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Südkoreas Ex-Präsidentin verurteilt

Ein Korruptionsskandal um Südkoreas Ex-Präsidentin Park wühlte die Bevölkerung lange auf. Jetzt soll sie eine lange Freiheitsstrafe verbüßen.

© dpa

Seoul. Ein Gericht in Südkorea hat die frühere Präsidentin Park Geun Hye in Abwesenheit wegen Korruption, Machtmissbrauchs und anderer Vergehen zu einer Haftstrafe von 24 Jahren verurteilt. Als Folge eines Korruptionsskandals war die konservative Politikerin im März des vergangenen Jahres als erstes demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt des Landes vom Verfassungsgericht des Amtes enthoben worden. Am Freitag befand das Bezirksgericht in Seoul die 66-Jährige in 16 von 18 Anklagepunkten schuldig.

„Sie hat ihre Macht missbraucht, die ihr von der Bevölkerung übertragen wurde, und dadurch verursachte sie ein Chaos in den Staatsgeschäften“, sagte der Vorsitzende Richter Kim Se Yun. Zudem verhängte das Gericht eine Geldstrafe in Höhe von 18 Milliarden Won (14 Millionen Euro) gegen Park, die die Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee ist. Die Staatsanwaltschaft hatte eine 30 Jahre lange Haft gefordert.

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Park blieb der Urteilsverkündung, die im Fernsehen übertragen wurde, fern. Seit Oktober vergangenen Jahres boykottierte sie ihren Prozess. Sie erklärte sich selbst als Opfer einer „politischen Verschwörung“ und bestritt die Vorwürfe. Es wurde damit gerechnet, dass ihre Anwälte in Berufung gehen werden. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich nach Berichten südkoreanischer Sender zahlreiche Anhänger Parks und forderten ihre Freilassung.

Neben dem tiefen Fall als Politikerin bedeuteten ihre Absetzung, die anschließende Verhaftung und Anklage auch einen Gesichtsverlust für Park, die die Südkoreaner Ende 2012 als erste Frau ins höchste Staatsamt gewählt hatten. Wegen ihrer Erfolge für die Konservativen wurde sie einst zur „Königin der Wahlen“ gekürt. Sie hatte bereits einen Großteil ihrer Jugend im Präsidentenpalast verbracht. Nach dem Tod ihrer Mutter 1974, die bei einem Attentat eines Nordkorea-Sympathisanten umkam, übernahm sie im Alter von 22 Jahrem ersatzweise sogar die Rolle der First Lady. 1979 wurde ihr Vater von seinem Geheimdienstchef erschossen.

Der Skandal um Park und ihre umstrittenen Freundin Choi Soon Sil hatte das Land monatelang aufgewühlt. Parks ehemalige Vertraute ist eine Schlüsselfigur in der Korruptionsaffäre. Die Tochter eines ehemaligen Sektenführers wurde im Februar zu 20 Jahren Haft verurteilt. Park wurde unter anderem vorgeworfen, ihrer Freundin die Einmischung in die Regierungsgeschäfte erlaubt zu haben, obwohl diese kein öffentliches Amt innehatte.

Nach Angaben des Gerichts arbeiteten beide Freundinnen außerdem zusammen, um zahlreichen Unternehmen, darunter die Samsung-Gruppe, hohe Summen zur Förderung von Stiftungen und Organisationen Chois und ihrer Familie abzunötigen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ging es dabei um weit mehr als 70 Milliarden Won. Das Gericht erkannte mehr als 23 Milliarden Won als Bestechungsgeld an, das Park in Zusammenarbeit mit ihrer Freundin erhalten oder eingefordert habe.

Nach Angaben des Gerichts machte sich Park auch mitschuldig, dass unter ihrer Regierung eine schwarze Liste von regierungskritischen Kulturschaffenden erstellt wurde.

Das Büro von Parks linksliberalem Nachfolger Moon Jae In äußerte am Freitag Bedauern über den Fall. Es ist das dritte Mal in der Geschichte Südkoreas, dass ein früheres Staatsoberhaupt nach der Amtszeit wegen Korruption und anderer Vorwürfe verurteilt worden ist. Der frühere Präsident Chun Doo Hwan wurde 1996 im sogenannten Jahrhundertprozess zusammen mit seinem Nachfolger Roh Tae Woo wegen Rebellion und Hochverrats zum Tode verurteilt. Gegen beide wurden zudem hohe Geldstrafen wegen Korruption im Amt verhängt. Ende 1997 wurde Chun zusammen mit Roh begnadigt. Beide leben noch. Derzeit sitzt Parks direkter Vorgänger Lee Myung Bak wegen Korruptionsvorwürfen in U-Haft. (dpa)