt sie doch schon zum zweiten Mal auf einem Wagen im Kölner Rosenmontagszug mit. "Pralinenschachteln - da macht mir kaum jemand was vor", sagt die 52-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Astronaut Alexander Gerst hingegen ist Neuling auf dem Gebiet und war sich bei der Frage nach der besten Wurftechnik zunächst noch unsicher: "Ich glaube, ich muss alle mal durchprobieren. Wir haben ja ein paar Profis oben auf dem Wagen. Ich bin sicher, ich bin ein guter Schüler." (dpa)