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Süße Plage

Es gibt immer mehr herrenlose Katzen, die für Städte und Tierheime teuer werden. Schuld ist gedankenlose Tierliebe.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Freital/Pirna. Erst seit wenigen Wochen wohnen Melly und Leni im Freitaler Tierheim. Die beiden jungen Katzen warten darauf, bald in liebevolle Hände zu kommen. Bis dahin werden sie in ihrem Gehege umsorgt, genauso wie die derzeit rund 30 anderen Katzen in der Einrichtung. Darunter sind immer mehr Miezen und Kater, die nie einen Besitzer hatten und bisher wild aufgewachsen sind. Es ist ein Problem, mit dem viele Gemeinden und Städte zu kämpfen haben, Bannewitz zum Beispiel.

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Da gebe es dieses ältere Ehepaar, das an der Dresdner Landstraße wohnt, erzählt Ordnungsamtschefin Sylvia Stiller. Fast 20 Katzen würden die betagten Leute dort füttern. Katzen, die ihnen eigentlich nicht alle gehören. Jahrelang habe das kaum jemanden gestört. Doch seit in der Nachbarschaft gebaut wurde und dort nun Familien wohnen, werden die vielen Katzen zur Plage. „Das Problem ist, es werden immer mehr“, sagt Stiller – und das nicht nur dort. An einigen Orten in der Gemeinde bestehe das Problem, dass sich Katzen wild vermehren, eigentlich herrenlos leben und von Tierliebhabern gedankenlos durchgefüttert werden. „Ich verstehe die Leute, die ein Herz für die Tiere haben“, sagt sie. Aber so könne es nicht weitergehen.

Rund 12 000 Euro muss Bannewitz pro Jahr investieren, um vermeintliche Fundkatzen durchzubringen. Denn nach dem Gesetz müssen Fundtiere ebenso wie Fundsachen von der Kommune entgegengenommen werden. Allerdings können die Tiere nicht wie Gegenstände für sechs Monate im Fundbüro aufbewahrt werden – so ist es für Fundsachen generell gesetzlich vorgeschrieben. Die Tiere kommen ins Tierheim und werden dort weiter versorgt, inklusive Kastration und notwendiger ärztlicher Behandlungen. Dies sei auch schon missbräuchlich ausgenutzt worden, von Tierbesitzern, die den eigenen Katzen-Nachwuchs als fremd ausgaben, erzählt Stiller. „Aber irgendwann kennt man seine Pappenheimer.“

Es wird immer teurer

Das Aufkommen an gefundenen Tieren, insbesondere Katzen, schlage teuer zu Buche. Es belastet auch das Budget des Tierheimes, das die aufgegriffenen Katzen schließlich aufnehmen, impfen, kastrieren und füttern muss. Die Freitaler Tierheim-Chefin Regina Barthel-Marr kann das bestätigen: Voriges Jahr habe der Tierschutzverein rund 7 000 Euro allein für die Kastration ausgegeben. „Es wird künftig mehr“, vermutet sie. Immerhin werde die Kastration auf Antrag von der Landesdirektion finanziert, anders als andere Kosten.

Im Tierheim Freital sieht man sich aufgrund der zunehmenden wilden Katzenpopulation vor immer größeren Herausforderungen. Denn nicht nur aus Bannewitz werden die Tiere hier aufgefangen. „Anderswo sieht es nicht besser aus“, sagt Barthel-Marr. In Freital selbst kenne sie ebenfalls solche „Katzen-Hotspots“, wenn man sie so nennen mag. Auch aus Altenberg landeten kürzlich 13 Tiere im Freitaler Tierheim. Es sind Katzen, die keinem gehören und die sich nach Lust und Laune weitervermehren würden, käme nicht eine Kastration dazwischen.

Aufklärung soll helfen

„Könnte ich die Kastration anordnen, würde ich es tun“, sagt Barthel-Marr. Aber diese tierärztliche Operation sei nicht gesetzlich vorgeschrieben und somit eine freiwillige Sache. Abgesehen davon wäre es auch nur schwer zu kontrollieren. „Wir können doch nicht allen Katzen zwischen die Beine schauen“, sagt Stiller. Kommunen und Tierheim sind machtlos.

Deshalb wollen sie die Katzenfreunde für das Thema sensibilisieren. „Vielen Leuten ist nicht klar, dass es einen Unterschied zwischen Fundtieren und herrenlosen Tieren gibt“, hat Sylvia Stiller beobachtet. Im Gegensatz zu wilden Katzen hätten Fundkatzen einen Besitzer. Sie seien meist handzahm, machen oft einen gepflegteren Eindruck und tragen vielleicht sogar ein Halsband, erklärt die Bannewitzer Ordnungsamtschefin. Sollte jemand eine solche Katze finden, dann könne das Ordnungsamt der Gemeinde informiert werden. Allerdings müsse nicht gleich jede fremde Katze, die einmal vor der Haustür miaut, weggeholt werden. „Katzen sind oft unterwegs. Dazu müssen sie nicht gleich entlaufen sein“, erklärt sie. Erst wenn das Tier regelmäßig – vielleicht zwei bis drei Tage infolge – vorbeischaut, könnte es aber sein, dass es irgendwo entlaufen ist. Dann sei das Ordnungsamt zu informieren.

Bei herrenlosen Tieren verhalte es sich anders. Für sie ist der Tierschutzverein, also das Tierheim, zuständig. Wilde Katzen werden im Auftrag der Einrichtung kastriert und nach ein paar Tagen wieder entlassen. So, wie es nun auch mit den Miezen geschehen soll, die derzeit an der Dresdner Landstraße in Bannewitz umherschleichen. „Nur so bekommen wir die Population in den Griff“, sagt die Tierheim-Chefin.

Und noch etwas wollen die Tierschützer Katzenfreunden mit auf den Weg geben: „Bitte keine fremden Katzen anfüttern“, sagt Sylvia Stiller. Abgesehen davon, dass herrenlose Tiere sich zügig vermehren, wenn sie nicht fachgerecht kastriert werden, gehe laut Gesetz bei regelmäßiger Versorgung das wilde Tier in den Besitz des Fütterers über. Eigentum verpflichte auch zu Weiterem, wie beispielsweise zu ärztlicher Versorgung. Die Ordnungsamtschefin sagt es deutlich: „Entweder, man kümmert sich um das Tier mit jeder Konsequenz, oder man lässt ganz die Finger davon.“