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Sturmholz bietet Flammen Nahrung

Im Moritzburger Forst hat es gebrannt. Waldbesucher sollen Wege nicht verlassen. Seltsame Veränderung der Warnstufe.

© Arvid Müller

Von Sven Görner

Moritzburg. Die rußgeschwärzten Kiefernäste und das verbrannte Gras direkt am Waldweg in der Nähe des Moritzburger Ortsteils Auer sind nicht zu übersehen. Wie Moritzburgs Wehrleiter Thomas Hoppe sagt, hatte es hier bereits am langen Himmelfahrts-wochenende gebrannt. Glücklicherweise waren die Kameraden schnell zur Stelle und so beschränkte sich das Feuer auf ein paar Quadratmeter.

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Seitdem haben Hitze, Wind und wenig Regen dafür gesorgt, dass die Waldbrandgefahr extrem zugenommen hat. Mit der Fünf wurde am Dienstag im Kreis Meißen die höchste Stufe erreicht. Wie auch im Landkreis Nordsachsen. Dort durfte der Wald daraufhin nicht mehr betreten werden. Der Friedewald ist weiter offen. Allerdings, so sagt Staatswald-Revierleiter Marko Groß, sollen Erholungssuchende bei dieser Waldbrandwarnstufe auf den Wegen bleiben. Auch zur eigenen Sicherheit. Und beim Parken auf Waldparkplätzen müssen Besucher darauf achten, das durch die heißen Katalysatoren kein trockenes Gras entzündet wird. „Und das nicht nur jetzt generelles Rauchverbot besteht und Zufahrten zum Wald nicht zugeparkt werden dürfen, sollte jedem bekannt sein.“

Warum am Mittwochmittag in der Waldbrandgefahr-App auf einmal nur noch die Stufe Drei angezeigt wurde, obwohl kein Tropfen Regen gefallen ist, verwundert die Forstleute vor Ort. „Vom Deutschen Wetterdienst werden dafür sehr viele Daten verarbeitet, neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit und anderes“, sagt Marko Groß.

Daniel von Sachsen, der Betriebsleiter der Wettinischen Forstverwaltung schüttelt den Kopf. „Von Entwarnung kann überhaupt kleine Rede sein – ganz im Gegenteil. Es wird von Tag zu Tag trockener.“ Und so sehr er auf Regen hofft, so wenig glaubt er daran, dass das Elbtal etwas Nass abbekommen wird.

Für Holz-Selbstwerber im Wettiner-Forst des Friedewalds hat Daniel von Sachsen am Mittwoch jedenfalls ein Verbot ausgesprochen, den Wald zu betreten. „Ich will das Risiko so gering wie möglich halten“, sagt der Forstwirt. „In der jetzigen Situation kann der Funke von einer Kettensäge reichen, ein Feuer zu entfachen.“

Die Waldbrandgefahr verschärft im Friedewald die ohnehin immer noch angespannte Situation nach Sturm Friederike, der am 18. Januar auch im Landkreis gewütet hatte. Inzwischen schätzt der Wettiner dessen Folgen für den von ihm bewirtschafteten Wald schlimmer ein, als die Schäden nach Orkan Kyrill. Eigentlich hatte er gehofft, im Juni/Juli das meiste Sturmholz aufgearbeitet zu haben. „So wie es jetzt aussieht, werden wir wohl noch das ganze Jahr damit zu tun haben. Denn derzeit haben wir erst rund 40 Prozent geschafft.“ Ein wesentlicher Grund für den Zeitverzug ist der Umstand, dass die Schäden deutlich größer sind als zunächst angenommen. Hatte Daniel von Sachsen nach dem Sturm von rund 6 000 Festmeter gesprochen, geht er mittlerweile von über 10 000 Quadratmetern aus. Zum einen waren zahlreiche Stellen im Wald auch für die Forstleute kaum zugänglich, zum anderen sind in den Wochen danach noch viele Bäume umgestürzt. Die Gefahr, die von durch Friederike instabil gewordenen Bäumen ausgeht, ist noch längst nicht gebannt, wie kürzlich der tödliche Unfall in Moritzburg gezeigt hat.

„Wir haben bisher bewusst, vor allem die Hauptwege wieder begeh- und befahrbar gemacht, um die Besucher von immer noch gefährlichen Bereich fernzuhalten“, sagt Daniel von Sachsen. Ähnlich ist auch die Herangehensweise im Landeswald. Marko Groß warnt noch einmal eindringlich, abgesperrte Bereiche zu betreten. Nicht nur durch die Bäume, sondern auch durch die eingesetzte Technik besteht große Gefahr. Der Staatswald-Förster musste seine Schätzungen zum Schadholz ebenfalls nach oben korrigieren. Statt bisher 15 000 nennt er nun mindesten 20 000 Festmeter. Auch wenn die Zufahrtswege für die Feuerwehr sowohl im Wettiner- als auch im Staatswald im Friedewald frei sind, birgt die Kombination aus Sturmschäden und Waldbrandgefahr dennoch ein größeres Risiko. „Waldbrände sind ohnehin eine komplizierte Sache, weil es meist schwierig ist, ausreichend Wasser an den Brandort zu bringen“, sagt Thomas Hoppe. Wenn sich dieser dann noch mitten in einem wirren Mikado aus umgestürzten Baumstämmen befindet, wird es für die Feuerwehrleute noch schwieriger. Zudem würden die Kronen entwurzelter Kiefern den Flammen gefährliche Nahrung bieten.

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Daniel von Sachsen hofft, dass dieser Fall nicht eintritt. „Unsere bisher verfolgte Taktik, kleine Wege in betroffenen Waldabschnitten nicht freizuschneiden, könnte helfen, Besucher fernzuhalten und so das Risiko eines durch Unachtsamkeit entfachten Brandes zu verringern.“ Mit zunehmender Brandgefahr sei das aber auch eine Gratwanderung. „Denn diese Wege können im Ernstfall dann auch nicht zum Verlegen von Schläuchen genutzt werden.“