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Wirtschaft

Supermärkte hängen Discounter ab

Verbraucher kaufen öfter bei großen Supermarktketten als bei Aldi und Lidl. Ihnen geht es inzwischen mehr um die Qualität als um den Preis.

Edeka, Rewe und Co steigerten ihre Umsätze 2019 um rund 3 Prozent.
Edeka, Rewe und Co steigerten ihre Umsätze 2019 um rund 3 Prozent. © Christian Charisius/dpa

Nürnberg. Trotz aller Debatten um Billigfleisch und Dumpingpreise: Im deutschen Lebensmittelhandel haben im vergangenen Jahr die großen Supermarktketten beim Umsatz deutlich stärker zugelegt als die Discounter mit ihren Billigangeboten. Nach einer aktuellen Marktstudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) steigerten Edeka, Rewe und Co ihre Umsätze 2019 um rund 3 Prozent. Die Discounter wie Aldi und Lidl schafften dagegen laut GfK insgesamt nur ein Plus von 0,9 Prozent.

Dem Verbraucher gehe es längst nicht mehr nur um den Preis, er verlange inzwischen "neben akzeptablen Preisen auch eine angenehme Einkaufsatmosphäre und ein attraktives Angebot an ökologisch nachhaltigen Produkten", erklärte der GfK-Handelsexperte Robert Kecskes den Trend. Dieses schwierige Spagat gelinge den Supermärkte derzeit besser als den Discountern.

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Die niedrige Arbeitslosigkeit und die steigenden Reallöhne haben nach Einschätzung des Experten die Einkaufsgewohnheiten der Bundesbürger in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Gaben 2009 auf die Frage nach ihrer eigenen finanziellen Situation lediglich 27 Prozent der Haushalte an, sie könnten sich "fast alles leisten", so sind es inzwischen schon 42 Prozent. Zugleich sank die Zahl der Haushalte, die sich nach eigener Einschätzung "fast nichts mehr leisten" können, von 26 auf 17 Prozent.

Handel kann nicht auf Sonderangebote verzichten

Die Folge: 55 Prozent der Verbraucher achten laut GfK beim Einkauf derzeit vor allem auf die Qualität, nur 45 Prozent schauen vor allem nach dem Preis. Vor zehn Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt: Der Preis war den meisten wichtiger als die Qualität. Vor allem den jüngeren Verbrauchern seien Frische, Regionalität, handwerkliche Herstellung und die Unterstützung kleinerer Produzenten ein Anliegen, berichteten die Marktforscher.

Die Konsumenten kaufen laut insgesamt weniger Güter des täglichen Bedarfs, greifen aber öfter zu höherwertigen Produkten. Dies zeige sich besonders beim Fleisch, wo der Trend zum völligen oder teilweisen Fleischverzicht Spuren hinterlasse, sagte Kecskes. Wer seltener Fleische esse, sei dann aber oft bereit, bei diesen Gelegenheiten mehr Geld auszugeben.

Das heiße allerdings nicht, dass der Handel problemlos auf Sonderangebote bei Fleisch verzichten könne, betonte der Experte. Denn Sonderangebote für Hackfleisch und Steaks auf den Handzetteln seien nach wie vor ein erfolgversprechender Anreiz, um die Kunden in die Läden zu locken. Und angesichts der sinkenden Kundenfrequenzen in vielen Geschäften sei dies von wachsender Bedeutung für die Händler.

Außerdem dürfe man nicht diejenigen vergessen, die nach wie vor knapp bei Kasse seien. Hier habe der Handel eine besondere Verantwortung. "Auch ärmere Menschen wollen der Umwelt nicht schaden. Sie müssen die Chance dazu bekommen. Das ist die Aufgabe des Handels heute - und es ist keine leichte Aufgabe", meinte Kecskes.

Absage an Mindestpreise

Angesichts extremer Billigangebote für Lebensmittel im Handel hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Supermarkt- und Discountketten am Montag bei einem Spitzengespräch zu einem fairen Umgang mit den Bauern aufgerufen, damit sie "auskömmlich" ihr Geld verdienen könnten. Mindestpreisen hatte sie aber eine Absage erteilt.

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) Stefan Genth, bekräftigte allerdings nach dem Spitzengespräch in der "Passauer Neuen Presse", dass die Handelsunternehmen nicht für die Probleme vieler Bauern verantwortlich seien. Die meisten Waren verkauften die Landwirte an die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie oder in den Export. "Den Hebel beim Handel anzusetzen, ist folglich falsch", meinte er.

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Auch die Ernährungspolitikerin der Grünen, Renate Künast, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es reiche nicht, die Verantwortung allein beim Handel zu suchen. "Lebensmittelindustrie und Restaurantketten verfügen ebenfalls über eine große Marktmacht." Faire Preise für nachhaltige Produkte seien eine Aufgabe der gesamten Ernährungsbranche. (dpa)