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Süchtig nach dem großen Gewinn

Mit der EC-Karte seines Onkels hebt der Angeklagte mehr als 2 000 Euro ab. Das Geld braucht er für seine Sucht.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Jürgen Müller

Meißen. Sie würdigen sich keines Blickes, der Angeklagte und der Zeuge. Die beiden sind Verwandte, der 74-jährige Zeuge ist der Onkel des angeklagten Meißners. Doch das Familienband ist zerschnitten, man redet nicht mal mehr miteinander. Der Neffe hat seinen Onkel schamlos ausgenommen. Mit dessen EC-Karte hat er insgesamt 2 084 Euro an Geldautomaten abgehoben. Ohne dessen Wissen. Vor Gericht zeigt sich der 29-jährige Meißner reuig und geläutert. „Es war eine große Dummheit. Die Sache ist mir sehr peinlich und tut mir leid“, sagt er. Er habe das Geld gebraucht, weil er spielsüchtig sei. An Spielautomaten in Meißen habe er viel Geld verloren.

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„Deshalb brauchte ich immer mehr Geld“, sagt er. Zwischen 300 und 400 Euro habe er jeden Monat an den einarmigen Banditen verspielt, sagt er. Da nutzte er einen Besuch bei seinem Onkel aus. Auf der Schrankwand lagen dessen EC-Karte und in einem Umschlag die Geheimzahl. Beides nahm der Angeklagte an sich, hob dann innerhalb kürzester Zeit mehrfach zwischen 34 und 1 000 Euro ab. Es muss ihm klar gewesen sein, dass er beim Geldabheben gefilmt wurde. Der Onkel erkannte ihn als Täter wieder.

Dass er Verwandte ausnimmt wie Weihnachtsgänse, ist nicht neu bei dem Angeklagten. Schon einmal wurde er wegen Urkundenfälschung verurteilt. Er hatte Überweisungsbelege vom Konto seiner Großmutter gefälscht, damit sie nicht merkt, dass er heimlich Geld abgehoben hatte. Damit beglich er damals Mietschulden und bezahlte andere Rechnungen, sagt er. Auch Unterhalt für seine beiden Kinder zahlt er nicht.

Erst im vergangenen Jahr hatte ihn deshalb das Amtsgericht Bautzen wegen Verletzung der Unterhaltspflicht zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Auch wegen Betrugs erhielt er im vergangenen Jahr eine Geldstrafe. Der Mann, der nur einen Hauptschulabschluss hat und Berufsausbildungen abbracht, leidet permanent unter Geldmangel. Er hat ein sogenanntes Pfändungskonto. Wegen des Gerichtsverfahrens verlor er jetzt seinen Job, sagt er. Einen neuen habe er aber in Aussicht. Die neue Firma wollte erst abwarten, wie die Verhandlung ausgehe.

Inzwischen hat der Angeklagte Hilfe bei der Caritas gesucht, geht zur Schuldnerberatung und will eine Therapie wegen seiner Spielsucht machen. „Ich hätte mir viel eher Hilfe suchen müssen“, sagt er. Eine späte Einsicht.

Bei seinem Onkel hat er sich bis heute nicht entschuldigt. Man redet nur noch über Anwälte miteinander. Einen Tag vor der Verhandlung hat er der Anwältin seines Onkels 500 Euro zur Schadenswiedergutmachung überwiesen. Der Onkel weiß davon noch nichts. Die Entschuldigung seines Neffen nimmt er mit unbewegtem Gesicht entgegen. Ihm ist vor allem wichtig, dass er sein Geld wieder bekommt. Der Angeklagte will es zurückzahlen. Deshalb habe er jetzt einen Job auf 450-Euro-Basis aufgenommen, sagt er.

Der Richter verurteilt den Mann wegen Computerbetrugs in sechs Fällen zu einer Haftstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem ordnet er den Werteverfall von 1 584 Euro an. Das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft die offene Summe von 1 584 Euro eintreiben und an den Onkel auszahlen wird.

Mit dem Urteil gilt der Angeklagte als vorbestraft, die Strafe wird ins Führungszeugnis eingetragen. Damit dürfte es schwieriger werden, einen neuen Job zu finden.