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Tänzerischer Ausnahmezustand

Beim Finale der Stepptanz-WM sehen die Zuschauer auf der Bühne viele alte Bekannte, aber auch einige neue Gesichter.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Kevin Schwarzbach

Riesa. Beim Stepptanz wird nicht lange gezögert und geschwafelt. Jede Minute, die ohne ein Klackern vorüberzieht, ist eine verlorene Minute. Kaum haben alle Nationen die Bühne betreten und die deutsche Nationalhymne gehört, ist die Tanzfläche schon wieder leer. Zumindest fast. Lediglich drei Jurymitglieder und Moderator Michael Wendt stehen im Hintergrund auf dem Parkett.

Noch bevor der Stepptanz-Abend startet, feiern die Tänzer nach der Präsentation aller Mannschaften auf der Bühne ihren Sport. Besonders laut singen, hüpfen und steppen die Amerikaner mit ihrer Nationalflagge.
Noch bevor der Stepptanz-Abend startet, feiern die Tänzer nach der Präsentation aller Mannschaften auf der Bühne ihren Sport. Besonders laut singen, hüpfen und steppen die Amerikaner mit ihrer Nationalflagge. © Klaus-Dieter Brühl

Im Vordergrund warten der Amerikaner Kyle van Newkirk und der Ukrainer Oleksandr Ostanin. Die beiden beginnen den Stepptanz-Abend mit dem Duell der Füße. Wohl ein Synonym für: Duell der Ausnahme-Stepptänzer. Van Newkirk lässt seine Füße derartig schnell durch die Luft fliegen, dass einigen Zuschauern der Atem stockt. Konkurrent Ostanin steppt erst auf den Zehenspitzen und scheint dann über das Parkett zu schweben. Der Ukrainer gewinnt. Ein Sieg, der daran zweifeln lässt, ob Stepptänzer den Gesetzen der Schwerkraft unterliegen.

Bewundernswerte Duos

Der finale Abend der Stepptanz-Weltmeisterschaften ist von der ersten Sekunde an ein Feuerwerk. Ganz zur Freude der etwas mehr als 2 000 Zuschauer, die am vergangenen Samstagabend in die Sachsenarena gekommen sind, um sich die Vorstellungen der weltbesten Stepptänzer anzusehen. Circa 1 600 Tänzer aus rund 20 Nationen sind im Rahmen der Stepptanz-WM in Riesa angetreten. Einige Finalisten sind erstmalig bei den Erwachsenen dabei, andere gehören bereits zum Inventar.

Beispielsweise Coralle Versfeld. Die Südafrikanerin steppt seit fast einem Jahrzehnt bei den Frauen an der Weltspitze, kennt sich in Riesa bestens aus. Für einen Titel reicht es dieses Jahr allerdings nicht, gemeinsam mit der Schweizerin Shyrleen Mueller belegt sie im Einzel der Frauen den geteilten zweiten Platz. Den Sieg sichert sich die Schweizerin Kim Selamet.

Was folgt, ist ein beinahe unbeschreibliches Feuerwerk. Die ausgelassen jubelnden Zuschauer sehen sieben bewundernswerte Duos, die auf einem außergewöhnlichen Niveau steppen – das ukrainische und das italienische Duo gar auf einem anderen Stern. Sowohl Sergii Ostapenko und Oleksandr Ostanin als auch Emanuele und Leonardo D‘Angelo haben den Titel verdient. Die Jury entscheidet für die Italiener. Die Brüder brechen in Tränen aus, im Vorjahr waren sie den Ukrainern noch unterlegen. Bei all dem Drama geht fast verloren, dass die Slowenen sich den Titel bei den kleinen Gruppen sichern.

Auch der zweite Teil des Tanzabends enttäuscht die Zuschauer nicht. Das englische Team Tap Attack tritt nach den Vorjahreserfolgen extrem verjüngt an, wird für diesen Mut bei den Trios belohnt. Das Trio mit dem 16-jährigen Jaydon Vijn sichert sich den Weltmeistertitel. Und auch der eingangs unterlegene Amerikaner Kyle van Newkirk kommt noch zu seinem Erfolg: Im Einzel der Männer setzt er sich die Krone des Weltmeisters auf, alle sieben Jurymitglieder wählen ihn auf Platz eins. Die Sachsenarena bebt, nicht nur die amerikanischen Fans würdigen diesen grandiosen Erfolg.

Heimischer Weltmeister

Doch die Zuschauer können noch mehr, kurz vor Schluss droht die Halle zu explodieren. Die Penguin Tappers, eine Formation aus Hemsbach in Baden-Württemberg, steppen sich beim Finale der großen Gruppen bis ganz nach oben auf das Podest. Deutschland ist Weltmeister, auf heimischem Boden. Zuletzt war es die Showtanz-Formation Ragazzi aus Limburg, die 2013 einen Weltmeistertitel in Riesa erringen und somit im eigenen Lande behalten konnte. Die Tänzer können es kaum fassen, steppen ihren Siegertanz mit strahlenden Gesichtern noch einmal aufs Parkett. Konfetti fliegt durch die Luft, die Party kann beginnen.

Die Stimmung steckt die Zuschauer an. Mit viel Körperschwung verlassen sie die Tribüne – klopfen mit ihren Beinen auf den Boden, wackeln mit ihrem Po. „Bis nächstes Jahr“, verabschiedet sich Moderator Michael Wendt. Dann wird Riesa wieder im tänzerischen Ausnahmezustand sein.