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Freital

Surfen im Schneckentempo

Viele Internetkunden am Raschelberg in Freital bekommen nur einen Bruchteil der gebuchten Internet-Geschwindigkeit.

Anwohner am Raschelberg in Freital haben mitunter nur ein Drittel der versprochenen Internetbandbreite anliegen. © Foto: Karl-Ludwig Oberthür

An einem Vormittag in der Woche sitzt Siegfried Anisch wie so oft vor seinem Computer und schmökert online durch die Tageszeitung. Texte lesen, Bilder angucken – das macht das System ganz ordentlich mit. Doch wenn Anisch ein bisschen mehr möchte, wird es schwierig, sprich langsam.

Denn trotz der gebuchten 16.000er Leitung kommt in seiner Wohnung auf dem Raschelberg kaum etwas an. Zum Beweis lässt der Rentner seinen Computer die anliegende Download-Geschwindigkeit anzeigen: schlappe 6,1 Megabit pro Sekunde. „Und das ist schon die Obergrenze, oftmals ist es noch weniger“, berichtet Anisch.

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Er reiht sich damit ein in die Riege der unterversorgten Freitaler, die für einen schnellen Internetanschluss zahlen, oftmals aber mit deutlich weniger auskommen müssen. Seinen Nachbarn, so berichtet Siegfried Anisch, gehe es nicht viel besser. „Die haben alle das gleiche Problem.“

Die Häuser gehören mehrheitlich der Wohnungsgenossenschaft Raschelberg. Dort arbeitet Lutz Trept als technischer Vorstand. „Ich kenne auch Fälle, die haben eine 40.000er Leitung gebucht, bezahlen dafür und haben auch nicht mehr als die sechs Megabit“, berichtet Trept.

Das Netz auf dem Raschelberg gehört der Deutschen Telekom und wurde in den Neunzigerjahren verlegt. In vielen Straßen und in die Häuser hinein liegen hier noch Kupferleitungen. Diese übertragen die Signale jedoch nicht in solch hohen Raten wie Glasfaserkabel, die beim schnellen Internet die technische Grundlage bilden. Und weil auch Fremdfirmen, wie beispielsweise der Provider 1&1, mit dem Siegfried Anisch einen Vertrag hat, auf die Telekomleitungen angewiesen sind, schlagen sich alle mit diesem Problem herum. „1&1 nutzt an den genannten Adressen die Leitungen der Deutschen Telekom. Leider ist es tatsächlich so, dass die 16 Mbit/s dort aufgrund der technischen Gegebenheiten aktuell nicht erreicht werden können“, sagt Kerstin Corea, Sprecherin von 1&1.

Gibt man auf der Internetseite der Deutschen Telekom unter dem Stichpunkt Verfügbarkeitsprüfung die Adresse Am Raschelberg und Siegfried Anischs Hausnummer ein, werden sechs Megabit pro Sekunde als maximal mögliche Kapazität genannt. Bei 1&1, Anischs Anbieter, werden aber 16.000 Mbit/s genannt – im gleichen Netz. Vodafone bietet ebenfalls DSL mit 16 000 Mbit/s an. Pyur, die in dem Wohngebiet einen großen Kundenkreis haben, werben gar mit einer 60.000er Leitung. Viele Anbieter versprechen schnelle Leitungen – aber bieten sie nicht annähernd.

„Egal ob Pyur, 1&1 oder wer auch immer – ich höre viele Klagen“, bestätigt Genossenschaftler Trept. Viel machen kann die WG aber auch nicht. Die Zeiten, wo Vermieter mit sogenannten Gestattungsverträgen einen Anbieter gebunden haben und alle Mieter bei diesem Anbieter Telefon, Internet und mitunter auch Fernsehen aus einer Hand geliefert bekamen, sind vorbei. Nur noch wenige Hauseingänge hätten solche Altverträge, die in naher Zukunft auch auslaufen. Trept: „Jeder Mieter macht heute einen Vertrag mit dem Anbieter seiner Wahl.“ Und vor allem junge Leute auf Wohnungssuche erkundigen sich genau, wie schnell das Internet ist. Für Vermieter wie die Wohnungsgesellschaft kann sich ein Schneckentempo in der Telefonleitung von daher schnell zum Nachteil entwickeln.

Umso mehr freut man sich über technische Alternativen, die sich nun auch dem Raschelberg nähern. Vodafone beispielsweise liefert Internet via LTE-Mobilfunktechnik. Die Freitaler Strom und Gas hat in der Gegend ein Glasfasernetz verlegt, das bis an die Telekomverteiler heranreicht. Von da geht es zwar ebenfalls im Kupfernetz weiter – wegen des vorgeschalteten Glasfasers aber schneller als bei der Konkurrenz. „Eine 16.000er Leitung können wir an jeder Stelle garantieren, an vielen Stellen deutlich mehr“, wirbt Prokurist Jens Schulze. Bis 2021 wolle man zudem weiter investieren und Glasfaserkabel bis an die Wohnhäuser der Genossenschaft heran verlegen. Eine entsprechende Vereinbarung ist bereits getroffen.

Siegfried Anisch wird das nichts nützen. Er wohnt in einem Haus, das nicht der Genossenschaft gehört, und wird von daher vorerst weiter im Schneckentempo durchs World Wide Web surfen. Oder er wechselt den Anbieter, was höhere Kosten bedeuten würde. „Die 16.000 Mbit würden mir aber reichen. Wenn sie denn anliegen würden.“ Mit seinem Anbieter 1&1 hat er sich deshalb vorerst auf einen Preisnachlass geeinigt. Zudem, so teilte ihm 1&1 vor einigen Tagen schriftlich mit, wolle das Telekommunikationsunternehmen weiter an dem Thema dran bleiben. Allerdings, so die Firmensprecherin Kerstin Corea: „Derzeit liegen uns keine Informationen dazu vor, dass die Telekom in dieser Region einen Ausbau plant.“

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/freital vorbei.

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