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Südturm der Mandaukaserne strahlt wieder

Das Stadtforum und andere Initiativen schaffen in Zittau vollendete Tatsachen. Ist der Abriss damit vom Tisch?

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© Matthias Weber

Von Mario Heinke

Zittau. Das Gerüst ist gefallen. Der Südturm erstrahlt in der Mittagssonne. „Einen Leuchtturm setzen“, nennt Thomas Göttsberger die abgeschlossene Sanierung des Südturms, der sich von der restlichen, maroden Fassade der Mandaukaserne wohltuend abhebt. Ursprünglich wollten Göttsberger und die Initiativen den Südturm lediglich notsichern, Das heißt die erforderlichen statischen Holzarbeiten an Dachstuhl und Zwischendecken erledigen, das Dach und die Entwässerung reparieren sowie fehlenden Putz ersetzen. Dass der Turm nun komplett verputzt und gemalt ist, sei kurzfristig entschieden worden, weil das Gerüst einmal stand, so der Ostritzer. Er ist im Besitz einer weitreichenden Vollmacht des Grundstücksverwalters, die eine Fortführung der Notsicherung zulässt.

Das reparierte Dach des Südturms von einer Drohne aus fotografiert.
Das reparierte Dach des Südturms von einer Drohne aus fotografiert. © Bernd Sonsalla

Noch im November stritten die Zittauer über einen möglichen Abriss. Geht es nach Göttsberger, sind die Abrisspläne ein für alle Mal vom Tisch.Er macht keinen Hehl daraus, dass die Spender, das Zittauer Stadtforum, die Freunde der Mandaukaserne, der Freundeskreis Mandaukaserne, die Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ und viele Privatpersonen mit der Sanierung vollendete Tatsachen geschaffen haben. Die Intention, die alle eint: Das Gebäude sichern, damit es dauerhaft erhalten bleibt, auch wenn noch keine Nutzungsmöglichkeit absehbar ist.

„Dornröschenschlaf ist besser als Abriss“, sagt Göttsberger. Der Finanzbeamte zückte dafür sogar seine private Geldbörse. Nach eigenen Angaben kostete die Sanierung des Südturms insgesamt 40 000 Euro. 19 000 Euro Spenden sind bis dato eingegangen. Architekt Benjamin Pfefferkorn steuerte weitere 4000 Euro bei und Göttsberger füllte den Fehlbetrag mit 17000 Euro auf. Neben den Geldleistungen unterstützten engagierte Bürger die Sanierung, indem sie mit Spendenbüchsen loszogen, den Rasen an der Mandaukaserne mähten oder auf der Baustelle zupackten. Auch eine Gruppe polnischer Jugendlicher, die in Görlitz eine Fortbildung absolvierte, ließ sich vor Ort in traditionelle Handwerkstechniken am Bau einweisen. Dass die Rettung der ehemaligen Regiments-Unterkunft für einige Zittauer eine richtige Herzensangelegenheit ist, belegt die Spende einer 70-Jährigen, die 1000 Euro beisteuerte.

Die Notsicherung geht in den kommenden Monaten weiter. Als Nächstes soll das Flachdach im Mittelteil des Monumentalbaus repariert werden. Das sei notwendig, um zu verhindern, dass weiterhin Wasser ins Innere läuft und dort Schäden anrichtet, sagt Göttsberger. Weitere Schäden am Nordflügel und Nordturm, die zu einer Gefahr werden können, behalte man im Auge. Dort sei aber sofortiges Handeln nicht erforderlich. Während Göttsberger die Gebäudesicherung vorantreibt, verhandelt die Stadt parallel mit dem Verwalter der Immobilie über den Ankauf. Das erklärte Stadtsprecher Kai Grebasch auf Anfrage der SZ. Außerdem sei man mit einem Projektentwickler und potenziellen Fördergeldgebern im Gespräch. Die Frage, ob die Stadt einen Abriss wieder ins Auge fasst, wenn die Gespräche scheitern oder ergebnislos bleiben sollten, bleibt unbeantwortet. Grebasch erklärt stattdessen: „Angesichts der Tatsache, dass sich zahlreiche Menschen für den Erhalt der Mandaukaserne deutlich über das übliche Maß hinaus engagieren, erscheint es aktuell nicht angebracht, weiterhin den Abriss des Gebäudes zu thematisieren.“ Entscheidend sei, dass die Mandaukaserne den städtischen Haushalt nicht belasten darf. Diese Aussage von Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) vom November 2015 gelte immer noch. Mit dem Stadtrat sei einvernehmlich festgelegt worden, dass die Stadt Zittau ausschließlich Projekte unterstützt, die der Innenstadt keine Nutzung entziehen, so Grebasch.

Damals nahm Zenker eine Beschlussvorlage zum geplanten Abriss im Stadtrat von der Tagesordnung, nachdem es Proteste aus der Bevölkerung gab und sich überregionale Institutionen für den Erhalt des Baudenkmals aussprachen.

Göttsberger zeigt Verständnis für die Sicht der Stadt und versichert: „Bisher ist noch kein Cent städtisches Geld in das Gebäude geflossen und das soll auch so bleiben.“ Würde allerdings jeder Zittauer nur vier Euro geben, könnte das Gebäude für die nächsten 20 Jahre gesichert werden, sagt er. Das Bauwerk brauche einfach Zeit. Er glaubt fest daran, dass sich irgendwann einmal eine sinnvolle Nutzung für die Mandaukaserne ergibt. Das Denkmal sei keine Belastung für künftige Generationen, sondern eine Chance.

Mit dieser Meinung steht er offensichtlich nicht ganz allein. Das beweist die Rettung des Südturms im Handstreich durch engagierte Bürger, die vollendete Tatsachen schaffen. Nicht zum ersten Mal verhinderten Zittauer so den Abriss eines Denkmals. Auch die Stunden der Schauburg schienen gezählt, bis Bürger sich einmischten. Heute spricht dort niemand mehr über Abrisspläne.

Spendenkonto: Freunde der Mandaukaserne e.V.

IBAN: DE17 1207 0024 0568 8833 60

Verwendung: Notsicherung Südturm Mandaukaserne