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Talente-Pool will Fachkräfte halten

Der Verein Lausitz Matrix kümmert sich um abgelehnte Experten – und will eine neue Chance in der Oberlausitz bieten.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Matthias Klaus

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Görlitz. Mike Altmann kann sich noch gut an Zeiten erinnern, als er zu Unternehmen gegangen ist, um nach Ausbildungsplätzen zu fragen. So lange ist das noch gar nicht her. „Seit 2005 haben wir als Verein den Arbeitsmarkt in der Gegend im Blick“, sagt der Geschäftsführer von Lausitz Matrix mit Sitz in Görlitz. Seither habe sich die Situation stark geändert. Statt Lehrlinge, die eine Ausbildungsstelle suchen, suchen nun Unternehmen nach Lehrlingen. Und nach Fachkräften. Alternde Belegschaften, Geburtenknick, es gebe mehrere Gründe, warum sich das Ganze gedreht hat, sagt Mike Altmann.

Seit 2016 gibt es deshalb ein regionales Stellenportal. Unternehmen können dort offene Stellen einstellen, gratis. Unterstützt wird das Vorhaben seit vergangenem Jahr von der Fachkräfteallianz des Landkreises und vom sächsischen Wirtschaftsministerium. Dieses Portal im Internet wird nun erweitert. Ein Talente-Pool soll eingebaut werden. Dahinter stecke die Idee, so Landkreis-Sprecherin Julia Bjar, abgelehnten Bewerbern auf anspruchsvolle Stellen in Unternehmen in der Oberlausitz eine Alternative zu bieten.

Die Idee des Talente-Pools gebe es schon seit längerem, sagt Mike Altmann. Er erklärt sie so: Eine Firma hat eine spezialisierte Stelle zu besetzen, aber drei Bewerber. Und der Chef wisse, dass andere Unternehmen in der Oberlausitz diese auch einsetzen könnten. Der Unternehmer kann dann diese Bewerber empfehlen. „Es geht nicht darum, einfach nur eine Absage zu verschicken. Der Bewerber soll eine neue Chance bekommen“, sagt Geschäftsführer Mike Altmann.

Er oder sie muss dann aber auch ein Profil angelegt haben. Im ersten Schritt sehen angemeldete Unternehmen für den Bewerbermarkt allerdings nur allgemeine Informationen wie etwa die Berufsausbildung, nicht aber, wer tatsächlich hinter dem Profil steckt. „Das hat datenschutzrechtliche Gründe“, schildert Mike Altmann. Im zweiten Schritt kann dann das Unternehmen eine Kontaktanfrage senden. Wird diese positiv beantwortet, dann hat die Firma Zugriff auf die kompletten Daten, die ein Bewerber eingestellt hat. Und: Der interessierten Firma wird angezeigt, welches Unternehmen ihr den Bewerber empfohlen hat. „Das Ziel ist ganz einfach: gute Leute in der Region zu halten und sie möglichst schnell mit interessierten Unternehmen in Kontakt zu bringen“, sagt Mike Altmann. Mit Region meint er explizit die Oberlausitz. Bisher sind etwa die Informationen von 20 Interessenten in der Datenbank hinterlegt.

„Es ist bei den Firmen inzwischen angekommen, dass man für gutes Personal auch Geld ausgeben muss“, schätzt Mike Altmann ein. Das Sächsische Wirtschaftsministerium unterstützte 94 Vorhaben ähnlich wie den Talente-Pool in der Oberlausitz mit insgesamt knapp fünf Millionen Euro. Zu den Projekten zählen beispielsweise Rückkehrerbörsen. Sachsens Arbeitsminister Martin Dulig formuliert es so: „ Wir geben den Regionen einen großen Handlungsspielraum um passende Projekte zu planen und umzusetzen.“ Dafür sei die Richtlinie für die Förderung sehr breit gefasst worden.

Der Talente-Pool in der Oberlausitz soll dabei nicht nur auf Fachkräfte beschränkt bleiben, sondern auch Lehrlinge einbinden. „Inzwischen kommen auch erste Initiativbewerbungen an“, sagt Mike Altmann. Bis Ende 2019 ist das Vorhaben finanziell zunächst abgesichert. „Wir müssen schauen, ob es nicht auch andere Möglichkeiten der Kommunikation auf kurzem Weg zwischen den Unternehmen, den Jobbewerbern gibt“, sagt der Geschäftsführer von Lausitz Matrix.

Der Talente-Pool wird Teil einer Bewerber-Datenbank. Sie gehört zum bereits bestehenden Karriereportal.

www.jobs-oberlausitz.de