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Tanktourismus andersherum

© dpa

Die Preisunterschiede beim Diesel über die Grenzen hinaus sind nicht mehr groß. Nicht nur Deutsche tanken jetzt auch verstärkt in Deutschland.

Von Anja Beutler

Ebersbach/Zittau. Diesel für einen Euro, auch mal knapp darunter oder darüber – das ist an den Tankstellen diesseits und jenseits der Grenzen durchgehend so – egal ob man gestern in Radomierzyce bei Hagenwerder, in Sieniawka, Hradek oder Bogatynia und Liberec schaute. Anders als beim Benzin, lohnt es sich beim Diesel nur selten, ins Nachbarland zu fahren, wenn man Geld sparen will.

Das merkt auch der Stationsleiter der Aral-Tankstelle am Zittauer Ring, Jan Wemme: „Es kommen wieder mehr Deutsche zu uns – aber auch mehr Tschechen und Polen“, berichtet er. Dass sich auch die Autofahrer aus den Nachbarländern jetzt öfter bei ihm blicken lassen, liege an den Unterschieden in der Qualität, glaubt er. Einige der ausländischen Kunden haben ihm berichtet, dass sie mit dem deutschen Kraftstoff keine Probleme mit ihren Motoren haben. Wenn sie in Polen oder Tschechien tanken, hingegen schon, da habe es Schäden gegeben. Gerade, wer die hochwertigeren Diesel- und Benzinsorten wähle, käme so lieber an die deutschen Tankstellen. Und preislich ist beim Diesel nun ohnehin kaum ein Unterschied mehr.

Ein Trend, den auch Ingolf Baatz in Ebersbach schon seit mindestens einem halben Jahr beobachtet: „Wer als Tscheche zum Beispiel einen Audi A 6 fährt, der kommt nach Deutschland tanken, das ist so“. Generell, so betont der Ebersbacher, mache die Ferien- oder Feiertagsreisewelle kaum noch wirklich etwas aus – Schwankungen in Deutschland hin oder her. „Seit wir die neue Schnellstraße nach Löbau haben, sowieso nicht“, sagt er.

Die Frage, ob man die seit Jahren verlorenen Kunden, die im Nachbarland tanken, nun alle zurückholen kann, beschäftigt viele Tankstellenbetreiber nur bedingt. Sie haben sich darauf eingestellt und setzen vor allem auf die mittelständischen Firmen, die in Deutschland tanken und die Steuern dann absetzen können. Das sei weitaus wichtiger. „Die machen unter der Woche weit mehr Umsatz als jeder Reiseverkehr“, sagt auch der Ebersbacher Tankstellenbetreiber Baatz.

Bislang fällt die Entscheidung bei Privatleuten, nun wieder in Deutschland zu tanken, aktuell fast nur den Diesel-Fahrern leichter, bestätigt auch Andreas Franke von der gleichnamigen Zittauer Tankstelle. Denn in der Tat ist der Preisunterschied beim 95er-Benzin immer noch groß: Zahlte man in Deutschland – auch über die Feiertage – im Schnitt zwischen 1,25 und 1,30 Euro pro Liter, sind es im Nachbarland sowohl in Polen als auch Tschechien etwa 1 Euro bis 1,10 Euro. „Viele fahren immer noch dahin, wo es eben billiger ist“, schätzt Franke ein.

Dass die Qualität bei der Entscheidung zunehmend eine Rolle spiele, das sieht Franke nicht so: „Die Marken-Tankstellen im Nachbarland haben auch gute Qualität“, betont er. Aber bei den freien Tankstellen sei das eben nicht immer so, sagt er und vergleicht das mit einer Suppe: „Manche lassen die Gewürze – beim Tanken die Additive – eben weg“, beschreibt er. Das sei dann eben nicht so gut. Zudem seien die Normen für Kraftstoffe auf der anderen Seite der Grenze noch immer ein bisschen anders als in Deutschland. Deshalb habe der Sprit aus dem Ausland eben nicht die gleiche Energieleistung wie der deutsche.