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Taktischer Wandel in der Terrorszene

Nach dem 11. September war die Angst vor Anschlägen durch organisierte Terror-Netzwerke groß. Die jüngsten Angriffe in Paris zeigen: Der Terrorismus hat sich verändert. Ein taktischer Wandel, sagt ein Sicherheitsexperte.

© dpa

Essen. Statt großer terroristischer Anschläge verüben Einzeltäter oder Kleinzellen gezielte Angriffe wie zuletzt in Paris - Sicherheitsexperte Rolf Tophoven vom Institut für Krisenprävention sieht darin eine neue Entwicklung. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam und was das für die Sicherheitsbehörden bedeutet.

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Nach den jüngsten Anschlägen in Paris drängt sich der Eindruck auf, dass sich der Terrorismus verändert hat: Von großen Anschlägen hin zu gezielteren Angriffen - stimmt die Annahme?

Ja. Seit dem Tod von Osama bin Laden hat sich in der Vorgehensweise der militant-islamistischen Terrorszene ein taktischer Wandel abgezeichnet und vollzogen. Es geht inzwischen um mittelschwere und kleinere Anschläge. Denn durch die massive Observation ist die Vorbereitung eines großen Anschlags aufwendiger geworden, die Gefahr entdeckt zu werden, ist größer. Kleinere Anschläge sind für Einzeltäter oder auch terroristische Kleinzellen leichter umzusetzen, aber die Wirkung ist gleich. Auch medial.

Eine solche Gefahr ist also für die Sicherheitsbehörden schwerer zu kontrollieren?

Ja, gerade bei Einzeltätern. Die Sicherheitsbehörden in Deutschland haben rund 260 sogenannte Gefährder auf dem Schirm. Die können allerdings nicht rund um die Uhr bewacht werden und jederzeit als Täter in die terroristische Szene abrutschen. Daher müssen die Behörden abwägen, ob sie zugreifen oder noch abwarten und weitere Erkenntnisse gewinnen. Die Festnahmen etwa in Berlin, Dinslaken und Wolfsburg wurden sicherlich auch durch eine größere Vorsicht nach den Terroranschlägen in Paris ausgelöst.

In Dresden wurde für Montagabend ein Versammlungsverbot verhängt. Auslöser war eine Terrordrohung gegen Pegida-Organisator Lutz Bachmann. Hat eine solche Bedrohung durch gezielte Angriffe Auswirkungen auf öffentliche Veranstaltungen, auch langfristig?

Ich will nicht spekulieren, denke aber, dass man auf der Seite des Terrors genau hinsieht - wie reagiert eine Gesellschaft auf solche Bedrohungen? Das Bild ist vielleicht ein bisschen schief, aber passend: Man lässt erst mal einen Luftballon steigen und schaut, wie weit er kommt. Klar ist aber auch: Wenn eine Gefahr für die Bürger besteht, muss präventiv gehandelt werden. Von daher war die Entscheidung in Dresden richtig, souverän und sinnvoll.

Interview: Elena Zelle, dpa

Rolf Tophoven wurde 1937 geboren. Er ist Direktor des Instituts für Krisenprävention in Essen. Bis zur Auflösung in den 1990er Jahren war er stellvertretender Leiter des Bonner Instituts für Terrorismusforschung.

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