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Sturm Niklas hat Dresden fest im Griff

Die Feuerwehr war gestern im Dauereinsatz. Trotz heftiger Böen sind die Einsätze glimpflich verlaufen.

© Robert Michael

Von Juliane Richter

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Mit voller Wucht und Windböen bis zu 100 Kilometern pro Stunde ist Orkan Niklas gestern über Sachsen gefegt. Bis zum Abend mussten die Feuerwehren in Dresden und Umgebung zu mehr als 200 Einsätzen ausrücken. Dabei machten den Feuerwehrleuten entwurzelte Bäume und herabgefallene Äste zu schaffen.

Auf der Waldschlößchenbrücke haben die Windböen am Nachmittag einen Lkw samt Anhänger mit voller Wucht getroffen. Auf seiner Fahrt von der Altstädter auf die Neustädter Seite musste der Fahrer anhalten. Die Böen drückten den Anhänger dermaßen zur Seite, dass das ganze Fahrzeug umzukippen drohte. Laut Polizeiführer Dirk Rohrbeck kam der leere Anhänger kurz auf der Leitplanke der Brücke zum Liegen. Mehrere Männer hätten ihn dann mit reiner Muskelkraft wieder aufgerichtet. Doch nicht nur den Autofahrern machte das Wetter zu schaffen. Laut Feuerwehrsprecher Jürgen Rickelt hatte der starke, anhaltende Regen am Vormittag dazu geführt, dass sich in der Niedersedlitzer Kita Sonnenschein plötzlich Wasser im Keller sammelte. Binnen 30 Minuten konnten die Einsatzkräfte das etwa zehn Zentimeter hohe Wasser wieder abpumpen.

Auch die Kita am Gönnsdorfer Weg in Weißig musste Hilfe rufen. Laut Carsten Preußler, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Weißig, war dort ein Nadelbaum teilweise entwurzelt und drohte, mit seinen Wurzeln einen Zaun auszuheben. Hier waren die Kameraden schnell vor Ort, um den Baum zu fällen. Im gesamten Stadtgebiet kippten weitere Bäume um und mussten ebenfalls beseitigt werden. So etwa auf der Meißner Landstraße in Höhe der Briesnitzer Kirche, an der Ecke Goetheallee/Lothringer Weg und auch auf der Bismarckstraße. Dort hatte der Baum sogar eine Stromleitung zerstört. Andernorts, wie etwa auf der Holbeinstraße, war ein Baum auf ein Auto gefallen. Die Feuerwehr konnte die Höhe des entstandenen Sachschadens gestern noch nicht beziffern. Feuerwehrsprecher Rickelt bewertete die Folgen jedoch als geringfügiger als bei vergleichbaren Sommerstürmen. „Noch tragen die Bäume kein Laub, weshalb der Wind in vielen Fällen einfach hindurchpfeift“, so Rickelt. Wenig Widerstand leisteten auch die Dachziegel der Klotzscher Christuskirche. Wie die Feuerwehr mitteilt, hatten sich einige gelöst und „den öffentlichen Verkehrsraum bedroht“. Pfarrer Olaf Börnert bewertete die Situation jedoch als unkritisch: „Einige Dachziegel sind runtergerutscht. Aber das Dach ist auch schon etwas älter.“

Bis zum Abend wurden nach Angaben von Polizei und Feuerwehr in Dresden trotz des Sturms keine Menschen verletzt. Einige Baustellenschilder und Mülltonnen fielen um, doch ansonsten verlief der Sturmtag vergleichsweise glimpflich.

Deutliche Auswirkungen spürte jedoch der Flughafen Dresden. Hier wurden zwei Passagiermaschinen nach dem Start in München wieder zurückgeschickt sowie je eine Maschine aus Mallorca, Fuerteventura und Zürich nach Leipzig umgeleitet. Zudem wurden Flüge von und nach Frankfurt, Hamburg und Zürich gestrichen. Laut Flughafensprecher Christian Adler waren mehrere Hundert Menschen betroffen.

Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Leipzig mitteilt, sollten die Sturmböen in der zweiten Nachthälfte schwächer werden. Doch während sich der Wind legt, sinken die Temperaturen so weit, dass Schnee fallen kann. „Oberhalb von 600 Metern ist auch eine geschlossene Schneedecke möglich“, sagt Meteorologe Thomas Hain. In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen weiter sinken. Am Karfreitag sind in den frühen Morgenstunden bis zu minus sechs Grad Celsius möglich, bevor im Laufe des Tages neue Wolken aus Westen heranziehen. „Dass es Anfang April noch einmal schneit, ist keine Seltenheit. Selbst eine geschlossene Schneedecke wäre für diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich“, sagt Hain. Die Kälte soll vorerst bleiben.

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