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Der Herr der Bienen

© Matthias Schumann

John Scheller hat an seiner Edeka-Filiale in Radeberg acht Bienenvölker angesiedelt. Die sind sehr fleißig.

Von Thomas Drendel

Radeberg. John Scheller beugt sich ganz dicht vor das Einflugloch des Bienstockes. Die gelbbraunen Insekten schwirren nur so um seinen Kopf. „Nein keine Angst, die sind ganz ruhig. Mich hat noch nie eine gestochen“, sagt der Chef des Edeka-Marktes in Radeberg. Und wirklich, ab und an setzt sich eine Biene aufs Hemd, fliegt aber nach kurzer Zeit weiter. Seit knapp vier Wochen sind das seine Völker. Rund 400 000 Bienen schwirren seitdem von hier aus. „Sie haben einen Flugradius von drei Kilometern. Erreichen damit auch das Hüttertal mit seinen vielen Pflanzen.“

An den Eingängen der Bienenstöcke herrscht reges Treiben. 400000 Bienen wohnen am Edeka-Markt. © Matthias Schumann

Der Anstoß sich Bienenvölker anzuschaffen kam ihm gut 700 Kilometer von Radeberg entfernt. „Ich gehe mit Freunden gerne in den Alpen. Vergangenes Jahr waren wir auf einer Hüttentour in Tirol. Dort haben wir bei einem Bauern übernachtet, der vieles selber produzierte Butter, Käse und eben auch Honig“, sagt der Radeberger. „Dieser Bauer sagte uns, jeden Tag einen Löffel Honig auf nüchternen Magen, dann kannst du fast nicht sterben. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber der Bauer sah noch verdammt jung aus“, erzählt John Scheller. Außerdem, weiß er inzwischen hilft Honig mit seinen vielen guten Inhaltsstoffen auch gegen Allergien. „Allerdings muss der Honig aus der Region kommen, in der man lebt. Hier schwirren nun mal die Pollen herum, auf die man allergisch reagiert.“

Da der Unternehmer selber auf Birkenpollen empfindlich ist, setzte er den Rat des Tiroler Bauern um und nahm jeden Morgen einen Löffel mit der süßen Leckerei. Zunächst mit Honig umliegender Imker. „Dann überlegte ich mir, warum nicht selber Bienenvölker anschaffen?“ John Scheller griff zum Hörer und rief Rico Heinzig an. Der Stadtteilimker, wie er sich selber nennt, hat in Dresden bereits mehrere Bienenstöcke stehen.

Er fand die Idee, auf den Edeka-Märkten in Dresden-Cotta und Radeberg welche aufzustellen, großartig. Kurz darauf kam die Lieferung: 15 Völker für das Dach in Cotta, acht für Radeberg. Wobei Dach in Radeberg nicht ganz stimmt. „Hier haben wir sie auf einem Grünstreifen hinter dem Markt stehen. Bienen brauchen etwas Schatten. Das können wir auf dem Markt in Radeberg nicht bieten. In Cotta gibt es auf dem Dach einen Vorsprung, außerdem ist es begrünt.“ Einmal die Woche schaut der Imker nach dem Rechten. „Ich selber bin ja Laie, besser wenn sich ein Fachmann um die Bienen kümmert“, sagt John Scheller.

Radeberger Gold

Aber nicht nur sein morgendlicher Esslöffel Honig war für John Scheller der Grund die Bienen anzuschaffen. „Gerade in den vergangenen Monaten war viel vom Bienensterben zu hören und davon, wie wichtig sie für uns Menschen sind. Auch deshalb habe ich das Projekt umgesetzt.“ Natürlich spielt auch ein geschäftlicher Gedanke mit. „Die Nachfrage nach regionalen Produkten nimmt immer mehr zu. Auch der Honig, den wir von Imkern der Umgebung anbieten, läuft gut. Bald wird unser eigener Honig im Regal stehen. Von Radeberger Bienen in Radeberg und von Cottaer Bienen in Cotta.“ Wie der heißen wird, ist auch schon klar. Radeberger beziehungsweise Cottaer Gold.

John Scheller rechnet mit einem guten Ertrag. „150 Kilogramm werden es in Radeberg schon sein. Da kommen einige Gläser zusammen.“ Von dem Honig will er eine Analyse machen lassen. „Wir wollen genau wissen, welche Pflanzen die Bienen anfliegen, ob es eher Raps- oder vielleicht Akazienhonig ist.“ Imker Rico Heinzig rechnet damit, dass in Radeberg in der kommenden Woche der Honig geerntet werden kann. „Stark regnen sollte es allerdings nicht, dann leidet der Honig unter der hohen Luftfeuchtigkeit.“ Geht alles glatt, dann könnte das Radeberger Gold im August in den Regalen stehen.