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Täter nach Anschlag auf Minister ermittelt

Der Angriff auf die Wohnung von Justizminister Gemkow hat vor einem Jahr viele Politiker erschreckt. Jetzt wird gegen zwei Verdächtige Anklage erhoben. Doch Fragen bleiben.

© Robert Michael

Von Karin Schlottmann

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Dresden. Ein Jahr nach dem Anschlag auf die Privatwohnung von Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) hat die Staatsanwaltschaft Leipzig Anklage gegen zwei Täter erhoben. Den beiden 29-jährigen Männern werden versuchte gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Das teilte die Behörde auf SZ-Anfrage mit. Das Motiv bleibt unklar.

Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe und verweigern die Aussage, sagte eine Sprecherin. Ermittelt wurden sie nach SZ-Informationen mithilfe von DNA-Spuren. Die Ermittler gehen davon aus, dass weitere Täter beteiligt waren, deren Identität nicht festgestellt werden konnte. Gewissheit, ob der Anschlag tatsächlich dem Justizminister galt, gibt es demnach nicht.

Am 24. November vorigen Jahres hatten die Täter mit Granitsteinen Fensterscheiben der Wohnung in Leipzig durchschlagen und Buttersäure hineingeworfen. Die Steine verfehlten nur knapp das Schlafzimmer, in dem auch Gemkows Frau und die beiden kleinen Kinder schliefen. Die übel riechende Chemikalie richtete großen Sachschaden an. Noch in der Nacht zog die Familie aus der Wohnung aus. Ein Prozesstermin vor dem Amtsgericht Leipzig steht noch nicht fest.

Politiker aller Parteien reagierten mit großem Erschrecken, sie verurteilten die Buttersäure-Attacke scharf. Eine „feige und skrupellose Tat“ nannte Ministerpräsident Stanislaw Tillich den Vorfall. SPD-Fraktionschef Dirk Panter sprach von einer neuen, traurigen Qualität und Linke-Vorsitzender Rico Gebhardt nannte den Übergriff „Terror pur“.

Die Täter hatten kein Bekennerschreiben hinterlassen. An einem politischen Hintergrund zweifelten die Behörden dennoch nicht. Sowohl Rechts- als auch Linksextremisten wurden zum Kreis der Verdächtigen gezählt. Das Operative Abwehrzentrum in Leipzig übernahm die Ermittlungen. Seitdem schwieg die Polizei zu dem Fall – auch nachdem zwei Verdächtige identifiziert werden konnten. Ende September schloss die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ab und erhob Anklage gegen die beiden Männer wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung beim Amtsgericht. Es handelt sich nach SZ-Informationen um einen Deutschen und einen Kirgisen. Über die Anklageerhebung informierte die Behörde die Öffentlichkeit nicht. Erkenntnisse über Motiv und Ziel des Anschlags bleiben unklar.