merken

Sturm teilt kräftig aus

Der Profi boxt sich wie ein Orkan in zwei Runden zum vierten WM-Gürtel. Anschließend nimmt er sich seine Kritiker zur Brust und neue Ziele ins Visier.

© dpa

Von Nicolas Reimer

An diesem denkwürdigen Abend konnte Felix Sturm nicht genug bekommen. Nachdem der 34-jährige Mittelgewichtler sich im Eiltempo in die Geschichtsbücher geboxt hatte, knöpfte er sich seine schärfsten Kritiker vor. „Es gibt in Deutschland viele Leute, die sich für Experten halten und mich schon abgeschrieben haben. Die haben in die Zukunft geblickt und das Ende meiner Karriere prophezeit. Daher ist dieser Erfolg für mich eine unheimliche Genugtuung“, betonte der neue IBF-Weltmeister, der den Briten Darren Barker in sehr überzeugender Manier demontierte und als erster Deutscher zum vierten Mal einen WM-Titel gewann.

PPS Medical Fitness GmbH
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie

Sie wollen mehr Fitness und Gesundheit in Ihr Leben bringen? Lernen Sie die vielen Gesundheitskurse und Angebote kennen und lassen Sie sich von den umfangreichen Angeboten von PPS Medical Fitness begeistern!

5:09 Minuten benötigte Sturm, um seinem Gegner zu verprügeln, ihn zweimal auf die Bretter zu schicken und durch technischen Knock-out in der zweiten Runde zu entthronen – für den ansonsten nicht als harter Puncher bekannten Leverkusener die passende Vorlage, um anschließend zum verbalen Rundumschlag auszuholen.

„Es wurde viel Negatives geschrieben und gesagt, aber ich habe in der Woche vor dem Kampf keine Zeitungen gelesen und nichts an mich herankommen lassen, und ich lese auch jetzt keine Zeitungen, sondern genieße die Zeit mit meiner Familie“, erklärte der kaum gezeichnete Sturm. Den Sieg widmete er seiner Frau Jasmin: „Ohne sie und ohne meine Familie wäre ich nicht da, wo ich heute bin, und außerdem ist heute unser siebenter Hochzeitstag.“

Man muss diesem Stehaufmännchen trotz häufig gezeigter Selbstüberschätzung zugutehalten, dass der Auftritt in Stuttgart begeisternd und überzeugend war. Explosiv wie lange nicht und schlagstark wie vielleicht noch nie – endlich ließ der Wahl-Kölner seinen großen Worten die entsprechenden Taten folgen. „Er hat sich systematisch geändert“, meinte Trainer Fritz Sdunek: „Wie er auf mich im Training eingeprügelt hat – da wusste ich, dass er das Ding mit einem Knock-out entscheidet.“

Sturm scheint die verlorene Leidenschaft zum Boxen wieder entdeckt zu haben. Mit der Vergangenheit habe er abgeschlossen. Der Abend solle der Startschuss für eine zweite Karriere sein. „Ich habe noch mit einigen Boxern ein paar Rechnungen offen“, sagte Sturm: „Wir haben einige Optionen und schauen, was wir machen.“ Der bereits vor Jahren angestrebte Wechsel in die höhere Gewichtskategorie wäre eine solche Möglichkeit. (sid)